Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Familie Hallo
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Prager Stadtbücher3), die eine unerschöpfliche Quelle für die jüdische Familienforschung darstellen, die Grundlage bilden. Das Haus in der Nähe des Judentores gegen St. Valentin, das die Hammerschlags im 17. Jahrhundert bewohnten, war schon seit dem 15. Jahrhundert der Wohnsitz dieser Familie. Die Brüder Isak und Israel, Söhne des Esdre (Esriel), kauften im Jahre 1480 zu diesem Hause den nebenan liegenden Garten, und nach dem Tode Isaks wurde dieser Besitz im Jahre 1498 zwischen seiner Witwe Hendl und seinem Bruder Israel4) geteilt. Der Anteil Hendls gelangte 1503 in den Besitz ihres Sohnes Baruch und seiner Frau Tolcz. Diese schenkten 1534 ein Viertel dieses Hauses ihrem Sohn Enoch, nachdem er von den Eltern seiner Gattin Rykl, dem Arzte Jakob und Judith5), ein Viertel ihres Hauses als Geschenk erhalten hatte. Baruch und Tolcz verschrieben 1536 die übrigen drei Teile ihres Hauses ihren Söhnen lsak, Daniel und Angelus. Baruch starb im Tischri 1544 und wird in den „Geleitsbriefen", die seine Kinder und Frau erhielten6), nicht mehr erwähnt. Seine Grabschrift7) nennt ihn Baruch Sohn lsak Weisel und rühmt seine Kinder: „gam baruch hu mibanim". Aus den Stadtbüchern wissen wir, daß Isak Judenrichter, Angelus und Enoch Aelteste der Prager Judengemeinde gewesen sind. Enoch war, wie Rudolf Hallo richtig vermutet, reich und angesehen, was am Besitz vieler Häuser und der Wahl seiner Schwiegersöhne zu erkennen ist. Seine Tochter 3) Uber contractus antique Urbis Pragensis und Liber Judaeorum albus im Prager Stadtarchiv. Sie sind in lateinischer und tschechischer Sprache geschrieben und chronologisch angelegt. Die Namen sind nach diesen Büchern wiedergegeben. *) Israel S. Esriel starb 1505 (Gal-Ed Nr. 167). Seine Frau Sara schenkte 1506 ihrem Sohne Isak ein Teil eines Hauses und 1511 ihrem Sohne Asriel und Frau Muska ein Teil des Hauses beim St. Valentin. Asriel war ebenso wie sein Vater Aeltester, er starb 1530 (Gal-Ed Nr. 20). 5) Jakob starb vor 1545. Judith und die Familie Enochs sind in den „Geleitsbriefen" erwähnt. Bondy-Dworsky, S.383. 6) Ebenda SS. 347 f., 359, 365, 377. 7) Im Archiv der Beerdigungsbrüderschaft: Grabschrift C859. Sie ist mit Gal-Ed Nr. 49 nicht identisch. Anna (Chane) heiratete R. Sinai S. Bezalels8), den Bruder des hohen Rabbi Low, dessen Sohn R. Chaim, Rabbiner in Eibenschütz und Kolin, der Ahnherr der bekannten Famiüe Eskeles war. Im Jahre 1563 schenkte Enoch seinem Schwiegersohn Sinai und der Anna ein Viertel vom Familienhause, das fernab im Besitze der Familienangehörigen des hohen Rabbi Low büeb. Enochs zweite Tochter Regina heiratete R. Jakob, einen Prager Rabbiner, der als Aeltester oft genannt wird, während seine Tochter Eva (Chawa) R. Israel (Aron Hammerschlag) heiratete. Enoch, der sich 1577 „Enoch Baruch Weisels Sohn" unterschrieb9), starb vor 1581 und hinterließ nebst seiner Frau Rykl, die 1595 starb, vier Söhne: Isak, Jakob, Baruch, Gedalja und vier Töchter: Anna, Regina, Eva und Kytl10). Das Familienhaus kaufte z. T. am 8. Feber 1581 „Eva, Tochter des verstorbenen Juden Enoch Baruch, Frau des Juden R. Israel . .", von der Esther Witwe des Jakob S. Isaks und derTyle, Witwe des Baruch S. Isaks (S. Baruch Weisels). Je ein Viertel dieses Hauses schenkten R. Israel und Eva ihren vier Söhnen vermutlich anläßlich ihrer Verheiratung, und zwar am 10. Dezember 1596 dem Samuel und seiner Frau Gentl, am 17. Dezember 1600 dem Enoch11) und seiner Frau Bele, am 15. Januar 1603 dem Nathan und seiner zukünftigen Frau Esther, am 27. Januar 1610 dem Moyses und seiner zukünftigen Frau Gentl. Eva, Frau des Israel Hamm erschlag, starb am 5. November 1613 und fand in der Nähe des hohen Rabbi Low ihre Ruhestätte. Dieser Umstand, wie auch der prächtige Grabstein lassen schon darauf schließen, daß ihre Fa- 8) Siehe: Megillath Juchassin von Meir Pereis; Löwenstein, Index Approbationum Nr. 3345. ») Bondy-Dworsky, S. 559. 10) Vgl. Hock-Kaufmann, S. 106 f. unter Weisels u. S. 97 f. unter Heneles. Baruch war 1579 Aeltester (Bondy-Dworsky, S. 587). 1X) Enoch Israel war 1627 Aeltester. Der aut Stammtafel A erwähnte „Israel (gen. Geizvogel) erw. 1649" ist natürlich nicht der Sohn des Israel Hammerschlag, sondern der Sohn des Enoch Israel. Israel Enoch wird schon im liber Judaeorum albus I, 302 (im Jahre 1641) erwähnt. Daselbst II, 414 (im Jahre 1664) steht: „Israel Enoch und Gebrüder Samuel, David, Löbl und Enoch, Söhne des Enoch Sohn Israel". 55