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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 30

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 1
Article
Beitrag zur Geschichte der Juden in Oberhessen von ihrer frühesten Erwähnung bis zur Emanzipation
Date
1932-01-01
Page
Seite 30 (sequence 20)
Language
German
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Manfred Laubert. Die Judenfrage auf den Posetier ProvinziaEandtagen von 1827 und 1845 bringen. Als man ein Anwesenheitsprotokoll verfertigt, stellt sich heraus, daß viele nicht erschienen sind. Besonders ungern scheint man seine Kinder zu diesen Predigten gelassen zu haben, denn fast alle behaupten, keine Kinder über 14 Jahren zu haben. Auch Weiber kommen nicht viele. Die eine hat kleine Kinder und kein Gesinde, eine andere geht „mit schweren leibs bürden", und die dritte ist Kindbetterin. Es ist offensichtlich, daß man die Frauen lieber zu Hause ließ. Zunächst geht alles noch gut. Man liest den Anwesenden die Judenordnung vor und fragt, ob sie alles recht verstanden und gehalten hätten. „Welches sie alles in guter Stille angehört und bejahet. Nachdem aber der Herr Superintendent das seinige auch reden wollte, haben die Juden, ohnerachtet ihnen zum öfteren silentium imponiert worden, einen Ufstand gemacht und nach der Stubentür geeilet und hinaus gewolt....." Aber da war schon Vorsorge getroffen, denn an der Türe stand der Stadtdiener und wollte sie nicht hinauslassen. Sie beschweren sich, daß man sie wie Gefangene hält. Als der Superintendent mit seiner Predigt fortfährt, erklären sie, er könne noch drei Tage predigen, sie hörten es doch nicht an, und wenn man ihnen so etwas noch einmal zumuten wollte, dann wollte keiner von ihnen mehr erscheinen. Lieber wollten sie das Land räumen. Der Amtsdiener aber, der an der Türe stand, hat mit angesehen, wie sich etliche Juden die Ohren verstopften. „Schließlich hart der Herr Superintendent vor ratsam gehalten, vor diesmahls abzubrechen und sein die Juden also umgehend nach .haus gelassen worden...". 1660 hatte Georg II. für die Städte Gießen, Alsfeld und Nidda im Oberfürstentum wieder solche Versammlungen angeordnet. In Gießen strömten auch die christlichen Bürger und Studenten zu diesen Zusammenkünften. Und die Gießener Regierung, die sich bei den Juden von vorneherein keine großen Erfolge verspricht, kann dem Landgrafen wenigstens die Genugtuung geben, daß die anwesenden Christen in ihrem Glauben bestärkt werden110). Mit dem 18. Jahrhundert erlahmte denn schließlich dieser fromme Eifer. Die Kräfte, die dann den alten Bau der jüdischen Religion zermürben und gefährden sollten, gingen nicht von der evangelischen Kirche aus. Es waren die gleichen Strömungen des Rationalismus und des Aufklärertums, die auch der Kirche selbst so schwer zu scharfen machten. Die Judenfrage auf den Posener Provinziallandtagen vonl827und 18451} Von Manfred Laubert Die Verworrenheit der gesetzlichen Zustände im Judenwesen der Provinz Posen ließ nach 1815 bei den Betroffenen selbst wie bei den Lokalbehörden rasch den Wunsch nach einer Reform erwachsen. Die Lage war durch die Mischung der herzoglich Warschauer Gesetzgebung mit den ehemaligen südpreußischen Verordnungen und durch das Hinaufpfropfen einiger preußischer Erlasse geradezu chaotisch geworden. uo) Hess. Staatsarch. XI, 2. Konv. 4, fol. 70. x) Nach Oberpräsidialakten V. B. a. 3 u. XXV. A. 12 i. Staatsarch. zu Posen u. Rep.77.30.49. Bd. I/III, 75 Bd. IL, 437.55 u. 523 e Stände Posen 27 Bd. II. i. Geh. Staatsarch. zu Berlin. 30

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