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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 45

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 1
Article
Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
Date
1937-01-01
Page
Seite 45 (sequence 32)
Language
German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser stimmten mit denen des Werkes nicht überein. Daß ein ausdrückliches Dementi unbeweisbar und sehr unwahrscheinlich sei, ergab die Prüfung der Sachlage. Geradezu widerlegen ließ sich der zweite Grund: was an Nachrichten über den Chacham aus dessen eigener Lebenszeit Anspruch auf Beachtung machen darf, verträgt sich aufs beste mit dem Inhalt des Bibelschen Orients, und seine eigenen Äußerungen drei Jahre vor, zwanzig Jahre nach jenem Werke stimmen, bis in die Wortwahl hinein, damit überein in Ansichten, die nicht typisch, sondern ganz individuell sind. Straffes Ritual, mystischer Glaube, freies Denken bezeichnen diesen nicht zur Reife gekommenen Ansatz eines konservativen Judentums. Wer, wie die Reform, freies Ritual erstrebte und Glauben ins Denken verlegte, mußte den Mann für einen Heuchler, wer, wie die Orthodoxie, Ritual und Denken versteifte, mußte ihn für einen unzuverlässigen Schwärmer halten. Er war beides nicht. Er war eine Partei für sich. Der Mann und das Werk wurden Gegenstand eines Meinungsstreits für die werdende Wissenschaft vom Judentum; als zwanzig Jahre später die Reform sich dehnte, wurde ein Machtkampf daraus. Beides hat auf die Beurteilung des Werkes abgefärbt, und als drittes die spätere Orthodoxie, die von dem Werk abrückte, um den Mann zu decken. Nach dem Tempelkampf ließ der Chacham selbst „nie ein Gespräch darüber anknüpfen oder später sich darüber ausfragen". Diese nach Geigers und Steinheims Angriffen begreifliche Vorsicht, wohl auch das Bedenken, Einzelheiten des wagemutigen Frühwerks selbst nicht mehr decken zu können, hielt ihn sogar den eigenen Söhnen gegenüber zurück: dem Gespräch mit ihm entnahmen Jacob und Louis Bernays „die feste Überzeugung", doch nicht die Gewißheit, daß er das Werk nicht verfaßt habe. Für ein endgültiges Urteil sind also alle inneren Indizien wichtig, aber nicht schlüssig, alle äußeren Zeugnisse seit den Tempelkämpfen von 1841, weil bewußt oder unbewußt befangen, wertlos. Als völlig unbeeinflußt bleiben nur die Äußerung eines Mannes aus der engsten Umgebung des Chacham, wahrscheinlich Mendelson, in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums von 1838, und die Kritik von Moser, 1822, mit der Notiz von Zunz übrig, die sich in der Zuschreibung an den Chacham einig sind. Vielleicht kommt eines Tages das Exemplar des Werkes aus dem Besitz von Jolowicz, worin der Chacham sich „mit eigener Hand und Unterschrift" zum Verfasser bekannt haben soll, wieder ans Licht. Doch auch sonst liegt ein Beweis dafür vor, daß Bernays nicht immer so schweigsam war wie in seinen letzten Jahren. Es ist ein spätes Zeugnis aus früher Zeit, doppelt wirksam, weil sein Besitzer es in den Kampfjahren verschmäht hat, Gebrauch davon zu machen. Erst als die Frage längst nicht mehr (und noch nicht wieder) aktuell war, bei einem Kuraufenthalt in Badenweiler in den neunziger Jahren, hat der Kopenhagener Oberrabbiner Dr. A. A. Wolf dem Prager Rabbiner Dr. Alexander Kisch49) die Verfasserschaft des Chacham Isaak Bernays am Bibelschen Orient „aus persönlichen Erlebnissen, aus Unterredungen mit Bernays, als sie sich beide um das Kopenhagener Rabbinat bewarben [1827], und aus Unterredungen mit dem Verleger nachgewiesen". Daß je ein Dementi erfolgt sei, bestritt er. *p) Allg. Ztg. d. Judenthums Nr. 11 vom 12. 3. 1S97, S. 127. 45

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