Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 1)
- Language
- German
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Literatur Besprechungen Solomon Grayzel, The Church and the Jews in the XIII th Century. Philadelphia 1933. The Dropsie College for Hebrew and Cognate Leaming. IX und 377 S. Selig Auerbach, Die rheinischen Rabbinerversammlungen im 13. Jahrhundert. Würzburger philosophische Dissertation. Würzburg 1933. 112 S. J. S. Menczel, Beiträge zur Geschichte der Juden von Mainz im 15. Jahrhundert, eine quellenkritische Untersuchung mit Quellenabdruck. Berlin 1933. Rubin Mass. 151 S. Drei Doktordissertationen im besten Sinne des Wortes, wertvolle Erstlingsschriften, welche sorgfältig Quellenmaterial, z. T. bisher unbekanntes und unveröffentlichtes, gesammelt, gesichtet, mit historischem Verständnis durchgearbeitet und ausgeschöpft haben, woraus wichtige Beiträge zur Geschichte der Juden im Mittelalter entstanden. Unter ihnen ist die an erster Stelle genannte die äußerlich umfänglichste, stofflich beziehungsreichste, inhaltlich ausgereifteste Arbeit. Jedoch sind auch die beiden anderen trotz ihrer räumlichen und gegenständlichen Beschränkung tüchtige Leistungen. Es ist sehr schade, daß der für diese Anzeige zugemessene Raum nicht mehr als einen kurzen Hinweis auf den Inhalt der Abhandlungen gestattet, eingehendere wissenschaftliche Darlegungen und Auseinandersetzungen aber verbietet. 1. Die Beziehungen und die Stellung der Kirche zu den Juden im 13. Jahrhundert werden von Grayzel m. W. zum ersten Mal einer Gesamtbetrachtung und Darstellung unterzogen. Die maßgebenden Gedanken religiöser, rassenmäßiger und wirtschaftlicher Art, von denen die Judengesetzgebung der Päpste und Konzilien geleitet war, werden quellenmäßig unter Heranziehung der am Ende des Buches zusammengestellten bisherigen Literatmuntersucht und gut herausgearbeitet. Im einzelnen ließe sich manches bemerken, das Gesamtbild scheint mir jedoch gelungen. Den größten Teil des Bandes nimmt der von Literaturhinweisen und erläuternden Bemerkungen begleitete Textabdruck der päpstlichen Dekrete und Konzilsbeschlüsse ein, deren lateinischem Original der Verf. überall eine englische Uebersetzung hinzugefügt hat. 2. Schon seit der Zeit des Wiederaufbaus des Tempels haben die geistigen Führer der Juden den geänderten politischen und sozialen Verhältnissen Rechnung zu tragen gesucht, unter denen sich das jüdische Leben vollziehen mußte. Im Mittelalter ist es in Deutschland vornehmlich Rabbenu Gerschom gewesen, der durch Auslegungen und Verordnungen das religiöse Leben seiner Glaubensgenossen der Zeit anzupassen bemüht war. Einschneidende Bestimmungen dieser Art sind von jüdischen Synoden beschlossen oder doch sanktioniert worden. Solche Rabbinerversammlungen haben in Deutschland im Mittelalter öfter stattgefunden. Freilich sind primäre Quellen, die über sie Aufschluß geben könnten, kaum erhalten. Der Verf. untersucht die vier deutsch-jüdischen Synoden des 13. Jahrhunderts. Quellen, Zeit, Ort und Teilnehmer werden ermittelt, die Beschlüsse jeder Synode kommentarartig historisch untersucht und beleuchtet. Ihr Inhalt berührt das ganze religiöse Leben und das Verhalten der Juden zu ihrer Umwelt. Sie sind von hohem Verantwortungsgefühl, größter Sittenstrenge und unbedingter Loyalität gegenüber dem Staate getragen. 3. Menczel sucht die Entwicklunglinie der Geschichte der Juden in den deutschen Städten am Ausgang des Mittelalters, die bekanntlich mit ihrer Austreibung abschließt, am Beispiel des Schicksals der Juden in der Diözese Mainz darzustellen. Die Unzuverlässigkeit des Quellenmaterials, auf dem der größte 73