Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur Verdienst der Abfassung und Herausgabe dieses literarischen Handbuches zu. Im Vorwort gibt er eine kurze Darstellung der Entwicklung des jüdischen Bestandes der Frankfurter Stadtbibliothek, der Anlage des Katalogs und die Namen seiner Hilfsarbeiter. Das Inhaltsverzeichnis gestattet eine Uebersicht über die ganz vortreffliche Art der Anordnung, die sich nach Materien in zehn Hauptabteilungen gliedert: allgemeine Schriften, Sprachwissenschaft und Literatur, Geographie und Geschichte, Philosophie und Kabbala, Pädagogik, Künste, Rechtswissenschaft, Staatswissenschaft, Naturwissenschaften, Theologie. Jede Hauptabteilung umschließt wieder eine Reihe von Spezialfächern als Unterabteilungen und diese nochmals Einzeleinteilungen. Zur leichten und bequemen Auffindung der einzelnen Werke dient ein am Schlüsse beigegebenes Register nach Personennamen und Schlagworten. Die Vorbereitung zur Herausgabe dieses mühsamsten Fleiß und genaueste Akribie erfordernden Werkes geht auf Jahrzehnte zurück. Daß die Veröffentlichung nunmehr gelungen ist, darf allen dafür zuständigen Stellen in Frankfurt, vor allem aber dem Verfasser A. Freimann als besonderes Verdienst angerechnet werden. Ausgezeichnet und des Jubiläumsjahres der Firma würdig ist auch Druck und Ausstattung durch M. Lehrberger & Co. Nürnberg Max Freudenthal. Festschrift für Jacob Rosenheim, anläßlich der Vollendung seines 60. Lebensjahres dargebracht von seinen Freunden. Frankfurt am Main 1931. J. Kauffmann. 464 und 162 S. Auf den ungleichen Wert der Beiträge zu dieser mehr als 600 S. füllenden, schön ausgestatteten Festschrift, die mit einem Bildnis des Gefeierten und einer Würdigung seiner Persönlichkeit und seines Werkes eröffnet wird, ist bereits in der jüdischen Tagespresse hingewiesen worden. Die Abhandlungen sind fast durchweg religionsphilosophischen, theologischen und biblisch-talmudischen Themen gewidmet. Eine Ausnahme machen zwei Arbeiten, die aktuelle Fragen der jüdischen Gemeinde- und Schulpolitik in beachtenswerter historisch-politischer Beleuchtung erscheinen lassen. Auf sie allein ist an dieser Stelle hinzuweisen. Zunächst eine interessante Studie von Esra Münk: Die Entwicklung der Verhältnisse der preußischen Synagogengemeinden im Geltangsbereich des Gesetzes vom 23. Juli 1847 über die Verhältnisse der Juden, mit aufschlußreichen graphischen Darstellungen der Entwicklung der Bevölkerungsziffern der jüdischen Gemeinden Preußens von 1843 bis 1925. Bekanntlich' haben die preußischen Synagogengemeinden seit 1847 eine wesentliche Umgestaltung ihrer äußeren und inneren Verhältnisse erfahren, der Münks Betrachtung gilt. Er stellt die Ursachen dieser Entwicklungen dar und erörtert ihre Rückwirkung auf die Frage der Bildung einer Einheitsorganisation der Gemeinden für das ganze Land. Mit Münks Arbeit berührt sich Baruch Sterns Studie: Die Stellung der Juden im öffentlichen Volksschulwesen in Preußen in ihrer Entwicklung vom Beginne der Emanzipation bis heute. Vor der Emanzipation genossen die Juden im preußischen Staatsgebiet in allen Angelegenheiten der Erziehung und des Unterrichts uneingeschränkte Selbständigkeit. Mit Beginn der Emanzipation wurden sie den staatlichen Vorschriften über die Schulpflicht und den Unterrichtszwang unterstellt und zum Besuche der öffentlichen Volksschulen angehalten, die rein konfessionell, evangelisch oder katholisch, eingerichtet waren. Stern untersucht nun Gang und Wirkungen dieser geschichtlichen Entwicklung, in deren weiterem Verlaufe den Juden das Recht zur Einrichtung öffentlicher jüdischer Volksschulen zugestanden und unter gewissen Voraussetzungen die Befreiung von der Beitragspflicht für die Schulsozietäten gewährt wurde. Aus beiden Abhandlungen wird klar, wie wünschenswert und lohnend eingehendere Untersuchungen zur neuesten Geschichte der Juden in Deutschland sind. HallejSaale. Guido Kisdi. 4* 51