Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4
- Article
- Flamänder als Spitzname
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
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daß die aus Flandern ins Land gekommenen, ja berufenen Lehrer in allerlei Fertigkeiten allmählich durch das Erstarken einheimischer Kräfte in diesen Erwerbszweigen überflüssig und infolgedessen brot- und obdachlos wurden, somit zu Vaganten und Vagabunden herabsanken- Vielfach mögen sie aber von der nationalen Konkurrenz als „lästige Ausländer" empfunden worden sein und Brotneid und Haß ausgelöst haben- Ein Schicksal, das mit dem des Diasporajuden manche Aehnlichkeit aufweist. Beziehungen des Vierländer-Parlaments zu Deutschland im 17. Jahrhundert. Nach unveröffentlichten Archivalien. Von Bernhard Brilling. Die Aufgabe des „Vierländer-Parlamentes" (Waad arba arazoth)1) — als der obersten jüdischen Behörde in Polen — war neben anderem die Vertretung der gesamten Judenschaft gegenüber dem polnischen Staat und gegenüber auswärtigen jüdischen Gemeinden. Letztere Seite ihrer Aufgaben ist bis jetzt — wohl aus Mangel an Materialien — noch kaum behandelt worden, wenn man von den Beziehungen zu der Amsterdamer sephardischen Gemeinde im 17. Jahrhundert absieht2). J) Die Uebersetzung „Synode" ist absichtlich vermieden, weil diese im heutigen Sprachgebrauch vorzugsweise auf christlich-kirchlichen Zwecken dienende Zusammenkünfte angewendet wird, während es sich hier um solche handelt, die zwar dem Zeitalter gemäß religiösen Anstrich haben, aber der Behandlung aller Fragen gewidmet sind. Diese Tagungen glaube ich besser mit der Bezeichnung „Parlament" (Versammlung oder Sejm) wiedergeben zu können. In denUebersetzungen des 18. Jahrhunderts wird „Waad" gewöhnlich mit „Versammlung" wiedergegeben. Auch J. Schipper sagt (MGWJ 56 (1912), S. 462): „irrtümlicherweise genannt Drei- bzw. Vierländer-Synode"; er setzt dafür „allgemeine und partielle Judentage", was mir als eine zu unbestimmte Ausdrucksweise erscheint. 2) Die sephardischen Juden Amsterdams wandten sich 1661 und 1671 zwecks Schlichtung ihrer Streitigkeiten 272 Hierzu will nun diese kleine Studie auch etwas beitragen, um die Wichtigkeit und überragende Bedeutung dieser jüdischen Instanz Polens auch für die deutschien Juden, die außerhalb Polens wohnten, ins rechte Licht zu stellen. Der Einfluß der jüdischen Parlamente Polens auf die Hamburger und Altonaer Juden bei dem Amulettenstreit zur Zeit des Oberrabbiners Jonathan Eibenschütz wurde bereits — z. T. wenigstens — in M. Grunwalds „Hamburgs deutsche Juden" gestreift3). In dieser Zeit (um 1753) hatte die Macht des „Vierländer-Parlaments" bereits ihren Höhepunkt überschritten. Aber schon viel früher hatte dieser Waad, was bis jetzt überhaupt noch nicht bekannt war, in die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden zu Hamburg und Altona eingegriffen, bereits zu der Zeit, als die erste selbständige Gemeinde aschkenasischer Juden in Hamburg im Entstehen begriffen war. Die Altonaer aschkenasische Gemeinde ist die ältere Gemeinde; ihr Gründungsprivileg datiert vom Jahre 15843 a) Nach dem Jahre 1649, nach einer Vertreibung dieser Altonaer dämit den dortigen aschkenasischen und polnischen Juden an den Vierländer- Waad; vgl. J. Maarsen, Der Waad und die Gemeinden in Amsterdam im 17. Jahrhundert (hebr.) im „Hazofeh" VIII, H.4, S. 289 ff. (1924). Zuletzt vgl. darüber die (gleichfalls hebr. geschriebene) Studie von I. D. Markon über die „Statuten der polnisch-jüdischen Gemeinde in Amsterdam vom Jahre 1672" in: „Zijunim" (Sammelbd. z. Andenken an J. N. Simchoni), Berlin 1929, S. 162 ff. — Ueber sonstiges Eingreifen des Waad in außerpolnische Angelegenheiten vgl. auch L. Lewin, Die Landessynode der großpolnischen Judenschaft, S. 36 ff. 3) „Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811" (Hamburg 1904), S. 120 erwähnt Grunwald das Eingreifen einer polnischen Rabbinersynode zu Jaroslaw; vgl. auch das. S. 126—24; vgl. auch E. Duckesz, Iwwah lemoschav (Krakau 1903), S. 37; ferner Lewin a.a.O., S. 52 ff. 3*) A. Feilchenfeld, Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, MGWJ 43 (1899), S. 273 ff. —