Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Vorwurf der Hostienschändung und das erste Auftreten der Juden in der Mark Brandenburg
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 9)
- Language
- German
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Hans Lichtenstein. Der Vorwurf der Hostienschändung u. das erste Auftreten der Juden in der Mark Brandenburg mark. Schriften des Vereins für Geschichte der Neumark III, Landsberg a. W. 1895, Nr. 16. In nomine veri dei amen. Necessaria est rerum gestarum descripcio ne posteri obliuione moti denegare valeant maturo priorum consilio stabüita. Quamobcausam noscat deuota nacio fidelium et felix successio futurorum quod nos consules ciuitatis Arnswol presentibus publice protestamur quod vninersitas judeorum adherendum synagoge et domui ipsius in nostra ciuitate site42) quesivit.....43) nobiscum videlicet tali modo ut predictam synagogam cum domo ipsius predicti judei cum suis successoribus libere in perpetuum possidebant (!) ita ut nullam exaccionem que schoth vulgariter dicitur dare debent (!) et sine vectura et absque omni impugnacione manebunt preter vigilias nocturnas quas nobiscum seruabunt sicuti ceteri nostri burgenses seruant et seruare penitus consueuerunt pro quibus annuatim duas marcas argenti vnam in festo beati martini reliquam vero in festo beate walburge nobis quolibet anni circulo presentabunt. Insuper comparauerunt pecunia sua agrum situm iuxta cimiterium ipsorum cuius longitudo scilicet cum latitudine centum et Septem uirgas mensurales intra circuitum obtinebit et viam accedendi cimiterium ipsorum sicut prius latius scribitur reseruabunt. Preterea ipsos judeos et omnes judeos ad predictum cimiterium pertinentes in accedendo ad iam dictum cimiterium et recedendo sub nostra tutela recepimus et proteccione tali forma ut ipsos protegere volumus (!) pre omnibus qui pro nobis quidquid facere dinituntur seu proponunt et nullus debet sepedictos judeos in introitu et exitu nostre ciuitatis impignorare nec in aliquo molestare. In cuius rei credenciam presens scriptum ipsis Judeis dedimus sigillo nostre ciuitatis firmiter roboratum. Datum anno domini M0 CCC0 XXI0 feria secunda ante natiuitatem beate marie uirginis gloriose44). (Preuß. Staats-Archiv Königsberg i. Pr., Brief Sammlung A S XIII 109 Nr. S. Abschrift des 15. Jahrhunderts). ÜBERSETZUNG. Im Namen des wahren Gottes Amen. Die Aufzeichnimg der Geschehnisse ist nötig, damit die Späteren nicht aus Unkenntnis das abstreiten können, was durch wohlerwogenen Beschluß ihrer Vorfahren zustande gekommen ist. So wisse denn die fromme Nation der Gläubigen und die glücklichen Nachkommen, daß wir, die Ratsmannen der Stadt Arnswalde, hierdurch öffentlich kundtun, daß die Gemeinde der Juden, die zu der in unserer Stadt gelegenen Synagoge und ihrem Hause gehört, uns um . . . gebeten hat dahingehend, daß die genannten Juden und ihre Nachfolger die genannte Synagoge mit ihrem Hause frei in Ewigkeit besitzen sollen. Sie sollen keine Abgabe, die gemeinhin schoth (Schoß) genannt wird, entrichten und ohne jede Dienstleistung und Behelligung bleiben abgesehen von den Nachtwachen, die sie gemeinsam mit uns leisten* sollen, wie sie unsere sonstigen Bürger leisten und von altersher zu leisten gewohnt sind. Dafür sollen sie uns jährlich zwei Mark Silber geben; eine Mark am St. Martins — (11. November), die andere am St. Walburgstage (1. Mai). Außerdem haben sie aus eigenen Mitteln ein Feld neben ihrem Friedhof erworben, dessen Umfang 107 Quadratruten beträgt, und sie sollen einen Zugangsweg zu ihrem Friedhof, wie oben näher ausgeführt ist, behalten. Ferner haben wir die Juden und alle, die zu dem genannten Friedhof gehören, beim Aufsuchen und Verlassen des genannten Friedhofs dergestalt in unsern Schutz und Schirm genommen, daß wir sie durch alle, die für uns zu handeln befugt sind (?), schützen wollen. Niemand soll ferner die oftgenannten Juden am Betreten und Verlassen unserer Stadt hindern oder sie dabei im geringsten behelligen. Zur Beglaubigung haben wir dieses Schriftstück, mit dem Siegel unserer Stadt bekräftigt, den Juden gegeben. Gegeben im Jahre des Herrn 1321, am Montag vor dem Geburtstage der glorreichen Jungfrau Maria. 42) Vgl. Riedel A XIX 19 (Brandenburg a.d.H.; 1322, Febr. 27): universitas sive synagoga Judeorum, sowie A. Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter, 2. Aufl., Berlin 1900, S. 113. *3) Ein Wort ist unleserlich. 44) Herrn Professor Baer von der Universität Jerusalem bin ich für freundliche Hilfe beim Lesen der Urkunde und bei ihrer Interpretierung zu Dank verpflichtet. 197