Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rabbi Joseph von Schlettstadt
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Selma Siern-Täubler. Die Bchördenorganisatiou Friedrich Wilhelms I. und die Juden Friedrich für 300 Gulden, die die Juden von Konstanz als „Ehrung und Schenkung" zahlen müssen. Als Garanten werden genannt: Rabbi Ysaak von Schlettstadt, wahrscheinlich der Enkel von R. Joseph, und Rabbi Eberlin von Passau19). Oder ist R. Joseph nach Ungarn verschlagen worden? Sein Sohn Gabriel nennt sich nämlich: Ich Gabriel Jud von Offen20). Am 5. August 144321) verlangte Markgraf Wilhelm von Hochberg im Auftrage des Herzogs von Österreich, der Konstanzer Rat sollte die Frau Gabriels und ebenso die Frau von dessen Bruder Maennlin aus dem Gefängnis entlassen, in dem sich damals die Konstanzer Juden befanden, weil diese beiden Frauen zur Zeit des Beginns des Ritualmärchens gar nicht in Konstanz, sondern in Ungarn waren. Ein Bruder Gabriels ist Maennli von Diessenhofen, der in Angelegenheit der Konstanzer gefangenen Juden (1443—1448) einer der vom Kaiser ernannten Vertreter ist. Der andere war R. Seligman von Ulm. In dem Quittungsbrief, den die gefangenen Konstanzer Juden 1448 dem Rat von Konstanz ausstellen müssen, sind beide genannt: Gabriel Treviess und Maennli sin Bruder22). Noch viele Jahre sind beide Brüder im Bezirk Konstanz tätig. Sie werden in den Landgerichtsprotokollen und im Siben-Richter-Buch23) öfter genannt. Maennli siedelt später nach Tiengen über24), seit etwa 1450 war er Bürger von Stockach. Die Behördenorganisation Friedrieh Wilhelms I. und die Juden Von Selma Stern-Täul>ler Friedrich Wilhelm I., den schon die Zeitgenossen den Soldatenkönig genannt haben, hat das bestorganisierte Heer des damaligen Europa geschaffen. Aber er hat es unverbraucht seinem größeren Sohn als Erbe hinterlassen. Das geschickte Intrigenspiel der europäischen Mächte, ihr Feilschen um Länder, Flüsse, Meere und Kolonien, die in fürstlichen Kabinetten ausgesonnenen, von Günstlingen und Mätressen klug inszenierten, diplomatischen Schachzüge, das Lavieren, das Abwarten, das Zugreifen und das Handeln des Politikers verstand dieser ehrliche, bäuerische, dabei mißtrauische und nervös erregbare König nicht. Preußen hat in jener Zeit an äußerem Glänze nichts gewonnen. Es hat in der auswärtigen Politik keine große Rolle gespielt. Ein unsicheres Schwanken zwischen den europäischen Mächten hat die funff puch Moysi gesworn und als Im etlich Judisch Schuldbrief In ainer laden und truchlin verschlossen und hinder den Rat zu Costentz... 19) Das ist 'n'csa ITST^S '-. bei Freimann, Leket Joscher, S. 46. 20) S. Anm. 16. 21) Papier-Urkunde im General-Landesarchiv Karlsruhe. Zuerst wird Symon . Trieves aus Bergkhem genannt; dann nennt er Rebekken Gabriels und Zarten Mendüs Juden wiber und Ire kinder. 22) Loewenstein, Geschichte der Juden am Bodensee, S. 133. 23) Stadtarchiv Konstanz; dort heißt es meist Gabryel Jud Trieviss (a. 1453), auch Mennli Jud von Terfuess. 24) Loewenstein, a. a. O., S. 87. 4