Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Judenbefehlshaber im Münsterland
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Judenbefehlshaber im Münsterland (Vorort Coesfeld) Von Felix Lazarus Als sich Bisehof Christof Bernhard von Münster1) 1751 entschloß, für seine Judenschaft einen Befehlshaber und Obervorgänger einzusetzen, fiel seine Wahl zunächst auf den Warendorfer Juden Nini Levy2). Nach Ninis Rücktritt um 1668 wurde Abraham Isaac Auerbach aus Coesfeld mit diesem Amte betraut3). Auerbach hatte schon zu Christofs Vorgänger, dem Kurfürsten Ferdinand4), finanzielle Beziehungen. Der „Hof- und Rabiner Jud" ist Landrabbiner, Kaufmann und Organisator in einer Person, der mit großen Mitteln arbeitet5). Auch literarisch hat er sich betätigt6). Außer seinem Sohn und Nachfolger Isaac7)!) 1651—1678. S. Erhard, Geschichte der Stadt Münster, S. 476 f. 2) S. meinen Aufsatz in MGWJ 1936, S. 106 ff. 3) In den Akten heißt er stets Abraham Isaac. S. indes den Bericht Huers weiter (Anm. 13). Christof Bernhard stellt dem J. Abraham 1654 einen Schutzbrief auf acht Jahre aus. Bis dahin scheint in Coesfeld kein Jude gewohnt zu haben. Als 1551 Bischof Franz die Aufnahme zweier Juden verlangt, bittet C, die Stadt zu verschonen. Seit Menschengedenken sei kein Jude dort ansässig gewesen. 1618—1629 versuchte Berndt Levi, 1697 ein Dortmunder Jude die Aufnahme zu erreichen. 1667 wohnten 1 (Abraham), 1683: 2 (Abraham und sein Sohn Isaac), 1720: 4, 1730 : 6, 1739 : 7, 1749 : 6, 1763/95: 8 Familien in Coesfeld. Über die Frühsiedlung dort MGWJ 1906, S. 89f.; Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden, IV, S. 59 f.; Rixen, Gesch. und Organisation der Juden im ehemaligen Stift Münster, S. 4 f. 4) „Hof- und Rabiner Jud" hat unter zwei regierenden münsterischen Landesfürsten Munition geliefert. (Münster St. Archiv L. A. 39 Nr. 7 (im Bericht Abr. Isaacs an den Bischof für 1668). Anderswo bezeichnet er sich als „Hochfürstl. Hof- und Rabiner Jud". 5) Für seine Stiftung in der Amsterdamer Synagoge (Anm. 16) wendet er 500 Rthlr auf. Hamagid 1858, S. 18. Dem Bischof Maximilian Heinrich berichtet er 1683, er habe als Tribut 600 Rthlr aus seinem Vermögen vorgeschossen und in der Besorgnis, die Gelder nicht wiederzuerhalten, schlechte Zahler exekutiert. (St. Arch. Münster i. W. a. a. O.) S. besonders Rixen, S. 34, Anm. 2. Am 26. Okt. 1678 verfügt Christof Bernhard, „die Herren Generalstaaten der Vereinigten Niederlande, daß wegen mit Ihnen eingegangener Alliantz einige Susidiengelder mit Obligationen zu bezahlen versprochen und Wir dieselbe an andere für Bahrgelt zu verhandeln gemeint sein, daß wir dafür Unseren Hof Juden Abraham Isaac gnädigste Commission ertheiit haben, vorgemelte obligationes für Bahrgelt wie obstehet zu verhandeln, die obligationes zu überliefern, darfür die vergleichende gelder zu empfangen, und darob in Unserem Nahmen zu quittieren. Was nun vorgemelter Unser Hof Jude also thuen und lassen wirt, das alles wollen wir genehmb und Ihm diesfalls allerdings schadelos halten, bey unseren wahren fürstliche worten, trewen und glauben, Uhrkundt Unseres Handzeichens u. Sekretes 2 Marty 1677. Christof Bernhardt." Als Ausstellungsjahr der Urkunde wird der 26. Oktober 1678 genannt. Da Christof schon am 19. Sept. 1678 starb, so ist sie erst nach seinem Tode ausgestellt. ") S. weiter S. 241 ff. T) Er bezeichnet Isaac 1674 als angesehenen Mann. Derselbe muß also damals schon im Mannesalter gestanden haben. 240