Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 4
- Article
- Wer war der Orientalist Mithridates?
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2259275-2259298-2259302-2262030--308-2262082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Umberto Cassuto. Wer war der Orientalist Mithridates? Namen Guglielmo und Raimondo gewöhnlich ebenfalls verschwinden, wie zuerst der Name Moncada verschwunden war. Vielleicht waren sie noch zu leicht erkennbar. Es bleiben nur noch die vorgetäuschten Namen Flavius Mithridates oder einfach Mithridates. Wie dauerhaft die freundschaftlichen Beziehungen zu Pico waren, wissen wir nicht. Ist die später von Widmannstadt mitgeteilte Nachricht genau, wäre er bald ein heftiger Gegner Picos geworden. Man muß vielleicht annehmen, daß auch in diesem Fall die Enttäuschung der Sympathie gefolgt sei, die er anfänglich in Pico erweckt hatte. Wie der weitere Verlauf von Mithridates7 Schicksal gewesen ist, nachdem Pico Ende 1486 nach Rom gegangen war, wissen wir nicht. Wenn wir jedoch das oben erwähnte Schreiben des Sekretärs von Pico della Mirandola31) richtig verstehen, hätte er 1489 auf Anordnung des Papstes in Viterbo im Gefängnis gesessen, dieses Mal unter dem Namen Guglielmo Mithridates32). Anscheinend hatte man entdeckt, daß sich unter der Hülle des Mithridates der altbekannte Guglielmo Raimondo di Moncada verbarg. Er mußte nun die Strafe für das einstmals in Rom begangene Verbrechen absitzen. In so tragischer Weise verschwindet im Schatten einer Gefängniszelle das ereignisreiche Leben des Mannes, dessen ehrgeizige Träume ihn aus dem Judenviertel Agrigents herausgetrieben hatten. 31) Perles Beiträge, S. 181. 32) In dem von Berti 1. c. publizierten Brief liest man: „In Viterbo haben sie •einen Guilelmo Mithridates zum Befehl unseres Herren festgenommen.“ Perles, REJ, XII, p. 249, nimmt an, daß Mithridates in Viterbo in Diensten des Papstes gestanden habe; aber die Ausdrücke dieses Dokumentes können nicht so aufgefaßt werden; auch wäre es immöglich, daß man mit der Bibliothek eines freien Bürgers ohne dessen Einwilligung so umgeht, wie es der Sekretär des Pico behauptet. 236