Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 3)
- Language
- German
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Literatur Die Gliederung der Abhandlung, der die Beziehungen der Juden zu den kirchlichen Kreisen, zum Herzog, zum Kaiser, zur Stadt zugrundegelegt sind, hat viel für sich, und doch scheint sie mir nachteilig zu sein, da immer wieder auf bereits erwähnte Verhältnisse und Vorgänge zurückgegriffen werden muß. Vielleicht hätte sich dieser Nachteil vermeiden lassen, wenn ein kurzer, einleitender Ueberblick über die Entwicklung der ganzen Frage an der Hand der Ereignisse vorausgeschickt worden wäre, was sich um so mehr empfohlen hätte, als ja die Bücher, in denen sie bisher erörtert wurden, nicht jedermann zur Hand sind. Eine Nachprüfung einzelner Stellen mittels der Belege ist vorerst nicht möglich, da die Urkunden und Aktenstücke, auf die verwiesen wird, erst im Erscheinen begriffen sind. Man wird ihnen überall mit großem Interesse entgegensehen und erwarten dürfen, daß sie den Studien zur Geschichte des Judentums, aber auch der Erforschung der Regensburger Lokalgeschichte einen neuen starken Ansporn geben werden. Regensburg. Rudolf Freytag. Marcus Breger, Zur Handelsgeschichte der Juden in Polen im 17. Jahrhundert, mit besonderer Berücksichtigung der Judenschaft Posens. Berlin 1932. Rubin Mass, VIII und 46 S. Die mit reichen Quellenbelegen ausgestattete, hauptsächlich die auch in der Landes- und Vierländersynode einflußreiche Stadt Posen berücksichtigende, leider nur in sehr gekürzter Form unter völliger Weglassung von zwei Kapiteln gedruckte Breslauer phil. Doktor-Dissertation gibt häufig bloß die Ergebnisse, nicht den Weg der Forschung wieder. Sie beruht vor allem auf dem 1621 beginnenden Buch der „Kescherim", der als Exekutivorgan der jüdischen Gemeindevertretung, Kahal, fungierenden Körperschaft der Frommen, und dem Protokollbuch des Kahal, Pinax. Einige Ergänzungen sind dem Krotoschiner Totenbuch entnommen. Verf. schildert nach kurzer Einleitung die Stellung der jüdischen Handelskreise zu ihrer Umwelt, die Berufsschichten, Jahrmärkte und Messen, den Geldhandel und Zinsfuß. Im Anhang erbringt er neue Aufschlüsse zur Natur des jüdischen Wechselbriefs, des Mamran. Ein wichtiges Kennzeichen in der Entwickelung des jüdischen Handelsbetriebes ist der infolge starker Einwanderung armer Elemente sich im 16. Jahrhundert vollziehende Uebergang vom Geldzum Warenhandel und Handwerk. Der jüdische Geldgeber wird Schuldner von Adel, Geistlichkeit und christlicher Kaufmannschaft, während der Geldhandel sich auf die eigenen Volksgenossen zurückzieht. Der die verschiedensten Zweige umfassende Handel leidet indessen durch hochgespannte Konkurrenz durch die Ueberfülle der Juden (1619 in Posen: 2300 Juden), durch Plackereien der aller Verbote ungeachtet amtierenden jüdischen Zollpächter und -Schreiber, durch Feindschaft der christlichen Kaufleute und Zünfte sowie durch die jüdischen Faktoren, Makler, Zuweiser, Läufer und Aufsetzer. Daher nahm die Verschuldung bei unerträglich hohen Zinssätzen (selbst bei langfristigen Darlehen vor 1650: 22—25 v. H.) beständig zu und führte selbst die Gemeinde schließlich zum Bankerott. Auch der Besuch der Messen war mit großen Hindernissen verknüpft, und die Kaufleute liefen stets Gefahr, für fremde Schulden mit ihren Waren haftbar gemacht zu werden. Der Verfall der polnischen Plätze zwang außerdem zum Besuch auswärtiger Orte, wie Frankfurt a.d.O., Breslau, Leipzig usw. Gegen alle diese Mißstande führte der Kahal einen aufopfernden, aber häufig aussichtslosen Kampf. Breslau. Manfred Laubert. Israel Rabin, Beiträge zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der Juden in Schlesien im 18. Jahrhundert. Heft I. Der rechtliche Zustand. 1713—1740. Breslau 1932. Kuratorium der Fraenckelschen Stiftungen 60 S. Die Geschichte der Juden in Schlesien hat bisher keine abschließende Behandlung erfahren. Marcus Brann hat sie zusammenhängend bis zum Ende der Habsburgischen Herrschaft (1740) fuhren wollen, der Tod hat ihm die Feder aus der Hand genommen. Für spätere Epochen besitzen wir von ihm wertvolle Einzeluntersuchungen, aber gerade die so wichtige Emanzipations- 220