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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 94

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 2-3
Article
Die Synagoge zu Worms
Date
1935-01-01
Page
Seite 94 (sequence 8)
Language
German
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Richard Krautheimer. Die Synagoge zu Worms annäherndes finden. Die Kapitelle in der Krypta gehören dem Umbau an, der vom Langhaus des Wormser Domes abhängig ist. Da dieses, gegen 1190 begonnen, gegen 1220 vollendet sein muß, wird man den Fritzlarer Dom zwischen 1200 und 1230 (nach 1232 entsteht die frühgotische Vorhalle) ansetzen können; der Ausbau der Krypta gehörte bestimmt zu den ersten Teilen, höchstens der Obergaden des Mittelschiffs mit seinen spitzbogigen Arkaden könnte nach 1230 entstanden sein. Der Brand von 1232 hat den Bau wohl nur unterbrochen, — begonnen wurde er schon um 1200. Damit ist die Synagoge zwischen 1170 und 1200, näher an 1180 eingeklammert. Dazu stimmt ein jetzt verschwundenes Datum, das Elieser b. Samuel 1559 an der Männersynagoge gelesen hat Er fand „auf der Schwelle des Eingangs der Synagoge in einem Kreis“ geschrieben: „Verse stellte ich als Zeichen, treu bis zu den Tagen, die gezählt werden, 935 wurden die Bauten gebaut. Von der Eröffnung des Tores weist auf die Jahre hin: Und es kommt ein gerechtes Volk, das den Glauben wahrt.“ Die Auflösung des Anagramms ergibt wieder das Jahr 935 1175. Das Jahr 1034, das die Inschrift rechts vom Portal als Gründungsdatum angibt, kann sich auf den jetzigen Bau nicht beziehen. Der Formenapparat macht es völlig unmöglich, ihn in eine andere Zeit als an das Ende des 12. Jahrhunderts zu setzen. Der Bau von 1034 muß dem jetzigen vorausgegangen sein, und man muß den Bau von 1175, obgleich er ein völliger Neubau war, doch mehr als Umbau denn als Neubau betrachtet haben: man hat drei Inschriften, die sich auf den Stifter des ersten Baues beziehen, in dem Neubau wieder angebracht; die eine, mit dem Datum 794 (= 1034) und dem Namen des Stifters Jakob ben David, rechts vom Portal, und zwei andere rechts und links des Aron. Eine weitere Stütze erhält dieses Jahr 1175 durch die Tatsache, daß wenige Jahre später noch andere Bauten von der Gemeinde ausgeführt wurden: um die Wende des 13. Jahrhunderts setzt am ganzen Mittelrhein eine wahre Bauepidemie ein — Dutzende von Kirchen entstehen und gleichzeitig mit ihnen die Bauten der jüdischen Gemeinde in Worms. In der Vorhofmauer befindet sich eine Inschrift: „Aufzustellen ein Zeugnis dem Joseph . . . Gottesfürchtige schaut aufwärts, zum Stein, zur Schrift, ihm vorn eingegraben. Den Inhalt beweist, ruft und bezeugt der Stein aus der Wand, der Balken aus dem Gehölz. Tief grub er bis zum Grunde und führte aufwärts das Gewölbe, einwärts führt ein gerader Weg und die Wand erhebt sich aus früheren Trümmern. Dies alles auf Kosten seines Geldes, auf daß er im Schatten der Weisheit eine Hütte sich baue, unter dem schattigen Baum, in der Höhe errichtet. . .“ Die Auflösung des Anagramms ergibt das Datum 1186. Damals also hat man irgendwelche Bauten vorgenommen — und die Annahme, daß Brunnen, Mikweh, bedeutet, scheint sich zu bestätigen. Auch die Formen des Frauenbades wären am Ende des 12. Jahrhunderts durchaus möglich. Von der Anlage der Mikweh war schon oben, im Vergleich mit der von Speyer, kurz die Rede. Eine kurze Treppe, deren Einfassung aus Bauresten des 17. Jahrhunderts besteht, führt zu der Eingangstür. Von hier geht die zweite Treppe nach dem kleinen rechteckigen tonnengewölbten Vorraum. In den Ecken stehen Runddienste auf attischen Basen mit Würfelkapitellen und doppeltem Halsring: der zweite sitzt 94

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