Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 1)
- Language
- German
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Ismar Freund. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen Vaterlande mit gleicher Liebe zugetan, von idealer Gesinnung und praktischem Verstand, voll künstlerischem und wissenschaftlichem Interesse", so charakterisiert ihn G. Droysen in dem schönen biographischen Denkmal, das er seinem Vater, dem preußischen Historiker LG. Droysen, gesetzt hat, der selbst in engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu Friedländer stand. Wir aber werden ihn nicht einen großen Mann nennen, wir werden ihn einen klugen, tatkräftigen und von hohem Idealismus erfüllten Mann nennen. Er drängte nicht seine Zeit in neue Richtungen, aber er nahm das Gute dieser Zeit in sich auf und suchte es für die Allgemeinheit zu verwerten. David Friedländer und die politische Emanzipation der Juden in Preußen1) Von Ismar Freund I. Unter den jüdischen Vorkämpfern der preußischen Judenemanzipation gebührt unstreitig David Friedländer der erste Platz. Das gilt auch dann, wenn man seinen Anteil an ihrem endlichen Zustandekommen weniger hoch einschätzt, als es gemeinhin zu geschehen pflegt. Die Tätigkeit Friedländers zerfällt in zwei Abschnitte. Den ersten bildet der „erste Reformversuch", der im Jahre 1787 einsetzte und 1793 ergebnislos endete, den zweiten die Epoche, die mit dem Schroetter'sehen Reformplan von 1808 begann und mit dem Edikt vom 11. März 1812 ihren erfolgreichen Abschluß fand2). II. Ausgangspunkt und Hintergrund der politischen Tätigkeit Friedländers in der ersten Epoche bildete die Lage der preußischen Juden am Ende der Friederizianischen Zeit. Damals stellten die Juden in politischer, sozialer, wirtschaftlicher, rechtlicher und kultureller Hinsicht einen Staat im Staate dar, einen politischen Sonderverband, dessen einzelne Glieder derartig aneinander gekettet waren, daß nicht nur für die dem x) Die folgende Darstellung beruht auf den Akten des Preußischen Geheimen Staatsarchivs in Berlin-Dahlem, soweit nicht andere Quellen ausdrücklich angegeben sind. Teils sind sie bereits in meiner „Emanzipation der Juden in Preußen" I und II Berlin 1912 zum Abdruck gebracht, teils werden sie hier zum ersten Male publiziert. — Weitere Literatur: David Friedländer, Aktenstücke, Die Reform der jüdischen Kolonien in den preußischen Staaten betreffend, 1793; Ludwig Geiger, Geschichte der Juden in Berlin, Bd. 2, 1871; Reinhold Lewin, in MGWJ 1913; Täubler, Mitteilgen, d. Gesamtarch. d. dtsch. Jud., I, S. 23 ff. 2) Zu der folgenden Darstellung vgl. meine „Emanzipation", I, SS. 16, 33 ff.. 166 ff., 208 ff. 77