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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 76

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 2-3
Article
David Friedländer und seine Zeit
Date
1936-01-01
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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Ernst Fraenkel. David Friedländer und seine Zeit Als im März 1812 das endgültige Gesetz den Juden in Preußen die ersehnte Freiheit brachte und sie in den Genuß gleicher bürgerlicher Rechte und Freiheit mit den Christen setzte, da konnte Friedländer mit berechtigtem Stolz von einer Krönung seiner Arbeit sprechen. Es ist eine dankbare und reizvolle Aufgabe, die aber durch das außerordentlich große Material weit über den Rahmen dieser Arbeit hinausgeht, Friedländers Stellung im geistigen Leben Berlins zu untersuchen und zu betrachten. Wie fast alle geistig tätigen Persönlichkeiten dieser Zeit steht er im regsten persönlichen Verkehr oder Briefwechsel mit Menschen, die ihn in ihrem Wirken oder in ihrer geistigen Haltung interessieren. Wir sehen ihn mit Männern der Wissenschaft im Briefverkehr, wie Wilhelm und Alexander von Humboldt, mit denen ihn enge Freundschaft seit den frühesten Jugendjahren der Brüder verband, mit Kant, der an Friedländer, „bekannten jüdischen Negozianten in Berlin" ein Schreiben mit der Bitte um Empfehlung für einen Schützling richtet. Mit Goethe steht er durch Vermittlung Zelters im Austausch von Münzen und Kunstwerken, und mit der tiefen Freude des kultivierten, kunstliebenden und kunstverständigen Mannes läßt er die lebendigen geistigen Kraftströme der Zeit auf sich wirken, wenn er auch, wie aus dem interessanten Briefwechsel mit C. A. Bötticher hervorgeht, als Mann, der die Schwelle des Greisenalters längst überschritten hat, mit seinem tiefsten Herzen nur in der Vergangenheit, in der Zeit Lessings und des geliebten Mendelssohn lebt und für die Schöpfungen des Weimarer Geheimrats im Gegensatz zu der jüdischen gebildeten Gesellschaft Berlins nicht nur kein Verständnis zeigt, sondern ihn sogar ironisch glossieren zu müssen glaubt51). Die Zeit war, so lebendig er sie miterlebte, doch für ihn gleichsam mit der Blüte der Aufklärungsepoche stehen geblieben. Mancherlei Ehrungen hatte ihm seine unermüdliche Arbeit im allgemeinen Interesse gebracht. Xunth, der alte Freund aus den Tagen, da er als Erzieher der jungen Humboldts ihm diese ins Haus gebracht hatte, berief ihn in das Kuratorium der neugegründeten Berliner Handelsschule52), 1810 wurde er von der Regierung auf Grund seiner kaufmännischen Kenntnisse und seines weiten Blickes zum „Assessor des Königl. Manufaktur- und Kommerz-Kollegiums" ernannt53), und die Berliner Bürgerschaft ehrte den Gemeinsinn des tätigen Mannes, indem sie ihn zum Stadtrat der Hauptstadt Berlin wählte. Als David Friedländer die Augen geschlossen hatte, am 25. Dezember 1834, beklagte die Berliner Judenschaft in dem Nachruf „den Verlust eines Mannes von Geistesschärfe und unerschütterlicher Redlichkeit, der seinen Glaubensgenossen durch belehrende Schriften und segensreiche Tätigkeit als Muster vorangegangen ist"54). „Eine edle Persönlichkeit, fest und milde, tatkräftig und besonnen, seinem Glauben und seinem 51) L.Geiger, Zur Charakteristik David Friedländers (in: Allg. Ztg. d. Judentums, 58. Jahrgg., S. 220 ff.) 52) P. Goldschmidt, Das Leben des Staatsrats Kunth, S. 34. 5S) Über diese Behörde s. Acta Borussica (Seidenmanufaktur), Bd. II, S.483, Anm.2, und S.487. 54) Ritter a.a.O., S. 173ff. 76

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