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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 270

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 4
Article
Flamänder als Spitzname
Date
1931-01-01
Page
Seite 270 (sequence 2)
Language
German
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Miszellen (= Rumänien, jüd.), Athen (Spree-A.) Attika (attisches Salz), Babel (Seine- IS.), Barde, Beginen (Scheinheilige), Böhraaken (Straßenmusiker in Schlesien), Bonze, Buxtehude, Byzantinismus, Danaer (— Geschenk), Edom (= Rom, jüd.), Epikureer, Florenz (Elb.-F.), Franzosen (Krankheit), Giganten, Grec (französ. Falschspieler), Heloten, Hesse („blinder H."), Hyperboräer, Jesuit, Kalauer (Calembourg), Kananäer (im A. T. Händler), Klephten (= Räuber), Krethi Plethi, Krowot (= Cretin, so in Wien), Mameluken, Mandarinen, Manichäer, Mottenburger, Nassauer (Drückeberger), Pagode, Pascha, Patrizier, Pfaffe, Phaeaken, Pharisäer, Philister, Plebejer, Samariter, Schiida, Schildbürger, Schwabenstreiche, Schwabenalter, Schweizer (= Portier, Garde im Vatikan, Milchmeier, Schweizerei), Sodomiter, Spanien (spanische Dörfer), Stoiker, Straubinger, Sybariten, Tartaren-Nachrichten, Thebaner („kundiger" T.), Titanen, Türke (toter T.), Vandalen, Venediger, Walchen (Erdgeister), Vertatschen (= erklären, jidd.), Zulukaffer, Zyniker. Geschichtliche oder literarische Erinnerungen liegen auch vor in: Augiasstall, Canossa, Cicerone, Donna, Dulcinea, drakonische Strenge, Ephialtes, Herkulesarbeit, Hiobspost, homerisches Gelächter, Herostrat, keuscher Josef, Kroesus, lukullisch, Messalina, Methusalems Alter, Pyrrhus-Sieg, Rosinante, Tartuffe, ungläubiger Thomas u. a. m. Unter den Juden Englands findet sich im 12. Jahrhundert, in dem eine starke allgemeine Auswanderung aus Flandern einsetzt, ein „Flamengus", im 13. ein „Fleming" (Jacobs, Jews in Angevin England, Mitt. z. jüd. Volkskde. 1911, S. 112). Fleming, bekanntlich der Name eines deutschen Dichters, ist die englische und z.T. deutsche Bezeichnung für Vläme. In den „vier Heymonskindern" (bei Schwab, Reclam, S. 5) ist sie „Flaminger". „Flemish account" bedeutet im Matrosenslang: ungenaue Rechnung, verworrener Bericht. So Hat „Vläme" hier einen mißlichen Beigeschmack, wie sonst „Levantiner". Im Deutschen ist „flandrische Liebe" 270 eine Umschreibung für Flatterhaftigkeit, Treulosigkeit in der Liebe („Ich bin aus Flandern, geb* eine um die andern", Meyers Konv.-Lex.). „Flämisch" hat, nach Sanders, Handwörterb. d. deutschen Sprache, den Nebensinn „derb, grob, plump" und „mürrisch, verdrießlich", daher vielleicht das schlesische „einen Flunsch ziehen", d. h. eine sauere Miene machen. Auch an „Flaez" sei hier, trotz Büchmann, erinnert. Der oberschlesische Jude nennt einen großen, plumpen Menschen einen „Labander", was aber kaum mit dem Ortsnamen Laband zu tun hat, sondern wohl aus „Flamander" verstümmelt ist. „Flamand" heißt im französischen Lustspiel der Bediente. Flamand und Flameng sind Namen bekannter französischer Kupferstecher. — „Fläming", der Name eines Bergrückens in der norddeutschen Tiefebene, erinnert daran, daß Albrecht der Bär und seine Nachfolger das flache Land mit Bauern aus Flandern besiedelten und so germanisierten. Diese Einwanderer haben nachweisbar bis ins 17. Jahrhundert Sprache, Sitte und Tracht ihrer niederländischen Heimat beibehalten. Flemmingen, wie Fleming und Flemingsburg in den USA., ist Ortsbezeichnung in Preußen, Sachsen und Thüringen, Flemmendorf, ähnlich Hollerndorf, in Preußen. — In Wien wurden 1208 von Leopold VI. Vlämen als Tuchfärber angestellt. Diese „Flandrischen" erhielten den Altbürger-Freiheitsbrief. Flamänder, Flandrer, Fleming wurden gleichbedeutend mit „Färber" ( Karl Weiß, Gesch. d. Stadt Wienl, S.326) und mit „Fremder" (s. oben Framengo), ähnlich wie Cahursini, Cawertschen (aus Cahors) und die „falschen" Welschen. Vielfach galt die Färberei als minderwertiges Gewerbe, weshalb man es in solchen Gegenden den Juden überließ. Möglich, daß die Verächtlichkeit der „Flamänder" hiermit zusammenhängt. — In Wiener-Neustadt waren die „Flandrer" die Tuchmacher (Jac. Mayer, Gesch. von Wiener-Neustadt I, S.275). — „Flamender" hießen in Oesterreich überhaupt die Niederdeutschen, die Süd- und Westdeutschen hingegen „Oberländer" (auch jüdischer Familienname noch heute in Wien), während von ungarischen Juden die aus der Marmorosz geringschätzig als „Unterländer" (oder „Wasserpolacken", also wie die

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