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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 4 · p. Seite 225

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 4
Article
Die Zeitschrift "Sulamith"
Date
1937-01-01
Page
Seite 225 (sequence 33)
Language
German
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Siegfried Stein. Die Zeitschrift „Sulamith" zu den höchsten Stufen der jüdischen Gesellschaft, den Baronen Rothschild in Frankfurt a. M. und Wien und Joel Jacob von Hirsch auf Gereuth112). Aus dieser Tatsache ergibt sich ein enger Zusammenhang (auf den wir schon gelegentlich hinwiesen) zwischen der sozialen Stellung der Sulamith-Leser und ihrer Teilnahme an den Plänen der Zeitschrift. Eine Auflockerung der Überlieferung schien nicht nur „zeitgemäßer" und fortschrittlicher, sondern war auch wesentlich bequemer und öffnete dem schrankenlosen Zugang zu den befreundeten christlichen Familien. Die Sulamith selbst zwar hat häufig Kritik an einer Haltung des Publikums geübt, die religiöse Aufklärung zum Deckmantel der Bindungslosigkeit und Lässigkeit benutzte, aber sie hat nur einmal darauf hingewiesen, daß es um so mißlicher um die moralische und religiöse Beschaffenheit einer Nation zu stehen pflege, je höher der äußere Wohlstand sei (IV, 1, 382). Es ist von Interesse, daß unter den Pränumeranten auch die Namen vdh Gabriel R i e s s e r und Johann J a c o b i, den beiden Kämpfern für die Judenemanzipation, sich befinden. Die Sulamith fand also noch gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts Beachtung bei maßgebenden Persönlichkeiten. Auch Rabbiner und Lehrer, die zu ihrer Zeit etwas bedeuteten, sind in den Listen erwähnt, so Landrabbiner Dr. Adler in Hannover, späterer Chief Rabbi of the United Hebrew Congregations of the British Empire, Dr. Herxheimer, Rabbiner in Bernburg, der sich durch seine Bibelübersetzung und durch Herausgabe von guten Lehrbüchern einen Namen gemacht hat, Zacharias Frankel, damals noch Kreisrabbiner in Teplitz, und Schulinspektor Ehrenberg in Wolfenbüttel, der Lehrer von Zunz. Diejenigen Rabbiner und Gelehrten jedoch, die entscheidend für die weitere Entwicklung des Judentums und seiner Wissenschaft gewesen sind, gehörten offenbar nicht mehr zu den Lesern der Sulamith. Es war inzwischen eine Reihe anderer Zeitschriften113) erschienen, die zwar im äußeren Aufbau nicht unabhängig von der Sulamith waren, aber doch wertvollere Beiträge enthielten. Ihnen gehörte die Teilnahme und die Mitarbeit der Generation, die die Wissenschaft des Judentums zu Weltgeltung brachte. Ich habe in den voranstehenden Kapiteln versucht, aus den beinahe hundert Heften der Sulamith die Bedeutung dieser Zeitschrift für die innere Entwicklung des Judentums in Deutschland im 19. Jahrhundert herauszustellen. In einem geschichtlichen Moment, in dem Ergebnisse und Leistungen der Emanzipation so allgemein in ihrem Wert in Frage gestellt werden, ist es schwer, diesem Abschnitt unserer Vergangenheit in Gelassenheit und in sorgsamer Abwägung des Geschehens gegenüberzutreten. Immer wieder sind wir geneigt, eine Zeit und ihre Lehre herabzuwerten, die uns in kaum anderthalb Jahrhunderten so weit von unserem Kern und Mittelpunkt entfernt hat, daß wir am n-) Ihm als „dem schätzungswürdigen Menschenfreund und Beförderer alles Religiösmoralischen, Gemeinnützigen und Guten" ist der VIII. Jahrgang zugeeignet; im Vorwort zu diesem Band wendet sich Fränkel ganz allgemein an die „Reichen und Wohlhabenden" unter den Israeliten mit der Bitte, der Zeitschrift ihre Teilnahme und ihr Wohlwollen nicht zu versagen und sie auf eine kräftige Weise in den Stand zu setzen, das Werk auch weiterhin und gehörig herauszugeben. ns) Vgl. die oben erwähnten „Bikkure ha'ittim" und Zunz' Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, ferner Geiger, Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie (1835—1847) und Philippson, Allgemeine Zeitung des Judentums (1837—1922). Die von Heinemann herausgegebene Zeitschrift Jedidja (1817—1833) war von geringerem Wert. 15 225

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