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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1932-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1932
Issue
Heft 1
Article
Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde
Date
1932-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Majer Balaban. Das letzte Dokument der 1670 vertriebenen Wiener Judengemeinde in geschäftKchem Verkehr. Er leiht bei Forbes größere Summen und verleiht sie auf höhere Zinsen an Adelige und Bürger, unter ihnen an den Kaufmann Alexander Ryth 2500 Gulden (1698)*»). Als aber im Jahre 1699 Robert Forbes die Zahlungen eingestellt hatte und Salomo seine Schuld an ihn (9430 Gulden) nicht begleichen konnte, wurde er gleich vielen anderen Juden wie auch der Judengemeinde mitgerissen und geriet in Konkurs49). Wiener Jude ist Joseph Austerlitz, der, wie es scheint, sich zuerst in Nikolsburg ansässig macht, von wo er mehrmals nach Leipzig zur Messe reist50). Nachher finden wir ihn in Krakau, und um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts pachtet er beim Staate die Zollkammer von Wielun, durch welche sämtliche Ochsentransporte von Polen nach Breslau getrieben werden. Austerlitz führt den stolzen Titel „Direktor der Zollkammer"51), wird in den Quittungen mit „Herr" tituliert52) und gebärdet sich wirklich wie ein „Herr", was der Adel nicht leiden mag. Auch die Kaufleute wollen den jüdischen Direktor an der Grenze nicht dulden und führen über ihn Klage bis zur Finanzkommission in Radom53). Im Jahre 1731 begegnen wir in Wodzistaw dem Ber (Berusch) Austerlitz, wahrscheinlich einem Sohne Josephs, der ebenfalls die Zollkammer in Wielun pachtet und selber den Grenzverkehr kontrolliert54). Im Jahre 1680 begegnen wir in Krakau zwei schlesischen (Wiener) Juden, die auf der Maut zu Chrzanöw beschwindelt wurden, worüber sie im Schloßgericht Klage führen. Sie heißen Salomon Gimblo (Gimpel) und Jakob Pollak-Wiener55). Wahrscheinlich ist dieser Jakob Pollak verwandt mit Juda Sohn Simons-PoIIak, einem der letzten Verweser der Wiener Gemeinde, dem wir bereits anfangs des Jahres 1671 in Krakau begegnen. Juda Pollak war in Wien Vorsteher der Gemeinde in den letzten Jahren ihres Bestandes, unterzeichnete an zweiter Stelle ihr Gesuch an die vier vereinigten sephardischen Gemeinden in Venedig (1670) 56), kassierte die letzten Gelder ein, welche die verzweifelten Wiener Juden zwecks Tilgung ihrer Schulden zusammenschössen, übernahm ad fideles manus das Vermögen der Chewra Kadischa und der Handwerkerzünfte und hatte den Auftrag, das Synagogensilber zu verteilen. Die Armut in Wien war aber so groß, daß alle diese Summen die Not nur wenig lindern konnten; schon während der Liquidierung der Gemeinde erhoben sich Stimmen gegen Judas Verwaltung, ja man beschuldigte ihn, er habe das Geld oder wenigstens den Rest desselben veruntreut. Diese Stimmen wurden immer lauter und folgten Juda in seinen neuen Wohnsitz nach G ö d i n g, wo im September desselben Jahres die mährische Landmanschaft tagte57). An diese wandten sich die Kläger, und die Landmannschaft beauftragte ihr Gericht, den Juda vorzuladen und die Sache zu prüfen. Juda Pollak erklärte aber den Richtern, er wollte nur dann Rede stehen, wenn 48) Staatsarchiv in Krakau, Relationes castr. crac. Bd. 125, B, S. 1915. tö) Die Passiva der Firma Forbes beim Adel und dem Klerus betrugen 133 621 Gulden. Relationes Bd. 126, S. 663—669. Siehe den ganzen Band 132 B (Konkurssache). 50) Kaufmann, Letzte Vertreibung, S. 171, die Genealogie; Wachstein, Inschriften, Bd. II, S. 89; Freudenthal, Leipziger Meßgäste, S. 168. Die Identität dieser Person müßte noch festgestellt werden. 51) Relationes castr. crac. Bd. 139 B (664), pg. 1123 u. 1162. 52> Das., Bd. 140 (665), S. 301 und 687 (Jahr 1717). 53) Sogar der königliche Sekretär Domoslawski tituliert ihn „Herr" in seiner Quittung vom 12. November 1719. Relationes, Bd. 143 (669), pg. 93. fi4) Relationes, Bd. 155 (685), S. 1628. ») Das., Bd. 107, pg. 446. **) Kaufmann, Die letzte Vertreibung, S. 139. Dort zeichnet Pollak im hebräischen Gesuch: Juda ben Simon. 57) Wolf, Die alten Statuten der jüd. Gemeinden in Mähren . .., pg. 103 ff. haben wir die Beschlüsse eines Judentages in Göding; für das Jahr 1670 ist kein Beschluß vorhanden. 7

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