Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Landshuter Judeneid aus dem 14. Jahrhundert
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 2)
- Language
- German
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Raphael Straus. Ein Landshuter Judeneid aus dem 14. Jahrhundert aus dem 14. und 15. Jahrhundert in Schweinsleder gebunden. Auf f. 57 dieses Bandes befindet sich das unten wiedergegebene Bildchen, bezeichnet: ״Feifelein der Juden Chunch.“ Nach den übrigen im Bande erscheinenden drei Zeichnungen — Aebtissin von Seligenthal bei Landshut, eine Schwurszene, einem Bildnis des Stadtschreibers Otto Plödlinus — scheinen diese vier Zeichnungen von Plödlinus selbst herzuruhren. Er nennt sich auf dem Spruchband bei seinem eigenen Bildnis, das porträtähnlich sein dürfte, Otto Ploedlinus, notarius huius civitatis. Hier interessiert vor allem das Bildnis des Judenobmanns Feifelein. Kleid und Hut sind zinnoberrot gefärbt, der Mantel außen gelb, innen purpurrot. In der Hand hält er ein Schächtmesser, auf dem Kopf den spitzen Judenhut1). Das Bild steht seitlich des Textes, der überschrieben ist ״Juden Ayd“. Hier der Wortlaut: ״Swenn ein jud alz gar ein saewpriester wiert, daz er umb den rebig2) einen ayd sweren wil oder daz er eins pfantz schedlich3) verlangen wil oder umb sweliherlai sache er für recht kumpt, darumb er sweren sol, daz sol man im niht gelauben; swie graewlieh er darumb zannet oder schautzenlichen siecht, er swer dann den ayd alz hernach geschribe stet. Wir der rat und deu gemain der stat zu Lantzhut bechennen, daz wir erfaren haben in unsem alten rechten, die wir je gehabt haben von unsem lieben herren von Beyern, swenn daz ist, daz ein Christen hintz einem juden ichtz weisen wil, daz mus er tun mit juden und mit Christen und swenn ez mit dem rechten alz verr kumpt, daz si sagen sullen, so sol der Christen zu der sag gestehet werden alz von alter gewonhait der schrann recht ist, da die sag geschehen sol oder die Weisung, und sol dann sagen sein gewizzen auf den aid, der im gegeben wiert. Darnach sol der richter zu dem juden sprechen: jud, ich sprich dir zu bei deiner E und bey dem aid, den du swerent wierst alz du in da hoerest, waz dir von der sach wegen kunt und gewizzen sei, und sol man auch dem juden den aid vor verchunden und dann darnach geben an der schraxm von wort zu wort, alz hernach geschriben stet, und swer in den ayd geit, der sol in sein gerechten hant in daz puch herren Moysi legen haizzen untz an den rist on geuar, da auch die fumf puch! herren Moysi an geschriben sten und die E, die got herren Moysi gab auf dem perg Synai, und dann sol er im den aid geben, der stet also: Bey dem lebendigen got Adonnay, der himel und erd und laub und graz beschaffn hat, bei dem got Abrahams, bei den got Isaacks, bei dem got Jacobs und bei dem got, die die heiligen E gab herren Moysi auf dem perg Synai, daz ez war sei, dez du geswom hast, und daz auch daz puch daz recht puch sei, da deu mmf much herren Moysi an geschriben stent und deu• heilig E, die got gebn hat herren Moysi auf dem perg Synai. Ez ist auch unser stat recht, zwaz ein jud mit einem Christen in der stat ze schaffen hat, darumb sol er recht nemen vor unserm richter an der schrann und nindert anderswo ner. ג) Daß diese Darstellung ironisch gemeint ist, ergibt sich nicht allein aus dem Wortlaut der Satzung (s. im folgenden), sondern auch aus der Bezeichnung ״Judenkönig“. Diese Bezeichnung findet sich übrigens auch als bürgerlicher Name von Christen nicht ganz selten; auch die Form ״Judenherzog“ kommt als Christennamen vor. Diese ironische Haltung und die offenbar symbolisch gemeinte Abbildung des Schächtmessers deutet auf die Landshuter Juden- Verfolgung von 1337 hin. Diese ist in der Literatur wenig beachtet worden, weil sie im Gegensatz zu dem Deggendorfer Judenbrand nur durch eine einzige Quelle überliefert ist. 2) hebräisch ריבית (ribbith), d. h. usura? s) substantivisch gebraucht, d. i. Schaden. 43