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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 119

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1937-01-01
Page
Seite 119 (sequence 2)
Language
German
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Literatur wie angekündigt, für die Finanz-, Wirtschafts- und Familiengeschichte jener Jahrhunderte, und zwar besonders der Juden in den deutschen Gebieten erwiesen. Mit dankbarer Freude darf man daher die Fortsetzung begrüßen, die in den Nummern 293—425 nunmehr bis in die Neuzeit (von 1786—1848) hineinführt. Das Bild des äußeren und inneren Lebens der Juden in dieser Zeit ist freilich ein anderes geworden; die Licht- und Schattenseiten der Emanzipation treten deutlich hervor. Taglicht kennzeichnet die Grundlinien dieser Veränderung in wenigen, aber treffenden Strichen in der kurzen Einleitung, die er voranschickt. Doch noch immer spielen auch unter den veränderten Verhältnissen eine Reihe der einst einflußreichen Familien eine Rolle, und mit eingehender Sachkenntnis gibt Taglicht in den Anmerkungen zu den Nachlässen Aufschluß über alle öffentlichen und privaten Beziehungen der Erblasser. Er und Wachstein ergänzen sich gegenseitig, wie sie auch in der wissenschaftlichen Akribie und zuverlässigen Art der Forschungsmethode und Quellenbenutzung erfreulich gleich sind. Ein genaues Namen-, Orts- und Sachregister erleichtert wieder den Gebrauch des Werkes mit seinen zahlreichen Beziehungen. — Eine weitere vortreffliche Ergänzung zu Taglicht und zu Wachsteins eigenen Arbeiten bildet endlich die letzte Abhandlung des vorliegenden Nachtragbandes, nämlich die aus dem Nachlaß von Wachstein durch Arthur Goldmann herausgegebene Darstellung der „Wiener Juden in Handel und Industrie nach den Protokollen des Niederösterreichischen Merkantil- und Wechselgerichtes". Goldmanns Einleitung schildert die mühseligen Vorarbeiten Wachsteins, die er nicht zu Ende führen durfte, die umfangreichen Protokollbände, aus denen er das Wichtigste auszog, um es vor allem für die familiengeschichtliche Forschung auszuwerten. Es handelt sich in diesen Protokollen um die Handelszulassungen und handelsgerichtlichen Eintragungen von jüdischen Firmen Wiens seit 1725 bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinein. Wir treffen in den 135 Nummern wieder wie bei Taglicht eine ganze Reihe bekannter Familien, erfahren Genaueres über ihre Firmen, deren Aufmachung und Entwicklung und in den Anmerkungen dazu das familiengeschichtliche Material, das Wachstein so meisterhaft beherrscht. Der Einfluß dieser Firmen auf Handel und Wandel in Österreich ergibt sich auch ohne nähere Ausführungen aus den Regesten selber. Einige Ergänzungen zu diesen und Taglichts Forschungen werden wir, wie erwähnt, bei Gelegenheit bringen. Es sei hier nur die Vermutung Wachsteins S. 343 richtig gestellt, die sich auf den Gatten der Friederike Königswarter namens Lippmann bezieht. Friederike lebte mit ihrem Gatten August Lippmann und ihren Kindern Leontine und Moritz in Paris, nicht in Wien. Für die Geschichte der Juden in Deutschland sind diese Publikationen von ebensolcher Bedeutung wie für die Geschichte der Juden in Wien, da die meisten der behandelten .Familien aus deutschem Gebiete stammen. Es muß der Wiener Kultusgemeinde immer wieder Dank dafür gesagt werden, daß sie es ihrer historischen Kommission trotz der schwierigen allgemeinen Verhältnisse ermöglicht, solche auch in ihrer äußeren Form ausgezeichneten Quellenwerke zur Veröffentlichung zu bringen. Wir möchten wünschen, daß auch in Deutschland der geschichtlichen Forschung solche Unterstützung von den dazu berufenen jüdischen Stellen zuteil werde. München. Max Freudenthal. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 79. und 80. Jahrgang, Neue Folge 43. und 44. Jahrgang. M. u. H. Marcus Verlag, Breslau 1935/36. Wie gewöhnlich enthalten auch die beiden letzten Jahrgänge der MGWJ eine Anzahl wertvoller Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland. Im Jahrgang 1935 erstattet Adolf K o b e r ein umfangreiches und sorgfältig kritisches Sammelreferat über die wichtigsten Veröffentlichungen, die auf dem Gebiete der Geschichte der Juden in Deutschland in den Jahren 1930—1934 erschienen sind. Kober bemerkt, daß eine verhältnismäßig reiche Ernte an Einzelschriften, in Dissertationen, Sammelpublikationen und Zeitschriften vorliegt. Luitpold Wallach widmet der „Judenansiedhing der Stauf er in Deutschland" eine knappe Studie. Er führt den Nachweis, daß die Beweggründe der staufischen Judenansiedhing ohne Zweifel wirtschaftlicher Natur waren. Man begünstigte von Staatswegen die Ansiedlung von Juden, um ihren Kredit 119

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