Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur Teil der bisherigen Forschung beruhte, veranlaßte den Verf. zu Quellenstudien, welche zur Veröffentlichung ungedruckter Judenakten aus den Mainz—Aschaffenburger Ingrossaturbüchem und den Mainzer Stadtrechnungen, sowie sonstiger Urkunden privat- und prozeßrechtlichen Inhalts führten. Die Darstellung behandelt die Beziehungen der Juden zu Kaiser, Papst, Erzbischof und Stadtrat, ihre rechtliche und gesellschaftliche Stellung in Mainz, die häufigen Vertreibungen als Folge innerpolitischer Reibungen zwischen Stadtherrn und Stadt und schließt mit einer Darstellung des Lebens der Juden innerhalb ihres eigenen Gemeindeverbandes. Die Vorstellung — das ist das Ergebnis des Verf. —, daß die Juden im Mittelalter allgemein als sozial minderwertig betrachtet, gehaßt und von der christlichen Umwelt ausgeschlossen wurden, trifft für Mainz im 15. Jahrhundert nicht zu. Halle/Saale Guido Kisch. Hans Tietze, Die Juden Wiens; Geschichte, Wirtschaft, Kultur. Leipzig 1933. Verlag E. P. Tal & Co. 302 Seiten. Mit 30 Tafeln, Bildern und Plänen. Der Verf., der vor drei Jahren eine allgemein anerkannte Kulturgeschichte Wiens geschrieben hat, vermutlich Nichtjude, entnahm jener Arbeit die Anregung zu einer Darstellung der Geschichte der Wiener Judenschaft, die im Dasein der österreichischen Hauptstadt stets eine bedeutende und problemreiche Rolle gespielt hat. Er will aber nicht etwa bloß historisches Material bereitstellen, nicht die innere Geschichte der Wiener Judenheit ausführlich und gleichmäßig schildern, um alle darauf bezüglichen Einzelheiten festzuhalten. Vielmehr soll „die Geschichte der Juden Wiens im Zusammenhang mit dem Leben dieser ganzen Stadt erfaßt werden, um zu erkennen, was Wien für sie und sie für Wien bedeutet haben und bedeuten, und so die Besonderheit dieses Stückes Wien und dieses Stückes westeuropäischer Judenheit zu verdeutlichen. Ein solcher Versuch konnte weder Verteidigung noch Anklage sein, sondern mußte sich darauf beschränken, festzustellen, wie die zuerst auf Grund einer besonderen Auslese zusammengekommene, dann im 19. Jahrhundert an Zahl und Geltung stürmisch angewachsene jüdische Minderheit ihre Umgebung verändern, gleichzeitig zersetzen und befruchten und von dieser zersetzt und befruchtet werden mußte. Aus diesem Prozeß, der ein unverlierbarer Teil des historischen Daseins so gut Wiens wie der Wiener Juden ist, sind beide als neue Gebilde hervorgegangen, anders als sie ohne diese Einwirkung geworden wären. Diesen vielfältigen und dichten Zusammenhang unvoreingenommen zu ergründen, war als historische Aufgabe gestellt“ (Vorrede). Die Betrachtungsweise des Werkes, das geplant und begonnen war, ehe die europäische Judenfrage auf einen neuen Boden gestellt wurde, ist also kulturgeschichtlich und soziologisch. Obwohl der Verf. vorwiegend aus der am Ende des Buchs zusammengestellten Literatur schöpft und eigene Quellenforschungen kaum getrieben hat, zeugt sein Werk doch von seltener Eindringlichkeit der Einfühlung. Es ist ausgezeichnet durch Originalität der Problemstellung, wissenschaftlichen Ernst und klare Geschichtsauffassung, Gedankenreichtum und Lebendigkeit der Darstellung. Vortrefflich wiedergegebener Bildschmuck begleitet den Text. Hoffentlich werden es die Raumverhältnisse möglich machen, im nächsten Heft auf den Inhalt ausführlicher zurückzukommen. Halle/Saale Guido Kisch. Die jüdischen Denkmäler in der Tschechoslowakei. Veröffentlichungen der Denkmalskommission des obersten Rates der jüdischen Kultusgemeindeverbände in Böhmen, Mähren und Schlesien. Prag 1933. Selbstverlag. 59 S. Quart. Mit vielen Abbildungen. Die böhmische Denkmalkommission ist bemüht, die kulturgeschichtlich wertvollen Denkmäler der jüdischen Vergangenheit in ihrem Wirkungsgebiete vor dem Untergang zu bewahren, der Vergessenheit zu entreißen und dem Interesse weiter Kreise nahezubringen. Die erste Veröffentlichung, sehr gut ausgestattet und mit wertvollem Bildschmuck versehen, bedeutet einen dankenswerten Schritt zu dem gesteckten Ziele. Der begleitende und bearbeitende 74