Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Steuern und Abgaben der Juden im Erzstift Trier
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Steuern und Abgaben der Juden im Erzstift Trier Von Jakob May Der erste Versuch einer zusammenhängenden Geschichte der Juden im Trierschen stammt von Hecht1) aus dem Jahre 1858. Ihm folgt 1881 die schon wesentlich umfangreichere Arbeit von Ehrmann2). Beide Verfasser betonen ausdrücklich, daß unter den von ihnen benutzten Quellen Urkunden jüdischen Ursprungs, die einen Einblick in das innere Leben der jüdischen Gemeinschaft gestatteten, kaum vorhanden seien. Das gleiche gilt aber auch für das reiche Archivmaterial, auf dem die Arbeit von Liebe3) aus dem Jahre 1893 fußt, bis schließlich zur zusammenfassenden Übersicht Kobers*) von 1931. Daß es trotzdem noch einen ungehobenen archivalischen Schatz wenigstens zur neueren Geschichte der Juden in Kurtrier gibt, konnte der Verfasser feststellen, als ihn im Frühling 1937 bei genealogischen Studien ein glücklicher Zufall auf das Archiv der Koblenzer jüdischen Gemeinde aufmerksam machte. Es finden sich darin in zwei Konvoluten mehr als 350 Urkunden verschiedenster Art aus der Zeit von 1653 bis 1811, davon die ersten vier aus dem 17. und nur die sechs letzten aus dem 19. Jahrhundert. Der in früheren Zeiten weit stärker als heute herrschenden Gepflogenheit des „urschriftlichen" Verkehrs, die unter ungünstigen Umstanden sicherlich zum Verlust vieler historisch wertvoller Schriftstücke geführt hat, ist es hier zu verdanken, daß sich unter den Urkunden, die dem Schriftwechsel zwischen Landesherrn und Domkapitel einerseits und Judenschaft andererseits entstammen, neben beglaubigten Kopien auch zahlreiche Originale mit Siegeln vorfinden. Sämtliche Stücke sind in deutscher Sprache, nur einige wenige in hebräischer Kursivschrift verfaßt. Sie gestatten, das Gerippe erzbischöflicher Gesetze und Verordnungen, auf das die einschlägige Geschichtsforschung bis jetzt fast ausschließlich angewiesen war, wenigstens für das ganze 18. Jahrhundert mit lebendigem Leben zu umkleiden und dabei auch Irrtümer der Fachliteratur richtig zu stellen und Unklarheiten aufzuhellen. Der nachfolgende Aufsatz behandelt ein wichtiges Teilgebiet aus dem Gemeinschaftsleben der kurtrierschen Judenschaft, während ihre Verfassung und Verwaltung einer späteren Arbeit vorbehalten bleiben 1) Hecht, Die Geschichte der Juden im Trierschen, MGWJ 1858, S. 179—191. 2) Ehrmann, Geschichte der Juden in Trier, „Israelit" 1881, Nr. 34—45. 3) Liebe, Die rechtlichen und wirtschaftlichen Zustände der Juden im Erzstift Trier, Westd. Zeitschr. f. Gesch. u. Kunst, Trier 1893, S. 311—374. *) Kober, Aus der Geschichte der Juden im Rheinland, Zeitschr. d. Rhein. Vereins f. Denkmalpflege u. Heimatschutz, Düsseldorf 1931, Heft 1, S. 11—98. 156