Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Beziehungen des Vierländer-Parlaments zu Deutschland im 17. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 2)
- Language
- German
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nischen Juden aus Hamburg, wo sie sich niederzulassen begonnen hatten, beginnt sich dort — zuerst unter dem wohlwollenden Schutz der portugiesischen Judengemeinde Hamburgs — eine Schar von aschkenasischen Juden anzusiedeln, die nicht mehr zur Altonaer Gemeinde gehören, dorthin auch keine Steuern zahlen, d. h. auch keine dänischen Untertanen sind. 1657 flüchteten während des Schwedenkrieges wieder einige Altonaer Familien nach Hamburg4), wo sie schon eine kleine Gemeinde aschkenasischer Juden vorfanden, die nicht aus Altona gekommen waren und auch dementsprechend dorthin keine Abgaben zu entrichten hatten. Diese kleine Gemeinde versuchte sich auch jetzt ihre Unabhängigkeit von Altona zu erhalten; sie hielt sich ihren eigenen Rabbiner, R. David Tebele aus Posen, der durch die Schwedenkriege zur Flucht aus seiner Heimat veranlaßt worden war5). Altona hatte selbstverständlich seinen Rabbiner, der damals noch nicht Oberrabbiner der drei Gemeinden AHW (Altona-Hamburg-Wandsbeck) war6). Die Hamburger deutschen Juden waren aber dennoch in einem sehr wichtigen Punkte von der Altonaer jüdischen Gemeinde abhängig, sie mußten aus Ermangelung eines eigenen Friedhofs Vgl. ferner meine Arbeit: Der Streit um den Friedhof zu Ottensen. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der deutschisrael. Gemeinde in Hamburg Tin: Jahrbuch f. d. jüd. Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte 3 (5692 — 1931/2), S. 45—68J. Der hier abgedruckte Abschnitt, der das Eingreifen des Vierländer-Parlaments behandelt, ist nur ein Ausschnitt aus dieser Arbeit, der die Entstehung der Hamburger jüdisch-aschkenasischen Gemeinde nach den Quellen zu schildern sich bestrebt. 4) Memoiren der Glückel von Hameln, ed. Kaufmann, S. 26; Grunwald a.a.O., S. 11. 5) Ueber diesen s. Grunwald, a. a. O., S. 117 Anm. 1, ferner bei E. Duckesz, Chachme Ahu (Krakau 1908), S. 8 ff. (deutscher Tl. S. 3, 12). 6) Dieser Altonaer Rabbiner war David ben Menachem ha-Kohen aus Hanau; über ihn s. bei E. Duckesz, Iwwah, S. 1—2. deren Friedhof für die Beisetzung ihrer Verstorbenen benutzen und dabei wahrscheinlich eine Extraabgabe an die Altonaer Gemeinde (da sie ja an deren Lasten sonst nicht mittrugen) entrichten. Die Altonaer Gemeinde glaubte so die Hamburger Juden ihrer Jurisdiktion wenigstens auf diesem Gebiete unterworfen zu haben. Aber die Hamburger aschkenasische Gemeinde — obwohl viel kleiner als die große Altona - Hamburger Gemeinde — versuchte, sich der Bevormundung durch die Altonaer Gemeinde vollständig zu entziehen; dies gipfelte darin, daß sie die Erwerbung eines eigenen Friedhofs beschloß und ins Werk setzte. Nach der von dänischer Seite eingeholten Erlaubnis wurde im Jahre 1663 ein Platz für einen Friedhof in Ottensen7) erworben, den man sofort in Benutzung nahm. Sofort begannen die Altonaer Juden dagegen zu arbeiten; sie erreichten es, daß nach der Erwerbung und der Einweihung des Friedhofs zwei aufeinanderfolgende Verbote seitens der dänischen Regierung erlassen wurden, die die Beisetzung von Juden in Ottensen vorläufig verhindern sollten. Nach langen Bemühungen gelang es den Hamburger aschkenasischen Juden, eine Aufhebung dieser Verbote durchzusetzen, die allerdings nicht von dauerndem Erfolg war; kurz darauf nämlich erfolgte wieder ein Verbot seitens der dänischen Regierung (wieder auf Veranlassung der Altonaer aschkenasischen Gemeinde), in Ottensen Bestattungen vorzunehmen. Bis hierher war das Ganze nur ein lokaler Streit zweier jüdischer Gemeinden, die sich gegenseitig der Unterstützung der dänischen Beamten bedienten, um das Entstehen einer neuen Nachbargemeinde zu bewirken bzw. zu verhindern. Jetzt aber, nach diesem dritten Verbot, erfuhren die Hamburger Juden, die sich wegen der Aufhebung des Verbotes nach Pinneberg Jbemüht hatten, „daß sich unser Gegenpartt beklaget, [daß] wir gegen 7) Dort hatte man bereits früher versucht, einen Friedhof anzulegen — aber seitens der Altonaer Juden: Grunwald a.a.O., S. 7; diese Versuche führten aber zu keinem sichtbaren Erfolge. 273