Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur Zacek kann aus einer Liste des Jahres 1719 den Anteil von Juden am Betrieb der Gerbereien in Mähren nachweisen. Auch die durch beide Bände durchgehenden Beiträge J i r c ä k s zur Geschichte der Jitschiner Juden bieten gutes Material zur Wirtschaftsgeschichte und erhalten durch die Schilderung des zähen Widerstandes dieser Gemeinde gegen die Bedrängnisse seitens der Stadt eine besondere Note. Die Abhandlungen zur politischen Geschichte beziehen sich fast sämtlich auf die langwierige Entwicklung der äußeren und inneren Emanzipation in den österreichischen Landen seit Kaiser Josef IL Mit umfassenden Sachkenntnissen und exakter Forschung greifen tief in diese Materie die ausführlichen Darstellungen von Ludwig Singer zur Geschichte der Toleranzpatente in den Sudetenländern und zur Geschichte der Juden in Böhmen in den letzten Jahren Josefs IL und unter Leopold IL ein. Das Für und Wider sowohl in der Öffentlichkeit wie bei den Behörden und in den jüdischen Kreisen selbst, die Auswirkung auf den verschiedensten Gebieten des Rechts, der Wirtschaft, des Unterrichts, des inneren, geistigen und religiösen Lebens erfährt hier zum ersten Mal eine aus zuverlässigen Quellen geschöpfte, wissenschaftlich objektive Zeichnung. Zur gleichen Materie gehören die Ausführungen von Adler über das Judenpatent von 1797, dessen Text als grundlegend für die rechtlichen Verhältnisse der Juden bis zum Jahre 1848 im Original geboten wird, ferner die Beiträge von R o u b i k in beiden Bänden, die erweisen, wie hart der Kampf der Juden um ihre Freiheit aut den einzelnen Gebieten vor sich ging. Roubiks Schiiderungen führen auch in das Prager Ghetto selbst hinein, über dessen geplante Verlegung nach Lieben 1680 Rachmuth und über dessen Zustand nach dem Brande 1754 mit einem sehr wichtigen Verzeichnis der Abbrändler Zäcek berichtet, während R o u b i k selbst die langdauernden Widerstände gegen seine völlige Aufhebung seit der Emanzipationszeit beschreibt. Seiner Darstellung des Kampfes um die sogenannte jüdische Universität, d. i. die Prager Talmudhochschule, verdankt man u. a. eine Liste der fremden Studenten dieser Anstalt. Von der wirklichen Prager Universität und den Juden handelt Guido Kisch in seiner bekannt rühmlichen, tiefgehenden und zuverlässigen Forschungsweise. Seine Arbeit dehnt sich zugleich weit über den Rahmen des Themas und der Lokalforschung aus und liefert an zahlreichen Stellen, besonders in den Kapiteln über die Ausbildung der Prager Ärzte bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts und der Prager Juden auf deutschen Universitäten außerordentlich wichtige Beiträge zur Geschichte des Universitätsstudiums und speziell des medizinischen Studiums der Juden seit fast vier Jahrhunderten. Urkunden im Anhang bringem einschlägiges Material zur geistigen Emanzipation. Aber nicht zuletzt sind die Anmerkungen mit ihren umfassenden Quellennachweisen eine in diesem Ausmaß bisher nicht vorhandene Fundgrube für die wissenschaftliche Behandlung solcher Themen und werden für Forscher aut diesem Gebiete fortan ein unentbehrliches Hilfsmittel sein. Gänzlich neuen Stoff bringt Tobias Jakobovits in seiner Abhandlung über das Prager und Böhmische Landesrabbinat mit der bei ihm gewohnten Sachkenntnis und Zuverlässigkeit des Urteils, in diesem Falle, da es sich um Leidenschaften von Parteien handelt, besonders wertvoll. Schwärtz übersetzt eine vielleicht auf Prag bezügliche Stelle aus dem Nizzachon des Lippmann Mühlhausen, R o k y - cana veröffentlicht das bisher nicht bekannte Druckprivileg Rudolfs IL für die Gersoniden in Prag. F 1 e s c h ergänzt seine Publikationen von Statuten der mährischen Beerdigungsbrüderschaften. Grotte zeigt, wie Prag im Synagogenbau und in der Grabmalkunst Nachahmung in Schlesien und Polen findet. Eine größere zusammenfassende Abhandlung endlich widmet im 6. Band Donath dem Bahnbrecher der tschechisch-jüdischen Bewegung Siegfried Kapper, um seine Bedeutung als Schriftsteller darzutun und sein literarisches Schaffen als eine Synthese deutschen, tschechischen und jüdischen Denkens und Fühlens zu erweisen. Unter den Autoren der Jahrbücher muß man mit besonderem Danke auch Anton Blaschka nennen, der die tschechischen Originalarbeiten ins Deutsche übertrug. München. Max Freudenthal. Proceedings of the American Academy for Jewish Research, Philadelphia. 1. 1928—30: SaloW. Baron, M. Jost, the Historian. IV. 1932—33: Sal.o Baron, The Jews and the Syrian Massacres of 1860. V. 1933—34: Alexander Marx: Zunz's Letters to Steinschneider. 62