Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
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Literatur Sorgfalt zu mahnen. Es wäre zu bedauern, wenn seine nützliche Arbeit durch solche Schönheitsfehler entstellt würde. Berlin. Ismar Elbogen. Kurt Stillschweig, Die Juden Osteuropas in den Minderheitenverträgen. Verlag Joseph Jastrow, Berlin 1936. Die ausgezeichnete, gründliche und besonders aktuelle Arbeit gibt erstmalig eine erschöpfende Darstellung der ostjüdischen Situation unter dem völkerrechtlichen Gesichtspunkt des Minderheitenschutzes. An einer Schilderung des Staats- und Völkerrechts der Vorkriegszeit wird dargelegt, wie anders sich die Lage des in seiner nationalen Individualität erhaltenen Ostjudentums und seine Rechtsposition gestalten mußte als die des emanzipierten Westjudentums. Die Entwicklung, Rechtsnatur und technische Durchführung des Minderheitenschutzes im allgemeinen und seiner Anwendung auf die jüdischen Minderheiten des Ostens im besonderen ergeben ein klares, erschöpfendes Bild von der minoritätenrechtlichen Position der Juden im Rahmen der gegenwärtig geltenden Minderheitenabkommen. Für den jüdischen Historiker, dem als historisches Quellenwerk bisher nur Janowskys „The Jews and minority rights" (vgL ZGJD 1935, S. 178) zur Verfügung stand, interessiert die Arbeit aber vor allem deshalb, weil sie in den rechtshistorischen Partien eine wertvolle Ergänzung der in erster Linie historischen Untersuchung Janowskys darstellt, welche die juristischvölkerrechtliche Seite der Entwicklung nicht ausreichend berücksichtigen konnte. Den Historiker wird weiter besonders das den Abschluß der rechtshistorischen Schilderung bildende Kapitel „Jüdische Forderungen und der Abschluß der Minderheitenabkommen" interessieren, da hier der bedeutende Anteil der jüdischen Gruppen an der Entstehung des Minderheitenschutzes während der Pariser Friedensvertragsverhandlungen eingehend gezeigt wird. Der Historiker hätte neben einer stärkeren Berücksichtigung der klassischen jüdischen Theoretiker (Moses Heß, Achad Haam u. a.) im Kapitel über die Kulturautonomie eine vergleichende Heranziehung der altjüdischen Gemeindeautonomie gewünscht, deren Einfluß auf die Ausgestaltung des heutigen Autonomiebegriffs Jacob Robinsohn im Ethnopolitischen Jahrbuch 1930 nachgewiesen hat. Berlin. Werner Rosenberg. Hans Joachim Schoeps, Jüdisch-christliches Religionsgespräch in 19 Jahrhunderten, Geschichte einer theologischen Auseinandersetzung. Vortrupp- Verlag, Berlin 1937. 159 S. Das Verdienst von Schoeps ist es, mit Freimut die Finger auf die Wunden der Zeit zu legen und Lücken im Denken und Wissen unserer Tage aufzuzeigen, deren Ausfüllung Anliegen der Wissenschaft im Dienste des Lebens ist. Das Thema seiner jüngsten Schrift legt deutlich davon Zeugnis ab, jedoch ist das Können für ein so weitschichtiges Thema nicht ausreichend. — Ein Religionsgespräch ist kein Monolog, Hieb und Schlag müssen pariert werden, das Streben und Denken beider Partner muß erkannt und durchschaut werden. Im ersten Teil seiner Schrift, die die frühen Jahrhunderte behandelte, in denen es keine groß aufgezogenen jüdisch-christlichen Religionsgespräche gab, versteht es Schoeps unter Benutzung der Vorarbeiten ausgezeichnet, die vier Diskussionsthemata (Messianität Jesu, Auswählung Israels, Sinn der Tempelzerstörung, Gesetz und Glaube) durch Gegenüberstellung von Aussprüchen des Neuen Testaments und der patristischen Literatur einerseits und des jüdischen Traditionsgutes andererseits herauszustellen und ein Zwiegespräch überzeugend zu konstruieren. Um so enttäuschender ist es, daß nach der Jahrtausendwende diese Darstellungsmethode verlassen wird, um nur „einige Marksteine der Entwicklung herauszuheben" und nur dem jüdischen Partner das Wort zu geben, aus dessen Ausführungen der christliche Standpunkt zu erschließen ist. Hier wäre es Aufgabe gewesen, das Dutzend in einer Fußnote angegebener, apologetischer rabbinischer Werke durchzuarbeiten, die mittelalterliche hebräische Poesie zu durchforschen und vor allem (neben der Durchdringung der lateinischen etc. Bekehrungsschriften) die in der Renaissance aufkommende christlich-hebräische Bekehrungsliteratur und Bibelkommentierung (Fagius, Veltwyck, Münster) zu analysieren. Richtig war es, die jüdische Stellungnahme nicht aus den Protokollen der unter starkem seelischen Druck geführten Religionsgespräche, sondern aus den systematischen Werken zu erschließen, wenn 127