Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 16)
- Language
- German
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Ellen Littmann. David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo es dem Staat am zuträglichsten sey, die Juden aussterben zu lassen, oder in die Nothwendigkeit zu setzen, sich selbst zu verbannen. Indessen sind wir weit entfernt, den Königsbergischen Kaufleuten diese menschenfeindliche und grausame Absicht geradezu aufzubürden; aber sie folgt aus ihren Vorstellungen unmittelbar. Was sollen wir mit dem besten Willen von der Welt, mit ziemlich entwickelten Kräften, und mit einigem Geldvermögen aus einer namhaften Anzahl von Kindern machen, welchen alle städtische und ländliche Arbeiten untersagt sind, und welchen noch überdem übergewöhnliche Abgaben drücken? — Je größer also unsere Hoffnung war, daß denjenigen unter uns, welche mit aufrichtigem Herzen die Aufnahme unter andern Untertanen wünschen, der Wunsch gewährt werden würde; je länger wir diese Hoffnung genährt und je mehr wir bey der Erziehung unserer Kinder darauf Rücksicht genommen haben, je schneller und gewisser werden die traurigen Alternative eintreffen, die wir in der beygehenden Vorstellung, als den nothwendigen Erfolg unserer politischen Lage verkündiget haben. Die Königl. hohe Landesregierung, ausgezeichnet durch die erhabene Grundsätze Ihrer edlen und großen Mitglieder, wird nicht zugeben, daß eine Klasse von Untertanen in die Nothwendigkeit gesetzt werde, ihre Kinder auswandern, oder noch traurigere, die Moralität beleidigende Schritte thun zu lassen, weil eigensüchtige Kaufleute von engem Kopf und Herzen sie mit grundlosen Beschuldigungen überhäufen, und verhasst machen wollen, sondern Ew. Königl. Majestät werden vielmehr ihr Gesuch erfüllen und ihnen in allem willfahren, was zu ihrer Erhaltung nothwendig, zur Vorbereitung einer Reforme ihrer Nachkommen erforderlich ist, und die Rechte eines Dritten nicht beleidiget. Schlüßlich zeige ich noch allerunterthänigst an, daß die 34 Hausväter in deren Namen ich spreche, obschon sie, der Seelenzahl nach, kaum den dritten Theil der Gemeinde zu Königsberg in Ost-Preußen ausmachen, demungeachtet zu allen Abgaben 54 bis 60 p. C. betragen. In Erwartung allergnädigster Erhörung, ersterbe ich Ew. Königl. Majestät allerunterthänigster Wulff Friedländer aus Königsberg in Pr. Berlin, den 31. Jänner 1793. David Friedländers Sendschreiben an Probst Teller und sein Echo Von Ellen Littmann Das im April 1799 in Berlin anonym erschienene „Sendschreiben an Seine Hochwürden Herrn O b erconsistorialrat und Probst Teller zu Berlin von einigen Hausvätern jüdischer Religion" erregte in christlichen wie in jüdischen Kreisen starkes Aufsehen. In beiden Lagern vermutete man sofort David Friedländer als Verfasser. „Wie tief verwundet muß besonders der treffliche Friedländer sein! Ich bin begierig darauf, ob er nicht aufstehen wird, um seine Stimme zu erheben gegen den Verrat der besseren Sache"1), meint!) Briefe bei Gelegenheit der politisch-theologischen Aufgabe und des Sendschreibens jüdischer Hausväter. Von einem Prediger außerhalb Berlin, S. 12. 92