Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur keinem Falle aber jünger als Köln angesehen werden darf". Die Nachweise sollen -erbracht werden durch ein Tonlampenstück mit siebenarmigem Leuchter, italienischer Herkunft, wie sie zu Beginn des 4. Jahrhunderts aufkamen — das Stück ist 1901 gelegentlich der Grabung zum Kanalanschluß des Hauses Hauptmarkt Nr. 15 in Trier gefunden worden: — und in noch stärkerem Maße durch eine Anzahl Terrakotten, sowie Gefäßmündungen aus Trierer Töpfereien .des vierten bzw. sogar des ausgehenden dritten Jahrhunderts. Dem Lampenstück gibt Altmann vermutungsweise die Ausdeutung, daß es aus einer jüdischen Grabstätte oder jüdischen Katakombe in Trier stamme. Die Terrakotten, die nach Altmann ganz unzweideutig Karikaturen von Juden darstellen, seien eine Lächerlichmachung der Mischehen mit Juden und auch durch wirtschaftliche Gründe beeinflußt. Die Juden in Trier hätten immer zu den Importeuren der italienischen Keramik gehört, und in den Karikaturen komme auch die Auflehnung der Trierer Töpfer gegen die angebliche Ausbeutung des Landes durch römische Kaufleute zum Ausdruck. Diese von Altmann gegebenen Nachweise werden seiner Ansicht nach noch durch folgende Schlüsse und indirekten Beweise unterstützt. In fast allen europäischen Ländern, auch im lateinischen Westen, sind mehr oder minder starke Spuren, die die Ansiedlung von Juden in der römischen Kaiserzeit zum mindesten vermuten lassen, zutage getreten. Aus dem an die Dekurionen der Stadt Köln gerichteten Konstantinischen Erlaß von 321 n. Chr. könnte auf die Anwesenheit von Juden auch anderswo in Gallien geschlossen werden; weil mit Beziehung auf Köln auch auf andere ältere ungenannte Rechte der Juden im allgemeinen Bezug genommen wird, könnte es sich bei dem ganzen Gesetz trotz seiner Kölner Adresse um ein gallisches Gesetz im allgemeinen handeln. Altmann stützt sich dabei auf den berühmten Kommentator des Codex Thedosianus — Jacobus Gothofredus (1587 bis 1652) und die Historiker Hontheim und Basnage. Abgesehen von der Größe und Bedeutung Triers als Hauptstadt und Militärzentrale des römischen Westens ist für ihn der Weg des Christentums, der über Metz—Trier, Köln- Mainz geführt habe, und die geschichtlich greifbare Tatsache für die Anwesenheit des Christentums um die Mitte des dritten Jahrhunderts in Trier ein Beweis, daß Juden sich um diese Zeit schon in Trier befunden hätten. Das Judentum sei überall der Wegbahner des Christentums gewesen. Für das vierte Jahrhundert sieht Altmann einen sehr überzeugungskräftigen Beweis für die Anwesenheit von Juden in Trier in der Verordnung des Kaisers Valentinian I. von 368, die die Synagoge von militärischen Einquartierungslasten befreit und von Trier aus ergangen ist Zu diesen Nachweisen und Schlüssen habe ich folgende Bemerkungen zu machen und darf mich dabei auf Ausführungen des Leiters der römischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museum in Köln, Dr. Fremersdorf, der mir verschiedene Bedenken gegen die Aufstellungen Altmanns geäußert hat, stützen. Der Einzelfund des Tonlampenstückes bei der städtischen Kanalisation ist nicht absolut beweiskräftig, d. h. er rührt aus keiner systematischen Grabung her. Die Möglichkeit, daß er erst in neuerer Zeit dort in die Erde kam, ist immerhin vorhanden und Vorsicht geboten. Analogien dafür finden sich bei Ausgrabungen öfters; so z. B. in dem Aufsatz von Wiedemann: Eine ägyptische Statuette am Bonner Castrum (Bonner Jahrbücher 1923, S. 63 ff.); es wird daselbst nachgewiesen, daß in sehr vielen Fällen die Fundangabe so unsicher ist, daß es sich vielfach um anderswoher bezogene Stücke handelt. Daß das Lampenstück mit einem jüdischen Begräbnisplatz in Verbindung zu bringen sei, scheint mir deshalb ausgeschlossen, weil es wohl in der Nähe des späteren Judenviertels gefunden worden ist, aber die jüdischen Gräberstätten in der römischen Kaiserzeit außerhalb Palästinas auf Grund der talmudischen Vorschrift, z. B. in Köln, außerhalb der Stadt lagen. Die Terrakotten aus dem späten dritten und vierten Jahrhundert beweisen nach der Ansicht von Fremersdorf und anderen Fachleuten lediglich, daß man in Trierer Manufakturen Karikaturen verfertigt hat; die unbedingte Deutung auf Juden ist mindestens fraglich. Die Behauptung, daß Trierer Juden zu den Importeuren der italienischen Keramik gehört haben, ist zwar überaus geistreich; bedenklich dabei stimmt lediglich die Tatsache, daß schon 20 n. Chr. Südgallien vor allem die Länder am Rhein mit Terra Sigillata versorgte und somit Gallien unabhängig von Italien machte (s. Aubin, Der Rheinhandel in römischer Zeit Bonner Jahrbücher, H. 130, S. 1—37). Von den von Altmann für das frühe Vorkommen der Juden in Trier genannten 211