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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1935-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1935
Issue
Heft 1
Article
Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums
Date
1935-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Siegfried Ucko. Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums Synthesis1), die wiederum faßbar ist als Folge des Eintrittes in die Gesamtkultur. Dieser hat seinen Ausdrude in der Haltung der Wissenschaft des Judentums gefunden. Es ist bekannt, daß der Begriff der Wissenschaft des Judentums von den im „Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden“ vom Jahre 1819 zusammengeschlossenen Männern seinen Ausgang genommen hat; und im Rahmen von Arbeiten zur Geschichte der Wissenschaft des Judentums ist auch in letzter Zeit — insbesondere von Elbogen2) — auf den „Culturverein“ hingewiesen worden. In der vorliegenden Studie soll nicht die Darstellung des „Vereins“ im Rahmen der Wissenschaftsgeschichte des Judentums und auch nicht die Darstellung des „Vereins“ und seiner Geschichte versucht werden; ihr Interesse ist wesentlich anders gerichtet. Ist die prinzipielle, für das Wesen der jüdischen Geistesgeschichte einschneidende Bedeutung des Phänomens einer Wissenschaft des Judentums erkannt, so muß in gleichen Maße das Interesse an einer Kenntnis der Haltung ihrer Begründer gegeben sein. Es muß nach der spezifischen Geistigkeit der Männer gefragt werden, die in Bestimmtheit zum ersten Male den Gedanken der Wissenschaft des Judentums erfaßten und zur Geltung zu bringen suchten. Graetz datiert ein neu erwachendes jüdisches Selbstgefühl von der Entstehung der jüdischen Wissenschaft; diese selbst aber hat in einer tief fundierten Aenderung des jüdischen Selbstbewußtseins ihren Anfang. Hätte eine rein geschichtliche Betrachtung des „Vereins“ sich vor allem nach seiner historischen Wirksamkeit zu erkundigen, zu untersuchen etwa, inwiefern der Verein in seiner Gesamtheit Vater der jüdischen Wissenschaft gewesen sei, ob dieser Anspruch nicht nur einzelnen Mitgliedern zukomme, die vielleicht diesen Gedanken ohne das Zusammenwirken des Vereins hätten konzipieren können — so liegt solche Fragestellung abseits der hier gestellten Aufgabe. Nicht die Wirksamkeit ist hier Gegenstand des Interesses, vielmehr die Problematik, die hinter dieser bestehenden oder auch nicht bestehenden Wirksamkeit — in der jungen Judengeneration im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts — liegt. x) Der Terminus bei Dubnow: Weltgeschichte des jüd. Volkes, VIII, S. 441. -) I. Elbogen: „Ein Jahrhundert Wissenschaft des Judentums“ in „Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“, Berlin 1922, und „Ein lOOjähriger Gedenktag unser Wissenschaft“ in MGWJ. 1922. Vgl. auch die hebräische Zeitschr. Dewir, II, S. 17 f. — Die einzige ausführliche Darstellung des Vereins steht im Kapitel „Das junge Palästina“ in Adolf Strodtmann „Heinrich Heines Leben und Werke“. Es wäre wünschenswert, wenn eine solche Darstellung unterjüdisch interessierteren Gesichtspunkten und unter noch umfangreicherer Benutzung des Quellenmaterials nochmals unternommen würde. Die Darstellungen von Graetz und Dubnow in ihren Geschichtswerken basieren auf der Strodtmannschen Arbeit. Graetz, zeitlich den Ereignissen noch zu nahe, findet zu dem „Culturverein“ nur wenig eine sachlich würdigende Einstellung. Salman Rubaschoff hat an einer leider sehr versteckten Stelle (Der Jüdische Wille, Zeitschrift des K. J.V., Jahrgang I) unter dem Titel „Erstlinge der Entjudung“ drei Reden von Eduard Gans neu abgedruckt und diesem sehr wichtigen Abdruck eine interessante und scharfsinnige Einleitung vorausgeschickt. Der angekündigte Sonderabdruck ist nicht erschienen. — Der Aufsatz von Elbogen in der Festschrift hebt mit besonderer Schärfe das prinzipiell Neue der Wissenschaft des Judentums hervor. 2

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