Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Konzession zur Errichtung der orientalischen Buchdruckerei und Buchhandlung in Berlin 1784
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 2)
- Language
- German
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Aliszellen „AUerdurcrtlauchtigster etc. Es war E. K. Mt. glorreichen Regierung vorbehalten, daß unter derselben allerhöchstdero jüdische Unterthauen sich civilisiren und zu nützlichen Mitgliedern des Staates bilden sollten. In einer Schule, die wir zu diesem Endzweck seit einigen Jahren etablirt haben, wird eine nahmhafte Anzal Kinder in allen den Kenntnißen unterwiesen, die sie einst zu nützlichen und guten Menschen machen sollen, und die bey dem öffentlichen Examen abgelegte Proben ihrer Fähigkeiten haben den Hoffnungen aller Menschenfreunde Genüge geleistet. Indeßen hängt dieSubsistenz dieser Schule blos von der Bienveillance einiger Particuliers ab, worunter unser Vater Daniel Itzig der vorzüglichste ist, und wir müßen befürchten, wenn wir nicht Mittel erlangen, ihre Revenues auf einen festen Fuß zu setzen, daß sie wieder zu Grunde gehe. Wir unterstehen uns also E. K. Mt. allerunterthänigst zu bitten, der Schule allergnädigst zu gestatten, eine Buchdruckerey und Handlung zum Besten derselben anlegen und die etwa dazu nötige geschickte Schriftgießer und Setzer aus der Fremde ansetzen zu dürfen), und wenn E. K. Mt. für das gegenwärtige Jahr schon alle vorzunehmende Bauten bewilliget haben, allergnädigst zu geruhen, uns in künftigem Jahre in einer gelegenen Gegend der Stadt ein Hauß für die Schule und ihre Lehrer erbauen zu laßen. Wir getrösten uns gnädiger Erhörung und ersterben etc. E. K. Mt. Die Directores der jüdischen Freyschule alliier Isaac Daniel Itzig. David Friedlaender. Berlin den 8. Jänner 17S4." Die Jüdische Freischule, die im Jahre 1776 begründet wurde, zählte 1783 im ganzen 73 Schüler (Hameassef für 5544, hebr. S. 44), von denen die Hälfte unentgeltlichen Unterricht erhielt. Bemittelte Eltern zahlten einen Beitrag nach eigenem Ermessen, das höchste Schulgeld betrug monatlich zwei Taler (Nicolai a.a.O.). Der Oberlandesälteste der preußischen Judenschaft und Bankier Daniel Itzig hatte 500 Taler geschenkt, die Familie Ephraim sowie sonstige Mitglieder der jüdischen Gemeinde spendeten monatliche Beiträge. Doch Schulgeld und Spenden boten keine Sicherheit. Der Bestand der Schule hing „von der Bienveiliance einiger Particuliers'' ab. Auch fehlte es an einem eigenen Gebäude für Schule und Lehrer. Man mußte anfangs den Unterrichtsort wiederholt wechseln, „von einem Haus ins andere ziehen" (Gesuch der Direktoren vom 30. Dezember 1781). Nunmehr war die Freischule in einem Daniel Itzig gehörenden Hause in der Klosterstraße untergebracht. Die im Ehrendienst wirkenden Direktoren, die das Gesuch 1784 unterzeichneten, waren: Daniel Itzigs Sohn, der Oberhofbankier Isak Daniel Itzig, und Daniel Itzigs Schwiegersohn, der Kaufmann David Friedländer. DasöffentlicheExamen, von dem sie sprachen, hatte Peßach 1783 in Anwesenheit Moses Mendelssohns und anderer hervorragenden Gemeindemitglieder, auch christücher Schulmänner stattgefunden (Hameassei hebr. S. 62). Bereits am 9. Januar, also am Tage nach der Einreichung des Immediatgesuchs, verfügte Friedrich der Große an den Minister v. Münchhausen: „Mein lieber Staats-Minister von Münchhausen. Juden haben Handlung ohnedem genug und an Buchdruckereyen ist auch kein Mangel in Berlin. Es kann also aus dem anliegendem Gesuch einer Buchdruckerey und Handlung zum Besten der Jüdischen Freyschule nichts werden. Wollen die Directeurs derselben hingegen sich auf den Druck von hebräischen Büchern einschränken, alsdenn will ihnen wohl solches nach und eurer weitem Verfügung überlaßen. Euer wohl affectionirter König Friederich. Berlin den 9ten Jenner 1784. An den Staats-Minister von Münchhausen/' An einen Druck von lediglich nichthebräischen Büchern hatten die Bittsteller nicht gedacht. Sie wollten die etwa nötigen Schriftgießer und Setzer aus der Fremde kommen lassen. Hatten sie diese für deutsche Drucke nötig? Sie wurden also durch das Nein des Königs und die Beschränkung auf den Druck hebräischer Bücher gar nicht betroffen. Um schneller zum Ziele zu gelangen, übergingen sie im mündlichen Vortrag bei v. Münchhausen, daß sie sich in ihrem Gesuche ungenau ausgedrückt hatten, und erklärten vielmehr, daß sie des Königs „Anleitung befolgen und also ihren Plan auf die orientalischen Sprachen einschränken wollen". (Bericht Münchhausens an das Generaldirektorium: s. weiter). Der König hatte von hebräischen Büchern gesprochen, 169