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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 251

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 4
Article
Über Leopold Zunz als Historiker
Date
1935-01-01
Page
Seite 251 (sequence 5)
Language
German
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Luitpold Wallach. Ueber Leopold Zunz als Historiker. Eine Skizze Dokumentierung“ und in „statistische Judentumskunde“ wurde Zunz zweifellos zu seinen „Grundlinien zu einer künftigen Statistik der Juden“25) angeregt. Der Wölfischen Begriffsbildung „statistische Judentumskunde“ liegt die ursprüngliche Bedeutung der Statistik als Staatenkunde zugrunde — als solche wurde sie bis weit ins 19. Jahrhundert hinein an den deutschen Universitäten gelehrt —, verbunden mit einer Betrachtungsweise des Judentums, die im weitesten Sinne eigentlich ein theoretisches Analogon zur heutigen Islamkunde darstellt. Durchaus als Staatenkunde faßt auch Zunz die Statistik, und nur gelegentlich schimmert neben dieser Auffassung auch schon die andere, heute allein geläufige, durch: Statistik im mathematisch zählenden Sinne. Die ersten vierzehn Punkte seiner Grundlinien stehen ganz unter dem Eindruck der bekannten Definition August Ludwig Schlözers (1735—1809)26): Geschichte ist eine fortlaufende Statistik, und Statistik ist eine stillstehende Geschichte27). Die Gegenüberstellung einiger entsprechender Abschnitte möge dies beweisen. Schlözer S. 93: Geschichte ist das Ganze, Statistik ein Teil derselben. Zerschnitte man nun. wie natürlich, eine durch mehrere Jahrhunderte fortlaufende Geschichte in schickliche Perioden und höbe dann aus jeder bloß die Staatsmerkwürdigkeiten in engerer statistischer Bedeutung heraus: so würde dies so viel einzelne Statistiken geben, als Perioden angenommen sind. S.86: Alte Statistik. Gewöhnlich denkt man sich bei diesem Worte nur die Gegenwart, nur den jetzigen Zustand eines Staats; warum nicht auch Statistiken der Vergangenheit? Geschichte ist eine fortlaufende Statistik; und Statistik ist eine stillstehende Geschichte: nun so lasse man sie stille stehen, wo man will, und so lange man will; d.i. man hebe Zeiträume vergangener Jahre oder Jahrhunderte aus, die sich von vorhergegangenen und nachfolgenden auszeichnen .. . Zunz, S. 523: 1. Statistik des Menschengeschlechts begreift dessen Sein in einem gegenwärtigen Zeitmomente, welches Sein, Resultat einer vorhergegangenen Geschichte, einen notwendigen Charakter hat. 2. Dieselben Elemente, welche die Geschichte gestalten, Freiheit und Naturgesetz, erzeugen auch die Statistik, welche als das Ende der in ihrem imendlichen Lauf gehemmten Geschichte betrachtet werden muß. 3. Demzufolge gibt es nur für die Dauer unendlich kleiner Zeitmomente eine Statistik, und umgekehrt ist Geschichte das Ergebnis einer imendlichen Reihe von Statistiken. Jetzt wird auch Zunz’ vordem kaum verständliche Dreiteilung der Aufgaben der Statistik verständlich. Ballois, Annales de statistique 1802, zitiert von Schlözer, S. 19: La statistique est une Science neuve en France . . . et jusqu’ä ce jour on n’y a point altere ses prindpes ni confondu ses elements, resultats. Zunz, S. 525 f.: Die Statistik hat also ein dreifaches darzustellen: a) die Elemente . . . b) die Prindpe . . . c) die Resultate . . . 25) Zdtschr. f. d. Wiss. d. Judentums I, S. 523—32; wieder abgedruckt in seinen Ges. Schriften 1 (1875), S. 135—141. 26) Mit dem Göttinger Gatterer der Begründer der universalgeschichtlichen Richtung in der deutschen Geschichtsschreibung. 27) Theorie der Statistik nebst Ideen über das Studium der Politik überhaupt, I. Heft, Göttingen 1804 (Staatsgelahrtheit nach ihren Hauptteilen im Auszug und Zusammenhang, II. Teil: Allgemeine Statistik, I. Heft), S. 86. 251

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