Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 1
- Article
- Antisemitismus im Mittelalter
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Raphael Straus. Antisemitismus im Mittelalter. Ein Wort pro domo 2. Gleichfalls ganz interessant, aber sachlich unrichtig, ist Graus Vergleich der Regensburger Judenstadt mit einem Warenhaus. Schon daß diese Deutung mit betontem Hinblick auf die Gegenwart erfolgt (34, 51), macht ihre angebliche Herkunft aus den mittelalterlichen Quellen verdächtig. Aber diese Deutung ist auch durchaus falsch. Warenhausähnliche Züge lagen allerdings vor: es gab alles bei den Juden zu kaufen, und zwar alles billig. Aber es gab vorwiegend Altware zu kaufen, und dies nicht aus einer Hand, sondern bei schätzungsweise 60 bis 80 verschiedenen „Häusern". Ist da, wenn schon Vergleiche angestellt werden müssen, ein Hinweis auf das Pfandhaus nicht viel richtiger als der Vergleich mit dem Warenhaus? Als Pfandhaus haben die Zeitgenossen die mittelalterliche Judenstadt empfunden. Ich habe darüber in meiner Arbeit (106) mit den erforderlichen Nachweisungen ausführlich gesprochen. Die Gründe, warum die Grausche Arbeit so völlig versagt, sind einleitend bereits angedeutet Der junge Autor, Doktorand der Universität München, hat sich in beklagenswerter Weise übernommen. Die Judenfrage, auch die des Mittelalters, erschließt sich nur dem reifen Urteil. Sie ist das denkbar ungeeignetste Thema für eine Doktordissertation. Sombart war ein vielfach bewährter Gelehrter, ehe er sein doch auch oft kritisiertes „Judenbuch" schrieb. Es finden sich noch deutlichere Zeugnisse für Graus reichlich „voraussetzungsvolle" Forschungsmethode. Man vergleiche seine betonte Gegnerschaft gegen den Sozialismus und gegen die „Humanitätsduselei des liberalistischen Zeitalters" (194). Das sind vielleicht richtige, sicherlich irgendwie nützliche, aber doch völlig sachfremde Konfessionen. Diese Art subjektiver Wissenschaftspflege war seit den Tagen Schlossers und Sugenheims in der Schätzung der wissenschaftlichen Welt stark gesunken. Nun hat die philosophische Fakultät der Universität München die Grausche Arbeit drucken lassen. Das macht die Grauschen Konfessionen viel interessanter, als sie ohne das wären. Eine solche Art der Geschichtsschreibung, die die Persönlichkeitswerte mobilisiert, kann die größte Bedeutung haben. Aber mit meiner oben genannten kleinen Darstellung hat sie nichts zu tun. Ich habe mich durchaus auf eine gerechte Urteilsfindung in jenem historischen Prozeß beschränkt. Für relativ kleine Ausschnitte aus dem geschichtlichen Leben ist meine Methode die bessere. Auras in Niedersehlesien als Sitz einer jüdischen Druckerei Von Bernhard Brilling Zu den Orten Schlesiens, in denen hebräische Bücher gedruckt wurden, werden seit langem Öls (1530), Hundsfeld (1543), Dyhernfurth (seit 1689), Prausnitz (1710) und Breslau (seit 1719) gerechnet. Aber nicht nur diese Orte, deren Druckerzeugnisse wir zum Teil wenigstens kennen, besaßen jüdische Druckpressen; auch das kleine Städtchen Auras — in der Nähe von Dyhernfurth an der Oder gelegen — besaß um die Wende des 1 7. Jahrhunderts eine jüdische Buchdruckerei, wenn uns auch bislang Erzeugnisse der dortigen Presse nicht vorliegen 24