Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Deutsche Literatur in hebräischer Übersetzung
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Guido Kisch. Deutsche Literatur in hebräischer Obersetzung: hatte natürlich ein Nachlassen des Bedürfnisses nach hebräischen Obersetzungen zur Folge. Nur in Rußland und den ehemals polnischen Gebieten dauerte es an, wo man in steigender Zahl die bedeutenden Werke der deutschen jüdischen und nichtjüdischen Literatur ins Hebräische und Jiddische übersetzte. Erst durch das Werden und Wachsen der zionistischen Idee stellt sich mit Selbstverständlichkeit wieder das Bedürfnis zu übersetzen und nach Übersetzungsliteratur ein. Mit der fortschreitenden Besiedlung Palästinas wird die in Mittel- und Westeuropa schon totgeglaubte hebräische Sprache machtvoll zu neuem Leben erweckt. Beinahe mit einem Schlage in eine lebende Sprache verwandelt, wird sie in Palästina zur Unterrichtssprache in allen Schulen, von der Volksschule bis zur Universität, sie wird sogar zu einer der Amtssprachen der Regierung. Kein Wunder, daß die schöne und wissenschaftliche hebräische Literatur14a), gleich allen Weltliteraturen, sich nicht auf die eigenen Stoffe und Erzeugnisse beschränken will, sondern sich bedeutende Leistungen auch von anderen Völkern und aus anderen Sprachen nutzbar zu machen sucht. An den so während der zweiten Hälfte des 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ins Hebräische übersetzten Werken ist die deutsche Literatur zahlenmäßig am stärksten beteiligt. Aus keiner andern Literatur ist so viel ins Hebräische übersetzt worden wie aus der deutschen. In erheblichem Abstand folgt die englische und französische Literatur, dann erst die russische, polnische, italienische und spanische. Es wäre eine ebenso interessante wie dankbare Aufgabe, Anfänge und Entwicklung dieser modernen hebräischen Übersetzungsliteratur monographisch darzustellen, ihren Motiven nachzuspüren, Stoffe und Gegenstände, die sie gewählt hat, zu untersuchen, in eine psychologische, sprachwissenschaftliche und soziologische Betrachtung darüber eintreten. Schon Steinschneider hatte bei seinen mittelalterlichen Übersetzungsforschungen festgestellt, daß „der Hebraismus der Übersetzer eine bedeutende Epoche in der Geschichte der neuhebräischen Sprache bildet, weit wichtiger für die Entwicklung von Gedanken und Ausdrücken als der noch eigentümlichere sprachliche Auswuchs der Pajtanim (Hymnenverfasser), den Zunz mit seiner Meisterschaft behandelt hat, beide mitunter gleiche Mittel anwendend, nur teilweise mit dem mittelalterlichen Latein zu vergleichen"15). Seit Steinschneiders Werk hat sich mit jenen wissenschaftlichen Fragen, die heute zu Problemen von besonderer Aktualität geworden sind, m. W. keine selbständige größere Arbeit mehr wissenschaftlich beschäftigt. Von den neueren jüdischen enzyklopädischen Werken hat ihnen nur die Jewish Encyclopedia den wichtigen Artikel „Translations" aus der Feder von Isaak Broydes gewidmet, in dem eine Liste der bis zum Jahre 1907 ins Hebräische übersetzten Werke mitgeteilt wird16). Und aus Anlaß des 75. Todestages von Heinrich Heine veröffentlichte Bernhard Wachstein, der kürzsehen werden"; österreichisches Hofdekret vom 19. Februar 1846 (Justizgesetzsammlung Nr. 938): „Namensfertigungen in jüdischer oder hebräischer Schrift, welche auf einer in landesüblicher Sprache im Inland ausgestellten Privaturkunde vorkommen", sind „bloß als Handzeichen anzusehen"; Das allgemeine bürgerliche Gesetzbuch für das Kaisertum Österreich vom 1. Juni 1811, bearbeitet von Josef Freiherrn von Schey, 18. Auflage, Wien 1917, zu § 580. 14a) Über das Problem „Deutsche Juden und hebräische Literatur" vgl. Fritz Meir Fraenkel (in: Jüdische Rundschau, XL, 1935, Nr. 81/82, p. 18). 15) Steinschneider, Die hebräischen Übersetzungen, I., p. XVIII. 16) Jew. Encycl. XII, New York 1907, pp. 220—229. 241