Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Wann ist der erste hebräische Druck in Dyhernfurth erschienen?
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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Miszellen mieden worden wären, sondern „gemäß der bei jüdischen Druckern besonders beliebten Art durch Hervorhebung der in ihrem Zahlenwert entsprechenden Buchstaben eines Bibelverses oder einer der Liturgie entnommenen Wendung" angegeben ist. Nach dem gedruckten Text ergeben die durch besonderen Druck hervorgehobenen Buchstaben das Jahr (5)426 1666. Dieses Ergebnis wäre nur dann richtig, wenn es auch mit sonstigen einwandfreien Feststellungen in Einklang zu bringen ist, die sich aus dem Text selbst ergeben. Der einzige sichere Anhalt im Text, von dem aus die Datierung des Schriftchens zu kontrollieren ist, ist die im Text angegebene Synagoge des Abraham ben Eleasar halewi s. A. in Breslau, für deren Gebrauch dieses kleine Werk hergestellt wurde. Das Schriftchen ist also erst nach dem Tode des Eleasar halewi und für die Synagoge seines Sohnes Abraham hergestellt worden. Aus der folgenden Identifizierung des Lazarus und seines Sohnes und der aktenmäßigen Feststellung der erwähnten Synagoge wird sich ergeben, daß Brann mit seiner Feststellung, daß das Jahr 1666 aufgrund eines „vorläufig unheilbaren Rechenfehlers" oder Druckfehlers zustande gekommen sei, recht gehabt hat. IL Abraham ben Eleasar halewi ist auf dem Breslauer Friedhof in der Claassenstraße unter Nr. 3257 beerdigt. Er starb am 15. Schwat 5534/1774. Aus der hebräischen Grabinschrift ergibt sich, daß Abraham bei seinem Tode über 70 Jahre alt war7), woraus man schließen kann, daß er um 1700 das Licht der Welt erblickt hat. Sein Vater Eleasar (Lazarus Zacharias), der der Sohn des ersten Breslauer Kaiserlichen Münzlieferanten, des seit 1656 in Breslau nachweisbaren, 1686 in Breslau verstorbenen und in Krotoschin beerdigten Serach b. Eleasar halewi (Zacharias Lazarus) war, ist gleichfalls nach seinem am 25. Elul 5480/17208) in 7) Text der Grabinschrift im Jüdischen Gemeindearchiv Breslau. 8) Sein Tod ist im Krotoschiner Totenbuch, das sich im Gesamtarchiv der Juden in Deutschland, Berlin, befindet, eingetragen. Vor 1720 ist dann auch das von B. Weinryb in der ZGJD II, S. 301 ff. erwähnte Jerusalemer Sendschreiben an den Breslauer Breslau erfolgten Tod in Krotoschin beerdigt, wo sich noch heute sein sehr schön erhaltener Grabstein befindet. Die erwähnten Mitglieder dieser Familie waren Lieferanten der kaiserlichen und später der preußischen Münze in Breslau. Abraham Lazarus Zacharias war 1743 zum kgl. preuß. Münzlieferanten ernannt worden. Als in der preußischen Zeit auch die Synagogenverhältnisse der Juden geregelt wurden und die bis dahin von der österreichischen Regierung ohne besondere Genehmigung geduldeten Synagogen bei der preußischen Regierung zwecks Erlaubnis des Weiterbestehens neuangemeldet werden mußten, wurde auch die schon wahrscheinlich länger bestehende Haussynagoge dieser Münzjudenfamilie, die nunmehr dem preußischen Staate diente, bei der preußischen Regierung zwecks Tolerierung und Haltung von Schulbedienten angemeldet. Die Schul erhielt den Namen des gegenwärtigen Inhabers, des Abraham Lazarus: ihre zwei Beamten „Hirschel Wiener, Schulsinger bey der Schuledes Abraham Lazarus, Isaak Valentin, Schuldiener bey derselben Schule" gehörten zu den „über das Reglement tolerierten" Juden9) (1757). Nach dem Tode vom Abraham Lazarus (1774) gehörte diese Schul zu den privilegierten Schulen und wird unter dem Namen „Abraham Lazarus Zacharias jetzo Benjamin Jacob"sche Schul mit neuem Privileg vom 2. August 1776 aufgeführt10). Im Jahre 1666, in dem, wie der Druckfehler will, dieser Ovvinu Malkenu-Text gedruckt wurde, wohnte also als einziger Jude der Großvater des Abraham Lazarus, nämlich der Münzlieferant Zacharias Lazarus, in Breslau, der wahrscheinlich eine „Schul" in seinem Haus gehabt, aber wohl kaum die Synagoge nach seinem da- Vorsteher Elieser anzusetzen, der sicherlich mit dem Münzjuden Lazarus Zacharias identisch ist. 9) Stadtarchiv Breslau 16, 5 Vol. II Fol. 112b; über die Regelung der Synagogenverhältnisse s.: A. Heppner u. B. Brilling, Breslauer Synagogen (in: Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt 1932, Nr. 5, S. 50). 10) Archiv der Synagogengemeinde Breslau, Judenregister vom Jahre 1776, S. 194. 110