Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zum Anteil der Familie von Hirsch auf Gereuth am Kampfe um die bayerische Judenemanzipation
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
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Miszelle Eine zweistündige Konferenz mit Herrn Joel v. Hirsch am Abend desselben Tages sowie weitere Conferenzen mit Mitgliedern der Münchener Cultus-Administration gaben die Ueberzeugung, daß eine Vereinigung aller Glaubensgenossen wahrscheinlich nicht zustande kommen werde. Herr v. Hirsch zeigte sich bei dieser Gelegenheit sehr teilnehmend für unsere Verhältnisse, an seinem herzlichen Mitgefühl sowie an seinem guten Willen ist nicht zu zweifeln, ob aber dieser Mann eine so große Bedeutung hat, wie man vielfach in den jüdischen Kreisen hört, möchte ich bezweifeln. Jedenfalls sind wir ihm sehr verpflichtet, da er eigens wegen der gemeinschaftlichen Leiden zweimal nach Augsburg reiste und sich in München sehr bereitwillig zu jeder Hilfe bereit erklärte. Nicht minder aber sind wir Herrn Obermaier schuldig, unseren Dank zu erwidern für den unendlichen Eifer, den er dieser Sache fortwährend widmet und auch für die Zukunft zusagte. Unterfranken hatte, nach der Aeußerung des Herrn v. Hirsch, schon beschlossen, eine eigene Eingabe einzureichen. Mittelfranken hatte noch keine Entschließung zu Tage gefördert. München entschloß sich auch dazu, eine eigene Eingabe einzureichen. Diese Eingaben werden nun in der nächsten Woche abgefaßt und eingereicht werden. Da aber die Erfahrung zeigt, wie sehr viel Zeit man durch das Sammeln der Unterschriften verliert, so werden diese schon vorher gesammelt, und auch Sie werden gebeten, solche so schnell als möglich zu sammeln und nach gemachtem Gebrauch nebst Umlauf die mitfolgenden Schreiben weiter zu senden. Ich bitte aber die Herren Cultus- Vorsteher, sehr der Beförderung und Reinhaltung der mitfolgenden Scripturen sich unterziehen zu wollen. Was die speziellen Beschwerden betrifft, so sind diese auch stets gesondert behandelt worden und die Ihnen bekannten, mit Ihren werten Unterschriften versehenen Eingaben werden noch im Laufe dieser Woche nach München befördert werden. Die an die legislativen Korporationen einzureichenden Produkte werden jeder Gemeinde vollständig zukommen. Ob unsere Schritte Erfolg haben werden, ist eine Frage, die eher zu verneinen als zu bejahen ist. Daß es aber unserer Sache förderlich ist, zu petitionieren, ist zweifellos. Stillschweigen wäre eine unverzeihliche Nachlässigkeit. Als große Kalamitäten erscheinen mir: 1. Daß sich am Sitze der Central- Regierung (München) kein Glaubensgenosse befindet, der bei den Vorständen der obersten Stellen jenes Zutrauen oder jenen Einfluß genießt, um, weil er die gehörige Teilnahme an unserem Schicksal hat, unsere Lage gezeichnet vorstellt. 2. Mag es auch ein nicht unwichtiges Hindernis sein, daß mehrere Reichsräte nicht unbeträchtliche Geldreichnisse von den Juden beziehen, welche durch Veränderung der Gesetzgebung gefährdet werden könnten. 3. Sind wir selbst viel zu uneinig und untätig. Wer den Zweck will, darf die Mittel nicht scheuen. Wie oft man sich auch vergebens bemüht, darf man sich doch nicht in Lethargie versetzen lassen. Indem ich Ihnen den Stand der Sache offen schilderte, auch meine Meinung offen aussprach, gebe ich mich (gewiß auch Sie, Verehrtester) der beruhigenden Hoffnung hin, daß unsere gerechten Klagen auch gehörig gewürdigt und beseitigt werden. Der allgütige Lenker der menschlichen Schicksale, der die Königsherzen in Händen hält und sie wie Wasserbäche leitet, wird alles zum erwünschten Schluß führen. Was meine Collegen und mich betrifft, so würden wir uns glücklich schätzen, wenn durch unser geringes Wirken diese Angelegenheit irgendeine Beförderung erhielte. Wobei ich die Ehre habe hochachtungsvoll zu zeichnen Buttenwiesen, den 29. Dezember 1845. Ihr ganz ergebener David Bauer. Herr Einstein beliebe 12—15 Drei- Kreutzer-Bogen beizufügen. Jede Eingabe 4—5 Bogen. Ichenhausen Fischach Hürben Harburg Fellheim Deggingen Altenstadt Wallerstein Osterberg Oettingen Hainsfarth Mönchsroth Kleinnördlingen Ederheim retour.“ 72