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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1936-01-01 · Heft 1 · p. Seite 47

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1936
Issue
Heft 1
Article
Jüdische Meßmakler und Kleinhändler in Leipzig
Date
1936-01-01
Page
Seite 47 (sequence 8)
Language
German
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Gustav Samuel. Die Namengebung der westfälischen Landjudenschaft von 1808 Die jüdischen Meßmakler waren ein im Sturm von Jahrzehnten gereiftes Kaufmannsgeschlecht, das damals bereits den Meßhandel zu Zweidritteln in der Hand hielt. Wenn der Gründer der noch jetzt bestehenden hochangesehenen Leipziger Firma Marcus Harmelin am 19. Juli 1830 auf Vorschlag der Handelsdeputiertetv vom Rate der Stadt als Meßmakler verpflichtet wurde, so mag daran erinnert sein, daß schon dessen Vater und Großvater die Leipziger Messen bezogen hatten. Von Brody aus versorgten sie die Leipziger Messe mit nordischen Produkten. Sie verfügten, wie die christlichen Leipziger Krammerinnung und Handelsdeputierten bei der Verpflichtung Marcus Harmelins an den Rat schrieben, „über ausgezeichnete Kenntnisse in Rauchwaren und nordischen Produkten, welche Geschäfte sie für eigene Rechnung schon seit Jahren betrieben9)". Trotz all dieser vom Gegner anerkannten Eigenschaften war es nur wenigen jüdischen Großkaufleuten im 19. Jahrhundert vergönnt, sich in der Meßstadt ansässig machen zu dürfen. Erst die Ereignisse von 1870/71 brachten auch in Leipzig einen freieren Zug in die Verwaltung und gestatteten die Niederlassung und das Bürgerwerden der israelitischen Händler. Die Namengebung der westfälischen Landjudenschaft von 1808 Von Gustav Samuel Das auf dem Tilsiter Frieden von 1807 aus allen Herren Länder zusammengeflickte Eintags-Königsreich Westfalen hat mit der heutigen preußischen Provinz Westfalen nur den Namen gemein. Es umfaßte etwa das Bistum Paderborn, das nördliche Kurhessen, die weifischen Lande Hannover und Braunschweig, das Harzgebiet sowie die fast judenreine Altmark und wurde von Jerome Napoleon von Kassel aus regiert. Als erster deutscher Staat emanzipierte es seine etwa 15 000 Juden, erklärte sie kurzerhand zu gleichberechtigten Vollbürgern und kopierte dabei getreu die kurz zuvor für das französische Kaiserreich ergangenen analogen Durchführungsbestimmungen. Einen wichtigen Bestandteil der französischen und westfälischen Emanzipationsgesetze bildeten die Edikte von 1808 betreffend die Annahme fester, erblicher Familiennamen seitens der Juden. Bis dahin führten bekanntlich die meisten Juden meist zwei hebräische Namen, von denen der erste als Vor-, der zweite als Nachname galt und die von Generration zu Generation wechselten. Für die in den Dörfern vereinzelt Lebenden gegenügte in der Tat der hebräische Rufname, dem oft irgendein Zusatz, meist der Wohnort, beigegeben wurde, um sie für die Umwelt eindeutig zu kennzeichnen. Bei der städtischen Judenschaft dagegen war um 1800 die Bildung regulärer, vom Vater auf den Sohn sich vererbender Nachnamen schon so weit vorgeschritten, daß sie eigentlich nur hätte legalisiert zu werden brauchen. Das gilt namentlichi für die größeren Städte mit stärkeren Gemeinden wie Kassel, Hildesheim, Hannover, Braunschweig, Halberstadt. So verfolgten denn die napoleonischen Edikte zunächst den Zweck, die Erblichkeit fester Familiennamen für das ganze Herrschaftsgebiet einheitlich behördlich festzulegen. Sie entsprangen aber noch einem anderen, zumindest für den Gesetzgeber nicht unwichtigeren Motiv, nämlich dem Wunsche, die Juden als solche möglichst unkenntlich zu machen. Ein probates Mittel der Assimilierung schien die Ablegung einer so hervorstechenden nationalen 9) Leipziger Ratsarchiv, II. Sekt. M/1353 Blatt 123. 47

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