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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Die Synagoge zu Worms
Date
1935-01-01
Page
Seite 95 (sequence 9)
Language
German
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Richard Krautheimcr. Die Synagoge Worms etwa eine Kapitellhöhe unter dem ersten am Schaft. Diese Verdoppelung der Glieder findet sich auch am Speyerer Frauenbad — die Gleichzeitigkeit der beiden Bauten scheint dadurch sichergestellt. In Worms kommt sie an der nördlichen Türe des Chors von St. Andreas vor. Man wird diesen Bauteil — wegen der Gurtrippengewölbe, die diejenigen des Domchors voraussetzen — nach 1181 ansetzen müssen. In diese Zeit gehört das Profil des Fensters, das, wie in Speyer, vom Vorraum der Mikweh zum Badeschacht führt, aus Platte, Wulst, Kehle und Plättchen und die segmentförmige Tonne des Badeschachtes selbst. Gerade dieser segmentförmige Querschnitt ist (außer in der Spätgotik und im Barock, denen ähnliche Prinzipien der Gestaltung innewohnen) nur innerhalb der Spätromanik möglich. Das Datum 1186 auf das Bad zu beziehen, hat viel für sich. An die Männersynagoge hat man wenige Jahre nach ihrer Vollendung die Frauensynagoge angeschoben, im rechten Winkel, so daß ihre Längsachse, von Norden kommend, auf die westöstliche Längsachse des älteren Baues trifft. Freilich war der Konflikt ursprünglich sicher weniger fühlbar als heute. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß der Blick von der Männersynagoge in die Frauensynagoge ursprünglich überhaupt nicht möglich war. Die beiden riesigen spitzbogigen Oeffnungen, die man 1843 eingebrochen hat, fälschen das Bild. Die beiden Bauten standen neben einander, für den Innenstehenden optisch unverbunden. Vorhanden waren wohl nur einige kleine Fenster und eine Türe — ähnlich wie der Umbau des 17. Jahrhunderts sie hier beibehalten hatte. Der (unregelmäßig) rechteckige Raum ist mit vier Kreuzgewölben gedeckt, die auf einer Mittelstütze ruhen. Die Anordnung ist alt, wenn auch die toskanische Säule, die heute in der Mitte des Raumes steht, erst aus dem Umbau des 17. Jahrhunderts stammt. Damit ist zum ersten Male (und auffällig früh, gleichzeitig mit der Wartburg) der Fall gegeben, der oben besprochen war: durch die Verminderung der Stützenzahl der zweischiffigen Halle ist ein ausgesprochen zentrales Moment in den Bau gebracht und gleichzeitig das Moment der „Division“ aufs höchste gesteigert. Man erlebt nicht mehr den Eindruck eines Raumes, der durch eine mittlere Stützenreihe in zwei Schiffe geschieden ist — mögen sie auch optisch noch so eng miteinander verbunden sein —, sondern den eines völlig zur Einheit gewordenen Raumes, in dem eine Mittelstütze steht. Von der Anlage abgesehen, ist aus dem ältesten Bestand nicht mehr allzu vieles erhalten: außer den drei Mauern mit rundbogigen Fenstern im Osten, spitzbogigen, von je zwei Rundfenstern flankiert, im Westen, nur noch die rundbogige Eingangstüre in der Nordwand (vor der jetzt die Vorhalle samt der Gemeindestube liegt) und die Gewölbekonsole links oberhalb der Türe. Die übrigen Konsolen sind zusammen mit der Mittelstütze und den Gewölben erneuert worden. Damals sind auch am Eingang Veränderungen vorgenommen worden: die Innenseite des Portals wurde erhöht und dabei die rechte Seite der Konsole über ihr abgeschlagen. Der Eingang muß ursprünglich mit einer nach dem Innern zu fallenden Tonne gedeckt gewesen sein — so konnte er ohne Kollision unter der Konsole Weggehen. In der Nordfront haben 95

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