Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 4
- Article
- Juden auf Marstrand
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal. Juden auf Marstrand der Lage waren, vorschriftsmäßig ein Grundstück zu erwerben, ein Haus zu bauen und schwedische Bürger zu werden. Ueberwiegend waren es Juden aus Deutschland, aus Hamburg und Umgegend, aus Mecklenburg, aus Pommern, das damals ohnedies noch in schwedischem Besitz war, und solche, die aus Deutschland bereits in Dänemark eingewandert waren. Was sie zur Einwanderung auf Marstrand bewog, war nicht bloß die Nähe Schwedens zum Reich, die ihnen gestattete, die heimatlichen Familien- und Handelsbeziehungen aufrecht zu erhalten und nutzbar zu machen, sondern auch die starke Sehnsucht nach bürgerlicher Freiheit, die gerade in den deutschen Juden damals zu erwachen begann. Der Name Moses Mendelssohn war ihnen allen bereits bekannt und weckte bei vielen von ihnen Hoffnungen und Erwartungen. Auch die beiden Männer, die als erste Juden sich auf Marstrand ansiedelten, waren so gesinnt. Sie erklärten ausdrücklich der Königlichen Regierung, daß sie nicht zu dem großen Haufen der in die Asylstadt flüchtenden Schuldner gehörten, vielmehr aus dem Reich auf diese „Klippe“ nur gezogen seien, um die Rechte schwedischer Untertanen zu genießen, und sie gaben der Hoffnung Raum, daß Juden ihrer Art sich von dort aus auch der Weg ins übrige schwedische Reich öffnen werde3), eine Hoffnung, die sich in der Tat bald erfüllen sollte. Beide Männer, Moses Salomon und Elias Magnus, stammten aus Mecklenburg, einem Lande, in welchem mit peinlicher Strenge darüber gewacht wurde, daß nur die wenigen privilegierten Juden sich niederlassen konnten und woselbst Erwerb von Grundbesitz auch diesen untersagt war4 *). Aber von dort her hatte bereits Aron Isak als erster den Weg sogar in die schwedische Hauptstadt gefunden6). Moses Salomon stammte aus Röbel und erschien nunmehr von Hamburg aus am 29. August 1779 mit seiner Familie als erster auf Marstrand; wenige Monate später folgte Elias Magnus aus Neustrelitz mit den Seinen. Bereits im nächsten Jahre 1780 erwarben sie gemeinsam Grundbesitz und errichteten gemeinsam Wohnungen; demgemäß wurden sie vom Jahre 1782 an als schwedische Bürger geführt. Unterdessen war aber auch für ihre weitergehenden Hoffnungen die Bahn frei geworden. Hochgesinnte Männer hatten endlich am 26. Januar 1779 bei den schwedischen Ständen die Gewährung von Religionsfreiheit im Lande durchgesetzt, und am 24. Januar 1781, dem Geburtstag des Königs, erschien das schwedische Toleranzedikt, das alsbald auch für die Juden seine günstigen Folgen erweisen sollte. Es war das Jahr, in dem Wilhelm Dohms Schrift über die bürgerliche Verbesserung der Juden überall, auch in Schweden, lebhaftes Interesse erweckte. Zu dem Kreis der Wohlmeinenden gehörte die Mutter Gustaf III., die .Königinwitwe Lovisa Ulrika, die Schwester Friedrichs des Großen6). Sie kannte Möses Mendelssohn und war von ihm entzückt. Berliner Juden hatten ihr schon vor einem Jahrzehnt nahegelegt, wohlhabenden Glaubensgenossen die Niederlassung in Stockholm zu erwirken. Sie unterbreitete dem König diesen Vorschlag, der ihn beifällig .aufnahm, zunächst jedoch mit seinen anderen Reformen beschäftigt war. Jetzt sah der Reichstagsbeschluß bereits die Zulassung von Juden in der Hauptstadt und in zwei bis drei anderen Städten vor; demgemäß gestattete das neue Judenreglement vom 27. Mai 1782 jüdische Niederlassungen in Stockholm, Göteborgund Norrköping, 3) Valentin, S. 210. 4) Donath, Gesch. d. J. in Mecklenburg, Leipzig 1874, S. 112 ff. und 120. 6) Ueber Aron Isak, der auch in der deutschsprachlichen jüdischen Literatur durch seine Memoiren bekannt ist, handelt am eingehendsten Valentin, S. 153 ff. 6) Valentin, S. 144. 218