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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 86

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Oberhofagent Feidel David
Date
1937-01-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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Oswald Lassally. Oberhofasent Feidel David, der Vorgänger Meyer Amschei Rothschilds frühzeitig aus dem kleinen Elgershausen in die Residenzstadt Kassel über. Denn schon am 9. Februar 1756 wurde er als Schutzjude zum „Livrancier* des Landgrafen ernannt, was am 27. Mai 1760 nochmals bestätigt wird3). Am 31. August 1764 erhielt er, zunächst ohne Besoldung, das Patent als „Hof- und Cammeragent", weil er „bei Höchstdero Kassen mit so vieler Bereitwilligkeit und Treue unverdrossen sich hat brauchen lassen"4). Nach dem Tode der Hofagentin Witwe Herz erhielt Feidel ab 1. Januar 1771 eine jährliche Besoldung von 200 Talern. Damit hatte er die Stellung eines Hofbeamten. Am 8. Februar 1792 wurde Feidel David „Oberhof- und Kammeragent"5). In seinem Gesuch um Ernennung hatte er seine Bitte mit den Worten „ehe ich zu meinen Voreltern Abraham, Isaak und Jacob in die Gruft übergehe" begründet. Mehr als 40 Jahre lang war Feidel David der finanzielle Berater und Vertraute der Landgrafen von Hessen. Seine Ernennung zum „Livrancier" fällt noch in die Zeit der Regierung Wilhelms VIII. Unter dessen Sohn, Friedrich II., der von 1760 bis 1785 regierte, wurde Feidel David Hofagent, und der Enkel, Wilhelm IX., ernannte ihn schließlich zu seinem Oberhofagenten6). Die Dienste und Geschäfte Feidel Davids waren mannigfacher Art. Es war die Zeit der sog. „Subsidienverträge", durch die deutsche Fürsten gegen Geldentschädigungen (Subsidien) ihre Untertanen fremden Mächten als Söldner zur Verfügung stellten. Auch die Landgrafen von Hessen schlössen, nachdem Karl I. (1677—1731) ein stehendes Heer in Hessen geschaffen hatte, derartige Verträge ab. Durch Vertrag vom 18. Juni 1755 hatte sich Wilhelm VIII. England gegenüber verpflichtet, ein Hilfskorps von 8000 Mann auf vier Jahre zur Verfügung zu stellen. Die Ausrüstung dieses Heeres gehörte mit zu den Geschäften Feidel Davids. Durch Subsidienverträg vom 31. Januar 1776 stellte Landgraf Friedrich 17000 hessische Soldaten zur Verfügung, die im Unabhängigkeitskrieg für England in Amerika kämpften. Die Subsidiengelder7) zahlte England meistens an die Zweigniederlassung des Amsterdamer Bankhauses Abraham van Notten in London. Von dort wurden die Gelder an das Mutterhaus in Amsterdam überwiesen. Die Hessische Kriegskasse konnte die Zahlungen durch Wechsel auf van Notten in Amsterdam einziehen8). Um den Kurs für die Wechsel bei ihrer Versilberung nicht zu drücken, verfuhr man in der Weise, daß man Wechsel über kleinere Beträge an den Meistbietenden verkaufte. Die Kasseler Juden wurden gewöhnlich zur Abgabe ihres Gebots auf das Kriegszahlamt bestellt, oder man gab bei größeren Posten den kapitalkräftigsten Bankiers Kredit auf mehrere Monate, gewöhnlich bis zur nächsten Frankfurter Messe9). An der Diskontierung dieser Wechsel war Feidel David in sehr bedeutender Weise beteiligt. Wie groß der Kredit Feidel Davids war, 3) Geh. Ratsakte 2457, Blatt 1. *) Geh. Ratsakte 2457, Blatt 4. 5) Geh. Ratsakte 2457, Blatt 17. 6) Vgl. Alexander Dietz, Frankfurter Handelsgeschichte 1925, Bd. 4, Teil II, S. 721. 7) Während der Landtagsverhandlungen wurden die in den Jahren 1776—1784 bei der Kriegskasse eingegangenen englischen Subsidienzahhxngen mit 19056778 RtL angegeben (vgL Staatsarchiv Marburg, Akte Kabinettskasse 254). 8) Vgl. Josef Sauer, Finanzgeschäfte der Landgrafen von Hessen-Kassel, Fulda 1930, S. 26. 9) Sauer, a.a.O., S. 77. 86

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