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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 183

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Die Münchener Judenbeschreibung von 1804
Date
1937-01-01
Page
Seite 183 (sequence 4)
Language
German
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Werner Cahnmann. Die Münchener Judenbeschreibung von 1804 gebürtig war6). Auch die an sich bemerkenswerte Herkunft einzelner Münchener Juden aus Düsseldorf erklärt sich durch die Wittelsbachische Herrschaft am Niederrhein: Karl Theodor hatte 1742 mit der Kurpfalz auch die Landesteile Jülich und Berg geerbt. Als Beispiel für den vorwiegend politisch-finanziellen Charakter dieses rheinischen Zuzugs diene die Eintragung in der Rubrik „Geschäfte und Nahrungszweig" für den Düss eldorf ischen Schutzjuden Lazarus Horn, der sich „seit sechs Jahren, ohne specieUe Bewilligung" in München aufgehalten hatte. Es heißt von ihm: „Seine Geschäfte waren hauptsächl. den Ausgang seiner Forderung an den Chf. Hofkriegsrath abzuwarten, welche Forderung er mit Wolfskehl et Comp, samentl. niederländische Contingents Lieferanten zu stellen hat. Er ist stündlich abzureisen bereit, sobald obige Forderung im Reynen seyn werden." Horn wurde demgemäß im Jahrs 1805 der weitere Aufenthalt in München nicht mehr gestattet. Auf eine Reihe reizvoller kulturhistorischer und familiengeschichtlicher Einzelheiten an dieser Stelle näher einzugehen, müssen wir uns leider versagen, wir erwähnen nur einige Einträge, welche das Zeitalter der beginnenden Emanzipation kennzeichnen. Der eine betrifft einen Hermann Moses, 35 Jahre alt, aus Berlin, von dem es heißt, er sei „Ein Gelehrter, produciert von Titl. Freyh. v. Aretin, Chf. Oberbibliothekar, ein Zeugnis, daß er auf Hofbibliothek provis. Arbeit erhalten habe." Ein anderer betrifft den privilegierten Lederfabrikanten N. L. Bommeisler, der hiermit bereits zu einer im Sinn der damaligen Zeit „productiven" Berufsausübung übergegangen war. Ähnliches gilt für Mendle Neusterter aus Obernbreit, der nebst dem Handel mit Wechseln und Geldsorten auch die „Concession zur Errichtung einer Baumwollspinnerey" angibt und von Isak Wolfskehl aus Düsseldorf, der zusammen mit Abraham Will aus Wittelshofen (wie Obernbreit im Ansbachischen Gebiet gelegen) und Israel Rothschild aus Schnaittach eine „Bodasche Fabrique in der Au" betreibt. Die wirtschaftliche Seite der Emanzipation wird also von süddeutschen Juden vertreten — vgl. auch die Stellung des Hofbankiers Aron Elias Seeligmann und seiner Familie —, während ihr geistiger Aspekt einen Juden aus Berlin zum Repräsentanten hat. Im Umkreis von Moses Mendelssohn war die Emanzipation um eine ganze Generation früher eingetreten als im Süden des Reichs. Unter den Orten, aus welchen eine größere Anzahl der Juden stammt, die sich im Jahre 1804 in München aufgehalten haben, befindet sich an erster Stelle die Gemeinde Fürth mit 9 Personen. Es folgen in Franken Schnaittach mit 6, Pappenheim mit 5, Treuchtlingen und Hurtenbach mit je 4 und Bayreuth mit 2 Personen; aus Schwaben ist Kriegshaber mit 6, aus der Kurpfalz Mannheim mit 3, aus der Oberpfalz Sulzbürg mit 2 Personen vertreten. Nächst den Herkünften beansprucht die Aufgliederung der Berufe der Münchener Juden von 1804 besonderes Interesse. Tabelle II: Berufe der Münchener Juden 1804 Gruppe I Geldwechsel7) plus Münzenhandel.....9 Geldwechsel plus Juwelen-, Uhren- und Galanteriehandel..........10 Geldwechsel plus Juwelen-, Uhren- und Münzenhandel...........8 Geldwechsel plus Textilien........2 Geldwechsel plus Juwelen-, Uhren-, Galanteriehandel, sowie Handel mit Gütern u. landwirtschaftlichen Produkten.......8 Juwelen- und Uhrenhandel........4 Insgesamt.............._41 Uebertrag: 41 6) Über A. E. Seeligmann vgl. Arthur Cohen a. a. O. und Hümmert, Die finanziellen Beziehungen jüdischer Bankiers und Heereslieferanten zum bayerischen Staat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diss. München 1927. 7) Hiermit sind Geldgeschäfte aller Art, einschließlich Sortenhandel gemeint. 183

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