Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur sie jetzt eine hervorragende Quelle für die Kenntnis der gesamten Verhältnisse der damaligen Prager Judenschaft. Die Urkunden sollen ganz veröffentlicht werden. Einstweilen wird nur vorweggenommen, was sich auf die Ansiedlung und auf die Wirtschaft bezieht, und läßt ahnen, wie wichtig die Gesamtdarbietung sein wird. — Aus ähnlicher Veranlassung kann Vaclav Pesäk über Urkunden berichten, die sich auf die angefochtenen Rechtsgrundlagen der Judengemeinde zu Raudnitz im Jahre 1726 beziehen und die Bekanntgabe einer durch sechs Geschlechter laufenden genealogischen Tabelle gestatten. — Den interessantesten Teil des Jahrbuches bilden die von S. H. Lieben veröffentlichten Briefe von 1744—1748 über die von Maria Theresia anbefohlene Austreibung der Juden aus Prag. Man kann diese Briefe, die einer Sammlung von Wolf Wertheimer in Augsburg entstammen, nicht lesen, ohne aufs tiefste über das den Juden zugefügte Unrecht und Unglück erschüttert und zugleich ebenso tief über die Unermüdlichkeit gerührt zu sein, mit der alle möglichen Versuche an allen möglichen Stellen in allen möglichen Ländern zur Abstellung der Gefahr unternommen werden. Nebenbei enthalten die Briefe soviel wertvolles geschichtliches, kulturhistorisches und familiengeschichtliches Material, daß sie auch nach dieser Hinsicht reichlich werden ausgeschöpft werden können. Für den Spezialforscher würde natürlich die Herausgabe der Briefe im jüdisch-deutschen bezw. hebräischen Original — Lieben bringt die Übertragung ins Deutsche — noch von besonderem Werte sein. In den beigefügten Anmerkungen gibt Lieben zahlreiche wertvolle Aufschlüsse besonders über die in den Briefen von überall her genannten Personen. Vieles wäre noch zu ergänzen. Einige kleine Beispiele! S. 368 R. Baruch in Breslau ist Baruch Gomperz. S. 370 ist das Fragezeichen bei R. Koppel Böhm nicht am Platze, da Koppel Fraenkel tatsächlich auch Böhm genannt wurde. Die S. 391 Brief 17 erwähnten Personen sind sämtlich in meinem Gomperzbuch zu finden. S. 395 Gaksch wird richtiger Gokisch zu lesen sein. Über die in den Briefen 23 und 24 genannten Personen gibt Koeltzsch, Kursachsen und die Juden in der Zeit Brühls, treffliche Auskunft; es handelt sich um den Hofpetschierstecher Michael Samuel, um Elia Halberstadt, d.i. Elias Behrend Lehmann, um R. Juspa, d. i. Joseph Jonas Meyer, um R. Herz Teplitz, d. i. Herz Lippman, um R. Efraim, d. i. Efraim Abraham Levy. R. Mordechai Katz aus Halle ist der bekannte Marx Assur. Apta wird wohl eigentlich Opatow heißen. Brief 30, der einzige, dessen Übertragung sich nach dem beigegebenen Original kontrollieren läßt, weist leider einen bösen Fehler auf; es muß nicht R. T., sondern R. B., d.i. Bendit Neumegen, heißen. Über R. G. Klef in Amsterdam (S. 421), d. i. Gumpel Gomperz, ist mein Gomperzbuch, über die S. 442 genannten R. Meir Berlin und R. Loeb Niederwerrn Loewenstein, Zur Geschichte der Juden in Fürth, 2. Teil, zu vergleichen, über die Familie des öfters erwähnten Tobias Boas im Haag ist aus Koeltzsch gleichfalls näheres zu ersehen. Man muß Lieben für die glückliche Entdeckung dieser Briefe sehr dankbar sein. — Zum Schluß bringt das Jahrbuch noch drei kleinere Beiträge: von V. Kurrein aus dem Archiv der Stadt Linz zwei Marktverzeichnisse, von Jaroslav Rokycana ein Verzeichnis der Juden zu Pardubitz aus dem Jahre 1797 (nicht 1739, wie es irrtümlich S. 485 heißt), von Isidor Herrisch eine Urkunde über die Verleihung von Familienstellen in Eisgrub. — Für den reichen Inhalt des Jahrbuches sei auch der Herausgeber bestens bedankt. München. Max Freudenthal. Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Cechoslovakischen Republik, herausgegeben von Samuel Steinherz, V. und VI. Jahrgang, Prag 1933 und 1934. Die Jahrbücher der Gesellschaft für die Geschichte der Juden in der Cechoslovakischen Republik haben sich bereits ihren sicheren Platz in der jüdischen) Quellenforschung erobert und bieten auch im 5. und 6. Jahrgang eine Reihe von Abhandlungen, die für die wirtschaftliche, politische und geistige Geschichte der Juden innerhalb wie außerhalb des tschechischen Landes und selbstverständlich vor allem für die Geschichte der deutschen Juden von Bedeutung sind. Daß die große Gemeinde Prag hierbei an erster Stelle steht, ist natürlich. Rachmuth gibt aus einer Geschäftskorrespondenz mit dem gräflichen Hause Czernin aus dem 17. und 18. Jahrhundert einen Einblick in einzelne Handelsbetriebe Prager Juden, 61