Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Zürich im 15. Jahrhundert
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 12)
- Language
- German
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Meier Spanier. Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns Moyses Switzer von Winterthur erscheint später in einem Prozeß, in dessen Verlauf er auf Veranlassung Gabriels, des Sohnes Maisters Joseph, gefangen genommen worden war. Für seine Befreiung mußte er Urfehde schwören61). Interessant ist, wer die Bürgen (gewern) sind: Maister Jakob Jude von Zürich, Abraham von Colmar, Jacob, Gabriel Levi, Joseph Bürger von Konstanz. Sollte er die Urfehd nicht halten, so verpflichtet er sich dem Rat von Konstanz zur Zahlung von 400 Rheinischen Gulden. Dafür verbürgen sich „alle fünf und iglicher insunder mit Iren truwen an ains rechten geswornen Judischen aides statt für sich und ir erben." 1443 beginnt ein neues Martyrium der Konstanzer Juden. Denn immer, wo die Gelder fehlen, stellt zur rechten Zeit ein „Mord" sich ein. Diesmal ging die Blutbeschuldigung von Ahausen bei Überlingen aus. Fünf Jahre dauerten die Verhandlungen über das Geld und Gut der Juden, die inzwischen gefangen saßen. Nicht nur die Konstanzer Bevölkerung sollte die Vorteile davon haben. 1446 erwies Kaiser Friedrich dem Bürgermeister, Rat und den Bürgern der Stadt Zürich durch einen Brief die Gnade, daß die Bürger von Zürich, die Schuldner der gefangenen Konstanzer Juden seien, von der Zeit der Gefangensetzung an keinen Wucher noch Gesuoch ihnen zu geben brauchen62). Zur Charakteristik Johannes Pfefferkorns Von Meier Spanier Es wäre unzutreffend, wenn man behaupten wollte, Pfefferkorns Charakterbild schwanke in der Geschichte. Daß er keine tiefere Bildung genossen hatte und ein unedler Fanatiker war, ist wohl allgemeines Urteil. Aber diese Übereinstimmung schließt gegensätzliche Beurteilung in anderer Hinsicht nicht aus. Grätz, dem wir im 9. Bande seiner Jüdischen Geschichte eine glänzend geschriebene, mit neuem Material begründete Darstellung des Reuchlin-Pfefferkornschen Streites verdanken, die ihren Wert behält, wenn sie auch in vielen Einzelheiten irrt, schätzt wohl in seiner Empörung über Pfefferkorns Verhalten diesen Überläufer in mancher Hinsicht zu niedrig ein, während Ludwig Geiger in dem stets anzuerkennenden Streben nach leidenschaftsloser Objektivität im Widerstreit mit Grätz in den Fehler der „Rettungen" verfällt, obgleich er ihn vermeiden will, und nun wieder nach der andern Seite übertreibt. Es schien mir geraten, einmal die deutschen Schriften Pfefferkorns1) daraufhin zu mustern, ob sie nicht eine Handhabe bieten könnten, die see- 61) Pergamenturkunde im GLAK mit gut erhaltenem Siegel des Stadt-Ammans vom 19.2.1442 beginnend: Ich Brun von Tettikoven Stadtamman zu Costentz. Auf der Rückseite steht: ain urvehd von Moysses Switzer dem Juden, ob er dawider tat, sol 400 gülden vervallen sin, darumb hat er ertlich Juden zu geweren geben. 62) Ulrich, a. a. O., S. 430. x) Ich benutzte Exemplare aus der Preußischen Staatsbibliothek und der Bibliothek der Berliner Jüdischen Gemeinde, aus den Universitätsbibliotheken in Königsberg und Münster i. W. sowie aus den Stadtbibliotheken in Augsburg und Köln. 209