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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 53

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1932-01-01
Page
Seite 53 (sequence 2)
Language
German
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Literatur der Uebersetzer sich so ängstlich gerade an die Beibehaltung der vielen überflüssigen Satzzeichen des Originals anklammert; Mendelssohn hätte bei deutschen Briefen ganz gewiß korrekter die Satzzeichen angewandt. Außerdem sollte man auch bei der Uebertragung solcher Urkunden die von den deutschen Historikern angenommenen „Halleschen Grundsätze" anwenden und die Interpunktion sinngemäß und nach heutigem Brauch setzen. Ein Bild des Originals geben doch die Satzzeichen am allerwenigsten. Das Wort „Bachur" sollte nicht bloß manchmal, sondern immer mitübersetzt werden. Der hebräische Buchstabe Sin ist immer mit ß zu übertragen. Mendelssohn hätte im Deutschen nicht: „ich weis", sondern: „ich weiß" geschrieben. Auf Seite 205 muß es „ausbitten", nicht „ausbieten" heißen. Eine Anzahl von Ungenauigkeiten in der Uebersetzung mag hingehen, da sie den Sinn nicht weiter stören. Dagegen kann aus der Uebersetzung des allerersten, aus dem jüdisch-deutschen Original übertragenen Briefes Nr. 91 niemand erkennen, daß der „geehrte Herr", der durch seinen Uebereifer das Geschäft verdorben hat, der Adressat Naphtali Herz selber ist. Die Abkürzung S... B heißt doch außerdem nicht „Herr" sondern „mein Verwandter". Es wäre richtiger gewesen, hier die Anrede „Ihr" oder „Sie" mit einzufügen, um den Sinn verständlich zu machen. Die gegen mich gerichtete Bemerkung zu Brief Nr. 136, S. 470, geht völlig fehl; denn ich habe nicht den Sohn Elkan Herz, sondern den Vater Herz Elkan, d. i. eben dieser Naphtali Herz, gemeint, und es kann niemand anders in Betracht kommen. Wenn man das beigefügte Wort „Darmstadt" sich in hebräischer Niederschrift denkt, erkennt man ohne weiteres, daß eine falsche Lesung vorliegt. Im Anhang des Bandes befindet sich wieder ein Verzeichnis der Lesarten sowie eine Fülle von ausgezeichneten Anmerkungen, die sowohl die persönlichen als sachlichen Nachweise zu den einzelnen Briefen geben und deren Verständnis ermöglichen. Dem Herausgeber gebührt froher Dank für seine vortreffliche Leistung, dem ganzen Unternehmen ebenso für die rasche und würdige Fortsetzung der Gesamtausgabe. Nürnberg. Max Freudenthal. Josef Kastein: Eine Geschichte der Juden. Berlin, 1931. Ernst Rowohlt. 635 Seiten. Dieses Buch ist so straff konzipiert und so gut geschrieben, daß es viele und willige Leser finden wird. Das enthebt jedoch die wissenschaftliche Kritik nicht ihrer Pflicht, schwere Bedenken zu äußern. Zunächst gegen den Geschichtsbegriff des Verfassers, der S. 632 formuliert wird: „Geschichte ist Projektion einer Lebensidee, einer aus dem Kosmos entlassenen Ideenkraft auf die Lebensrealität von Gemeinschaften." Mitunter freilich begegnet man auch anderen Formulierungen (z. B. S. 574, Geschichte als Gebiet der Forschung und Orientierung), aber beherrscht wird das Buch von der erwähnten Auffassung Nietzsche-Buberscher Färbung. Sie bedeutet einen Rückfall, wenn auch nicht in die theologische, so doch in eine ideologische oder, wie Verf. es nennt, ideengeschichtliche Methode. Verf. betont ferner, daß dieses Buch kein neutrales Buch ist und sein kann (S. 12). Daß jüdische Geschichte mit einem gewissen Temperament dargestellt wird, sind wir ja seit Graetz gewöhnt, aber die warme Teilnahme für den Gegenstand der Darstellung darf nicht gegen Wirklichkeit und Umwelt völlig blind machen. Gelegentlich heißt es (S. 497): „Wie der Ort der jüdischen Idee die Welt und nicht Judäa war, so wird der Ort des jüdischen Volkes die besiedelte Welt." Da die Welt besiedelt war, folgten notgedrungen Konflikte, und ein wesentlicher Teil der jüdischen Geschichte in der Diaspora setzt sich aus diesen Konflikten und ihrer Ueberwindung zusammen. Davon aber erfahren wir in dem Buche sehr wenig, noch weniger als selbst bei Dubnow. Wenn wir z. B. bei dem Gegenstand dieser Zeitschrift bleiben, so finden wir gelegentlich der Wanderung der Juden nach Polen erwähnt, daß dorthin auch deutsche Auswanderer flohen, um dem Druck des Feudalismus oder den Lasten der Bürgerkriege auszu- 53

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