Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein neues Urkundenwerk zur Geschichte der Wiener Juden [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 1)
- Language
- German
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Literatur Literatur Ein neues Urkundenwerk zur Geschichte der Wiener Juden. Von Guido Kisch Urkunden aus Wiener Grundbüchern zur Geschichte der Wiener Juden im Mittelalter. Im Auftrage der Historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit einer Einleitung von Otto H. Stowasser, herausgegeben von Rudolf Geyer und Leopold Sailer. (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutschösterreich, 10. Band). Wien 1931. Deutscher Verlag für Jugend und Volk. XV und Ö98 S. Die Historische Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, gegenwärtig unter der Leitung von Bernhard Wachstein, des als Forscher, Bibliograph und Editor gleichermaßen ausgezeichneten Gelehrten, betreut in geradezu vorbildlicher Weise seit Jahren den reichen Schatz an Quellen zur älteren und neueren Geschichte der Juden in Wien und in Oesterreich. Durch ihre bisher veröffentlichten Schriften, bis 1930 neun Quellenwerke und Darstellungen in 13 Bänden, ist ein wissenschaftliches Programm verwirklicht, wie es in ähnlicher Art sonst nur die großen, mit Mitteln reich ausgestatteten staatlichen historischen Forschungs- und Publikationsinstitute durchzuführen imstande sind. Dazu ist die Auswahl der Gelehrten, die für die Arbeiten herangezogen worden sind, bisher stets eine glückliche gewesen. Diese Linie wird mit dem vorliegenden 10. Bande der Quellen und Forschungen fortgesetzt, in welchem nahezu 2000 Urkunden zur Geschichte der Wiener Juden im Mittelalter aus Wiener Grundbüchern auf fast 700 Seiten veröffentlicht sind. Sie reichen von 1381 bis 1421, umfassen also gerade die Jahrzehnte, die der furchtbaren Katastrophe der Wiener Geserah vorangingen. Es handelt sich durchweg um die amtliche Beurkundung von Darlehnsverträgen, die durch Grundpfand gesichert sind; eine Anzahl von Eintragungen ist Grundstücksverkäufen und der Registrierung von Zinsverpflichtungen gewidmet. Nicht zum ersten Male wird der Inhalt solcher „Satzbücher" veröffentlicht. Artur Goldmann hat schon vor etwa 25 Jahren „Das Judenbuch der Scheffstraße zu Wien (1389—1420)" in einer mustergültigen Ausgabe (Wien 1908) mit äußerst wertvoller historischer und rechtsgeschichtlicher Einleitung der wissenschaftlichen Forschung zugänglich gemacht. Hier äußert er: „Was ein mittelalterliches Satz- oder Grundbuch zu bieten vermag, ist im besten Falle nur ein uninteressantes, ermüdendes Einerlei des unzählige Male sich wiederholenden Formelkrams, aus dem schließlich doch nur wieder Belege für die ohnehin genügend bekannte Praxis der Geldgeschäfte zu gewinnen sind. Allein, wenn für Jahrhunderte des wirtschaftlichen Lebens der Juden in Wien eben keine andere Quelle vorhanden ist, dann wird man auch den trockenen Geschäftsbüchern die größte Aufmerksamkeit schenken und jeden einzelnen Judennamen, den sie uns überliefern, mit Dank aufnehmen müssen". Dies gilt mit einer Abwandlung ebenso für die jetzt neu ans Licht gezogenen Wiener Urkunden. Die wirtschaftsgeschichtliche, nicht minder die rechtsgeschichtliche Forschung wird sie auszuwerten haben, auch nach mancher anderen Seite hin versprechen sie wissenschaftlichen Gewinn. Es ist sehr zu bedauern, daß der für diese Aufgabe berufenste Gelehrte Artur Goldmann zu ihrer 47