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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 117

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1937-01-01
Page
Seite 117 (sequence 1)
Language
German
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Literatur Besprechungen Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Cechoslowakischen Republik, herausgegeben von Samuel Steinherz, Jahrgang VII, Prag 1935; Jahrgang VIII, Prag 1936. Inhalt des Jahrgangs VII (483 S. u. fototypische Beilage): Vaclav Pesäk, Die Judensteuer in Böhmen in den Jahren 1527—1529; Rudolf Wenisch, Beziehungen Komotaus zu den Juden der Umgebung im 16. und 17. Jahrhundert; Ludwig Singer, Die Entstehung des Judensystemalpatents von 1797; Wenzel Zäcek, Zu den Anfängen der Militärpflichtigkeit der Juden in Böhmen; Frantisek Roubik, Zur Geschichte der Juden in Böhmen im 19. Jahrhundert (1. Zur Zensur jüdischer Bücher in Böhmen zu Anfang des 19. Jahrhunderts; II. Die Versuche zur Errichtung eines jüdischen Seminars in Prag in der ersten Hälfte des. 19. Jahrhunderts; III. Die Verhandlungen über die Regelung der jüdischen Kultus- und Schulverhältnisse in Böhmen im Jahre 1850); Bernhard Brilling, Manasse von Hotzenplotz; Alfred Grotte, Historische Baudokumente jüdischer Wanderung in Böhmen und Mähren; B. Suler, Ein Maimonides-Streit in Prag im 16. Jahrhundert; Tobias Jakobovits, Die Erlebnisse des R. Berl Jeiteles als Primator der Prager Judenschaft; S. H. Lieben, Oppenheimiana. Inhalt des Jahrgangs VIII (427 S.): Ruth Kestenberg, Hussitentum und Judentum; H. Suler, Rabbinische Geschichtsquellen; Tobias Jakobovits, Die jüdischen Zünfte in Prag; Jaroslav Prokes, Das Ghetto zu Neu-Bidschow und die sogenannte Sekte der Bidschower Israeliten um die Mitte des 18. Jahrhunderts, mit einem Originalplan; Wenzel Zäcek, Eine Studie zur Entwicklung der jüdischen Personennamen in neuerer Zeit; Heinrich Flesch, Aus einem jüdisch-deutschen Lehrbuche für Medizin; Simon Adler, Aus den Judizialakten des 18. Jahrhunderts (Bilder aus dem täglichen Leben der Juden in Prag); D. Herzog, Ein Steckbrief aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; S. Steinherz, Nachruf auf Professor Ludwig Singer. Wie die Inhaltsangabe zeigt, bringen die beiden Jahrbücher wieder eine Reihe wertvoller Abhandlungen, aus denen diejenigen herausgegriffen seien, die in ihrer Bedeutung über den Rahmen der Landesgeschichte hinausgehen. Auf deutschen Boden spielt die von Brilling dargestellte Geschichte des unglücklichen Manasse von Hotzenplotz hinüber, des ersten größeren Münzlieferanten in Schlesien. Aus der letzten Arbeit des nunmehr verewigten ausgezeichneten Forschers Ludwig Singer ist ein reformatorisches Gutachten von Herz Homberg, das von der Staatsbehörde erfordert war, von ebensolchem Interesse wie in der Abhandlung von Roubik die mannigfachen Mitteilungen über den jüdischen Kulturkampf der Nachmendelssohnschen Zeit, u. a. über die Beschlagnahme des Flugblattes von Ludwig Philippson, das zur Begründung einer jüdisch-theologischen Fakultät in Deutschland aufforderte. Namens- und Ortslisten von Gemeinden, die der VII. Band enthält, die zahlreichen Unterschriften unter den Rabbinatsdiplomen von David Oppenheim, die Lieben näher bestimmt, sind sehr erwünschte Anhänge. Ruth Kestenberg geht tiefer auf die religiös-geistigen Beziehungen zwischen Hussitentum und Judentum ein, wie Prokes in einer freilich sehr weit ausgedehnten Abhandlung die angeblich judaisierende Sekte in Neubidschow und ihre Prozessierung darstellt. Eine so eingehende Studie wie die von Jakobovits über die jüdischen Zünfte ist wohl für eine andere Gemeinde wie für Prag kaum denkbar; sie gibt über die Teilnahme der Juden am Handwerk und seiner Förderung Aufschlüsse, die am besten die angebliche Abneigung der Juden gegen diese Berufe widerlegen. Das Hin und Her in der Frage der Führung von Personennamen von staatlicher wie von jüdischer Seite, die merkwürdigen Listen von Vornamen und ihre ebenso merkwürdige Ableitung und Gleichsetzung mit rein jüdischen Namen, diese ganze von jüdischer wie von nicht jüdisch er Seite geübte, vom Staate aufgezwungene Pseudowissenschaft, alle diese sonderbaren Vorgänge, die Zäcek in seiner schönen Studie darlegt, kann man eigentlich nur mit Humor und Sinn für Komik in der Geschichte verfolgen. Mit besonderer Genugtuung darf endlich auf die kenntnisreiche und gehaltvolle Arbeit von Suler hin- 117

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