Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Verbundenheit zwischen den jüdischen Gemeinden Worms und Mainz im Mittelalter
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Verbundenheit zwischen den jüdischen Gemeinden Worms und Mainz im Mittelalter Von S. Levi Daß die Gemeinden Worms und Mainz gemeinsam mit der Gemeinde Speyer eine gewisse Einheit bildeten, ist aus den Takanoth SCHUM (Speyer—Worms—Mainz) zur Genüge bekannt1). Wann und wie aber diese Gemeinschaft zustande kam, wie lange sie bestand, wie sie wirkte und welchen Zwecken sie diente, bedarf der Klärung. Die vorliegende Abhandlung will ein Beitrag zur Klärung dieser Fragen sein. Verhältnismäßig leicht dürfte der Zeitpunkt festzustellen sein, an welchem die jüdische Gemeinde Speyer in diesen Bund der drei Gemeinden eingetreten ist. Denn wenn auch schon früher Juden in Speyer gewohnt haben, eine beachtenswerte jüdische Gemeinde ist erst nach dem Jahre 1084 in Speyer nachzuweisen. In diesem Jahre erfolgte jener Zuzug von Mainzer Juden nach Speyer, der als Folge eines Brandes in Mainz urkundlich belegt ist und durch das großzügige Entgegenkommen des Speyer er Bischofs Rüdiger den Anfang eines raschen Aufblühens dieser Gemeinde bilden konnte2). Die Tatsache, daß die Speyerer Gemeinde eine Tochtergemeinde, sozusagen eine Kolonie der Mainzer Gemeinde war, knüpfte erste haltbare Verbindungen zwischen diesen beiden Gemeinden. Eine weitere Festigung der Beziehungen mußte dadurch zustande kommen, daß die ersten geistigen Führer der jungen Gemeinde in Mainz ihre Stammfamilien hatten und von Speyer aus die regste Verbindung mit den Familienangehörigen aufrecht erhielten, die in Mainz religiöse Führer waren und als unbestrittene Autoritäten auf religionsgesetzlichem Gebiete galten. R. Kalonymos, R. Jehuda ben Kalonymos, R. David ben Meschullam, R. Jekuthiel ben Mose, R. Mose ben Jekuthiel sind in diesem Zusammenhang zu nennen. R. Jekuthiel hatte persönliche Verbindung mit R. Natan ben Machir, der wohl der Neffe des überragenden Mainzer Lehrers Rabbenu Gerschom war, und stand in brieflichem Verkehr mit R. Isaak „dem Großen“, der mit R. Isaak ben Jehudah, einem Lehrer Raschis, identisch sein dürfte. Die Verbindung und Fühlungnahme der Speyerer Lehrer mit solchen aus Mainz und Worms wirkte sich in religionsgesetzlichen Fragen und Entscheidungen aus, die Belehrung der jüngeren Speyerer Führer durch die Mainzer und Wormser altbewährten Meister bedeutete für die ersteren eine solche Förderung, daß sie nicht nur sehr schnell als „die Weisen von Speyer“ oder als „die Aeltesten von Speyer“ bezeichnet werden konnten sondern daß auch eine nachhaltige, dauernde Uebereinstimmung in wesentlichen religionsgesetzlichen Entscheidungen, in Auslegungen und Bräuchen zwischen den genannten Gemeinden sich ergab.!) F. Rosenthal, Einiges über die Takanoth SCHUM. (MGWJ. 46. [1902], S. 239). 2) M. Brann, Vorarbeiten zur „Germania judaica“ II. Artikel Speyer (das. S. 91 ff., 53. J.). 187