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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 203

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 4
Article
Aus Markus Josts Briefwechsel
Date
1932-01-01
Page
Seite 203 (sequence 2)
Language
German
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sehen Reformrabbiner gegen den Vorwurf des Rationalismus zu rechtfertigen. Sie leugneten die Ueberlieferung der Weisen nicht, sondern wollten nur die Last der Gebote erleichtern, um den Klagen der Völker zu begegnen; denn die Not des Galuth sei jetzt größer als je. „Die Söhne Israels haben Kenntnisse und Wissen erworben, und als sie damit ihr Brot verdienen wollen, lastet das Joch der Tradition auf ihnen, und sie haben kein Brot zum Essen und kein Kleid anzuziehen,... wenn die Rabbiner das Joch der Gebote zu erleichtern suchen, ist es nicht Rationalismus und Epikuräertum, sondern Reform . . ." Hier werden also wirtschaftliche Gründe für die Reformbewegung stark in den Vordergrund gestellt1). Die zwei Briefe Josts, die wir zum Abdruck bringen2), stammen aus dem handschriftlichen Nachlaß des Warschauer Zensors und Aufklärers Jakob Tugendhold, der selbst stark von der jüdischen Aufklärung in Deutschland beeinflußt war3) und mit vielen führenden Juden Deutschlands (Zunz, Sachs u. a.) in freundschaftlicher und brieflicher Verbindung stand. Mit Jost war er offenbar sehr befreundet. Der erste Brief Josts an Tugendhold ist vom 15. Mai 1835 (kurz vor Josts Uebersiedlung nach Frankfurt) datiert (mit hebräischen Buchstaben geschrieben) und mehr geschäftlicher Natur. Er beantwortet die Anfrage Tugendholds über die von ihm bezogenen Exemplare der Jostschen Mischnahübersetzung. Wie es scheint, war dies nicht das einzige Mal, wo Tugendhold dieses Werk kaufte. In einem Briefe vom 24. Juni 1836 spricht Tugendhold von Aufträgen von 25 und 35 Exemplaren. (Er macht hier Jost zum Mittler beim Einkauf von 600—1000 Exemplaren der Rödelheimer Machsorim für Polen.) Aus den Aeußerungen über den bekannten Mathematiker Abraham Stern in Warschau (1760—1842) kann man ersehen, daß Jost auch zu diesem gute Beziehungen hatte. Von größerem Interesse ist der zweite Brief Josts vom 18. Oktober 1836. Der erste x) Mehr in meiner Arbeit „Wirtschaftliche und soziale Momente in der Aufklärung der Juden in Deutschland", die hoffentlich bald erscheinen wird. D.Vf.;: 2) Aufbewahrt in der Bibliothek der Synagoge in Warschau, Tlomackie 7. s) Ueber ihn vgl. Weinryb in MGWJ 1932, S. 145 f. Passus handelt von den Rödelheimer Machsorim, die auch nach dem Tode Wolf Heidenheims unter seinem Namen bei Angabe des Auflagejahres 1832 weiter gedruckt wurden. Mit dem Vertrieb seiner Mischnahausgabe mußte Jost sich selbst beschäftigen, die Briefe enthalten daher immer genaue Abrechnungen über diese Sendungen. Interessant ist die Bitte Josts, man möge ihm Nachrichten über die Juden Osteuropas zustellen und für ihn ältere Werke historischen Inhalts einkaufen. Als erster jüdischer Historiker mußte er sich das nötige Material mühsam beschaffen. Auch die Bescheidenheit Josts (erwähnt bei Zirndorf, S. 116) tritt hier zutage. Das ihm zuteil gewordene Lob erklärt er für übertrieben und erkennt die Grenze seiner und die Bedeutung fremder Leistungen an. Er sei von seinem Berufe stark in Anspruch genommen und könne nicht mehr viel leisten. Diese Zeilen sind im Anfange des zweiten Jahres nach seiner Uebersiedlung nach Frankfurt a. M. geschrieben, als das neue Lehramt noch stark auf ihm lastete und ihm nicht die nötige Muße zu wissenschaftlicher Arbeit ließ. * Geübter und geehrter Freund. Ich habe zwei Schreiben Ihres Herrn Schwiegervaters und Ihr Geehrtes richtig empfangen. Auch das Geld erhalten und Ihnen die nTWfc zugefertigt. In Betreff des Geldes wollen Sie gef. bemerken, daß meine Auslage 82/3 r. betrug, mir also noch 2/3 r. gut bleiben. Bis jetzt weiß ich in Beziehung auf die Papiere, welche in meinen Händen sind, nichts zu melden. Sollte etwas Bemerkenswertes vorfallen, so werde ich Ihnen schon gehörig Nachricht geben. Nun bitte ich Sie ferner, dem wackeren Herrn Stern meinen innigsten Dank für seine überaus große Güte abzustatten. Ich werde das schöne Gedicht, das noch die Klassizität der Mendelsohnschen Zeit in sich trägt und dieselbe übertrifft, als ein teueres Andenken bewahren. Unter bester Begrüßung Ihrer lieben Frau Gemahlin melde ich Ihnen nunmehr, mein teuerer Freund, daß ich nicht mehr lange in Berlin bleibe, sondern nach Frankfurt a. M. gehe, wohin die dortige Gemeinde mich an ihre Schule berufen hat. Am ersten Juli gehe ich mit Familie von hier ab. Ich bitte Sie, mir auch dorthin Ihre Freundschaft folgen zu lassen, und ich werde mich bemühen, mit Ihnen meine Korrespondenz fortzu- 203

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