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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 189

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 4
Article
Elise Reimarus und Moses Mendelssohn
Date
1932-01-01
Page
Seite 189 (sequence 17)
Language
German
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Hans Lichtenstein. Der Vorwurf der Hostienschändung u. das erste Auftreten der Juden in der Mark Brandenburg der Aufklärung lag, die beiden Freunde zu verschiedenen Zielen führte: die Frau zu einem mehr oder weniger verhüllten Skeptizismus, den jüdischen Philosophen zu einer irrationalen Gewißheit, die ihm durch den Glauben seiner Väter gegeben war. Hier spielt sich ein Stück von der Tragödie der Vernunft ab, deren Schauplatz das 18. Jahrhundert war. Aber nur ein Stück. Denn der Streit wird vertagt oder abgebrochen, als ein Ereignis von menschlich tiefster Spannweite beide in Erschütterung vereint: der Tod Lessings. Treue gegen den toten Freund eint sie wieder; vereint kämpfen sie für sein Andenken. Und Treue gegen den lebenden Freund, gegen Mendelssohn selbst, den sie von Jacobi ungerecht behandelt sieht, spricht schließlich das letzte Wort, das wir von Elise Reimarus vernehmen. Für sie selbst aber führt der tragische Abschluß ihres Freundschaftsbundes mit Moses Mendelssohn zur entscheidenden Wendung im eignen Leben. Der Vorwurf der Hostienschändung und das erste Auftreten der Juden in der Mark Brandenburg Von Hans Lichtenstein I. Das Laterankonzil von 1215 hatte die Transsubstantiationslehre zum Dogma erhoben. Das Wunder der körperlichen Verwandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi, die Gewißheit der Erlösung durch das Sakrament machten das 1264 gestiftete Fronleichnamsfest bald zum höchsten Fest der katholischen Kirche. Die dem Gläubigen gereichte Hostie ließ ihn teilhaben an dem Leibe des Erlösers. Nicht lange, und man wußte von Wundern zu berichten, die Hostien gewirkt hatten: Blut war aus ihnen gequollen, Kranke waren durch sie geheilt worden, und die Kirchen, in denen sie aufbewahrt wurden, bildeten nunmehr das Ziel frommer Wallfahrten, für die von den Bischöfen Ablässe gewährt wurden. In der Mark Brandenburg trat das Wunderblut an vier Orten in Erscheinung: in der Kirche zu Beelitz, dem Kloster Heiligengrabe in der Prignitz, in dem 1249 gegründeten Kloster Zehdenick und — am bekanntesten von allen — der Wunderblutkirche zu Wilsnack (gestiftet 1383). Die beiden ersten Wunder nun werden in späteren Berichten mit Juden in Verbindung gebracht. Der älteste uns erhaltene Bericht über Beelitz stammt von dem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebenden PfarrerCreusing1)- Er erzählt: Einst verschafften Juden sich mit Hilfe einer Magd eine geweihte Hostie und stachen so lange in sie, bis sie zu bluten begann. Erschreckt gaben sie das Sakrament dem Mädchen zurück, und dieses versteckte es auf dem Boden eines Hauses. Die Stadtwächter beobachteten aber allnächtlich Lichterglanz auf dem Boden, der Rat ließ das Haus durchsuchen, und die Hostie wurde gefunden. Creusings Märkische Fürstenchronik, hgg. v. Friedrich Holtze (Schriften d. Vereins f. d. Gesch. Berlins 23, Berlin 1886). Aus ihm bei Angelus und den Späteren. 2 189

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