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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 181

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 4
Article
Elise Reimarus und Moses Mendelssohn
Date
1932-01-01
Page
Seite 181 (sequence 9)
Language
German
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Bertha Badt-Strauß. Elise Reimarus und Moses Mendelssohn die Anwendung auf die Juden manche Schwierigkeit zu bringen. Einmal, so meint er, „empfehlen sich die Juden so wenig itzt als in ihrer Geschichte durch sich selbst, sondern tun es nur durch die allgemeinen Grundsätze der Menschlichkeit"23). Man sieht hier, wie die alte Abneigung gegen die gegenwärtigen und einstigen Juden, die schon den alten Reimarus bei aller Aufklärungstoleranz beherrschte, in seinem Hause nachwirkt. Dann aber glaubt Hennings, „daß man die Sache der Vernunft und des uneingeschränkten Willens Gottes damit verdirbt, wenn man von einzelnen Religionsparteien redet, wo jetzt so viel menschliches mit unterläuft, daß man immer eben sovieles, gegen als für sich hat. — Um bei den Juden stehen zu bleiben, so ist es wohl offenbar, daß ihre Vorrechte als Menschen, welche auf jede Bildung und Glückseligkeit im Staate Anspruch machen können, größer sind als ihre Vorrechte als Juden"**). Es ist sehr interessant, wie auch hier die Hamburgerin sich völlig dem starren Aufklärungsmanne anschließt. Dieser Brief, so scheint es, ist ihr aus der Seele gesprochen; ausdrücklich bezeugt sie am 30. Mai 1782 des Doctors und ihr eignes Einverständnis: der Doctor habe immer behauptet, die Verbesserung der Juden als Juden sei eine in sich unmögliche Sache. Sie selbst aber, die, wie es ihr zukommt, einiges Scharfe im Briefe des Freundes bedauert, findet ihr eignes Glaubensbekenntnis in Hennings Frage: „Und wozu brauchen wir hier des Judentums oder des Christentums? Wir haben Lehren, die allen Religionen gemein sind und die die gesunde Vernunft in allen Seiten anerkennen muß. Je mehr wir diese Gründe oder Lehren ausbreiten, desto sicherer befestigen wir die Duldung . . ." Es scheint nicht, daß Elise diese Einwände dem vielverehrten Lehrer und Freunde selbst ausgesprochen hat — sie begnügt sich mit der Rolle der Frau hinter den Kulissen, die „gerne hört, wenn kluge Männer reden, daß sie verstehen kann, wie sie es meinen . . ." Unterdessen war aber schon ein Ereignis geschehen, das alle alte Zusammengehörigkeit der Lichtfreunde erwachen und alle neuen Dissonanzen schweigen hieß: Lessing war gestorben. Und nun ist ergreifend zu sehen, wie Lessings Erbe noch einmal alle seine Freunde vereint — wie es auch die Hamburgerin dem jüdischen Denker wieder nahe bringt: erst in dem gemeinsamen Bemühen um Lessings Nachleben — und dann noch einmal, und fast dramatisch, in dem „Kampfe um den Leichnam Mosis", den Jacobi mit seinen aufsehenerregenden Mitteilungen über Lessings Spinozismus entfachte und in dem ja grade Elise Reimarus wieder eine wichtige Rolle zugedacht war. Als ein „Erbe Lessings" hatte Mendelssohn in seinem ersten Briefe an Elise Reimarus die Freundschaft zwischen ihnen beiden bezeichnet. Unterdessen hatten sie einander auch persönlich in Berlin kennengelernt, wohin Elise mit dem pädagogischen Freunde Campe gekommen war, waren im Reden und Schweigen einander nahe gekommen; Elise hatte Mendelssohns neuestes Werk „Jerusalem" durch den Hamburger Wessely von Mendelssohn zum Geschenk erhalten 23) Hennings an Mendelssohn 27.4. 1782. 2*) 23.3.1783. 181

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