Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Synagoge zu Worms
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Richard Krautheimer. Die Synagoge zu Worms wie an der westlichen Wand der Frauensynagoge lassen sich die Fugen gegen die Mauern der Vorhalle leicht feststellen. Im Osten bilden die Wände der Vorhalle und der Frauensynagoge einen stumpfen Winkel, ganz wie die Ostmauern der Frauen- und der Männersynagoge. Ebenso ist die Raschikapelle erst nachträglich der Westmauer der Männersynagoge vorgelegt worden. Der älteste Teil des ganzen Baukomplexes ist demnach die Männersynagoge. Auch hier müssen erst einzelne Teile gestrichen werden, bis der alte Bestand sich findet: in den beiden Giebeln sind Bruchstücke eingemauert, deren Ornamentierung und Bebauung es ermöglicht, sie frühestens an den Anfang des 17. Jahrhunderts zu setzen: es sind einzelne längliche Steine mit erhobenem Rand und Flechtband, Zickzack oder Traubenranke im Spiegel. Der Grund ist gestockt, der Rand in großen Parallellagen scharriert. Der Kontur des Westgiebels ist sehr roh volutenartig geschwungen. Auch der Dachstuhl zeigt eindeutig den Aufbau des 17. oder 18. Jahrhunderts — große mit dem Beil behauene Sparren. — Dach und Giebel müssen also später sein als das frühe 17. Jahrhundert. Auch die jetzigen Gewölbe sind nicht ursprünglich. Auf den Gewölbekonsolen an der Westwand sind Ansätze älterer Gratgewölbe noch zu sehen: die Stichkappen, die in den jetzigen Gewölben für die Rundfenster ausgespart sind, haben die für das 17. Jahrhundert bezeichnende Form. Die schlußsteinartigen Rosetten in der Mittelachse, an denen drei der Kronleuchter hängen, zeigen die Ornamentik — Blattwerk und Weinranken — des frühen 17. Jahrhunderts. Das Material der Gewölbe — ob Backstein oder Bruchstein — läßt sich unter dem Schutt, der auf Kapitell der Männersynagoge ihnen lagert, nicht mehr feststellen. Aelter, aber ebensowenig dem Urbau angehörig, sind~4ie spitzbogigen Fenster (und wohl auch die Rundfenster über ihnen) in der Süd-, West- und Ostwand. Die viertelkreisförmige Hohlkehle im Gewände macht eine Entstehung gleichzeitig mit den Formen, die zweifelsfrei dem ersten Bau angehören, unmöglich. So ergibt sich als ursprünglicher Bestand der Synagoge eine zweischiffige Halle von drei Jochen, im Grundriß ein unregelmäßiges Rechteck, mit zwei Rundpfeilern auf hohen quadratischen Sockeln und mit