Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Die jüdische Gemeinde in der Johanniterordensstadt Friedland
Date
1935-01-01
Page
Seite 64 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2259275-2259298-2259300-2261736--083-2261839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die jüdische Gemeinde in der Johanniterordensstadt Friedland1} Von Gerhard Krüger Schon im 15. und 16. Jahrhundert wohnten Juden in der Niederlausitz. Sie hatten sich unter landesherrlichem Schutz vor allem in den Kreisstädten niedergelassen, wo sie Handel trieben. Lebhaft beklagten sich gegen Ausgang des 15. Jahrhunderts die alteingesessenen Kaufleute über die wachsende jüdische Konkurrenz. So erhoben, nach einem Schriftstück aus dem Jahre 1499, Bürgermeister und Rat von Luckau „täglich ein erbärmliches Geschrei und Klagen, daß die Juden ihren Untertanen große Beschwernis bereiteten“. Sie baten, die Juden in Luckau „den Betrübten zu Trost und zum Aufnehmen“ aus der Stadt zu weisen und ihnen zuzusichem, daß fortan sich kein Jude mehr in Luckau niederlassen dürfe. König Wladislaus von Ungarn bewilligte daraufhin, daß „alle Juden, alt und jung, Weib und Kind“, aus Luckau „geurlaubet“ würden. An einem Tage, den der Landvogt der Niederlausitz bestimmen sollte, hatten sie die Stadt zu verlassen und durften auch „ewig nicht darin bleiben, handeln noch wandeln“.* 2) Aus Cottbus wurden sie 1510 gelegentlich der Judenverfolgung in Brandenburg ausgewiesen. Die jüdischen Familien, die sich nach und nach wieder in der Mark einfanden, bevorzugten vor allem die wichtige Handelsstadt Frankfurt a.d. O. als Niederlassungsort. 1672 erlangten sie gegen Entrichtung von Abgaben das Recht, auch in der sächsischen Niederlausitz uneingeschränkt Handel zu treiben. Wenig später, 1673 oder 1674, machten sich einige jüdische Familien aus Müllrose in der Johanniterordensstadt F r i e d 1 a n d ansässig. Um1700 lebte hier aber nur noch ein Jude, Isaac Samuel, mit seiner Familie. Nach seinem’ Tode erhielten sein Sohn und seine beiden Schwiegersöhne die Erlaubnis, in der Stadt zu bleiben. Als die Schweden 1709 in das Ordensamt Friedland einfielen, flohen diese drei Familien nach Frankfurt und Beeskow. Bald aber kehrten sie nach Friedland zurück. Zu ihnen gesellte sich eine vierte Familie, die des Ascher Salomon. In dem folgenden Jahrzehnt erhielt die jüdische Gemeinde in Friedland starken Zuwachs. So trafen aus Beeskow drei Familien ein. Auch von Breslau, Storkow, Quilitz und Meseritz kam Zuzug nach Friedland, so daß 1720 bereits 20 jüdische Familien hier ansässig waren. Der Ordensmeister, der aus dem Schutzgeld, das im Ordensamt seit 1690 Beiwohnergeld genannt wurde, eine namhafte Einnahme hatte, begünstigte ihre Niederlassung. Er erlaubte ihnen auch Handel zu x) Als Quelle dienten die Akten des Preuß. Geh. Staats-Archivs, Berlin. Die in den Hinweisen angeführten Aktenzeichen beziehen sich sämtlich auf dieses Archiv. Es wurden benutzt: Prov. Brandenbg., Rep. 9, Ordens-Amt Friedland, Pack 871, Lit. J. Judensachen. Prov. Brandenbg., Rep. 9. O. Amt Friedl., Nr. 43, Juden in Friedl. und Nr. 62, Schutzjuden in F., Rep. 139 L Nr. 924, Schutzjuden in F., Rep. 139 L Nr. 1139. 2) Rep. 139 L Nr. 924. 64

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.