Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter" (Berlin 1900) ist leider schon seit vielen Jahren vergriffen. Der für die Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland äußerst wichtige Gegenstand wäre neuer wissenschaftlicher Untersuchung auf breitester Quellengrundlage wert. Solange eine solche nicht vorliegt, wird man auch dem Münzschen Buche manche Aufschlüsse entnehmen können. Joseph Seeboth, Das Privatrecht des Berliner Stadtbuches vom Ende des 14. Jahrhunderts. (Einzelschriften der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Heft 2). Berlin 1928. Verlag Gsellius. VI u. 46 S. Die von Ulrich Stutz angeregte Preisarbeit der Berliner Juristischen Fakultät, welche von K. A. Eckhardt in der Savigny-Zeitschrift für Rechtsgeschichte, german. Abt. 49 (1929), S. 613 f. ausführlicher gewürdigt ist, behandelt auch die Rechtsstellung der Juden. Diese hat in dem Stadtbuche eine liebevolle und sorgfältige Darstellung erfahren. Ja, — für das Mittelalter besonders bemerkenswert — der Verfasser des Stadtbuches ist bestrebt, eine Mißstimmung der Berliner Bürger gegenüber den Juden zu mildern (S. 10). Die Juden stehen im Schutze der Stadt, wofür sie zinspflichtig sind. Der Verfasser untersucht ihre personenrechtliche Stellung (S. 9 f.), erörtert Recht und Form des Judeneides (S. 10 f.) und schließlich das sogenannte Wucherprivileg (S. 24). Seine knappe Darstellung, die überall das Wesentliche gut herausarbeitet, bildet einen wertvollen Beitrag zur mittelalterlichen Geschichte der Juden in Berlin und in der Mark. Fritz Wyler, Die staatsrechtliche Stellung der israelitischen Religionsgenossenschaften in der Schweiz. (Glarner Beiträge zur Geschichte, Rechtswissenschaft und Wirtschaftskunde, Heft 10). Glarus 1929. Verlag von Rud. Tschudy. 206 S. Der eingehenden und eindringenden juristisch-dogmatischen Behandlung der Organisationsformen und der staatsrechtlichen Stellung der israelitischen Religionsgenossenschaften in der heutigen Schweiz geht eine rechtsgeschichtliche Einleitung voran, betitelt: „Die Rechtsstellung der israelitischen Religionsgenossenschaften von 1874". Ein wertvoller Abriß der Rechtsgeschichte der Juden in der Schweiz vom Mittelalter bis 1874 mit dankenswerten Literaturhinweisen. Unter diesen hätte vielleicht noch die „Neue israelitische Zeitung" Erwähnung verdient, die, von Alexander Kisch in Zürich herausgegeben, als erste jüdische Wochenschrift der Schweiz 1878—80 erschienen ist und verschiedene historisch interessante Materialien enthält. Wylers tüchtige und fleißige Arbeit ist eine Züricher rechtswissenschaftliche Dissertation. Xenia Pragensia, Ernesto Kraus, septuagenario et Josepho Janko sexagenario ab amicis, collegis, discipulis oblata. Pragae 1929. S. 446—458: Arne Noväk, Zweierlei jüdische Weisheit. Behandelt jüdische Stoffe und Gestalten des tschechischen Dichters Jaroslav Vrchlicky unter Vergleichung mit Lessings dramatischer Komposition Kurt Zielenziger, Juden in der deutschen Wirtschaft. Berlin 1930. Welt-Verlag. 287 S. Ein Querschnitt durch das Wirtschaftsleben des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts in Gestalt von 21 geschickt ausgewählten und zusammengestellten Lebensbeschreibungen bedeutender jüdischer Wirtschaftsführer Deutschlands von den Rothschilds bis zu Jakob Goldschmidt. Die Beziehungen der Juden in Deutschland zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft werden aufgezeigt. Den biographischen Skizzen geht eine historische Einführung: „Vom Ghettohändler zum Wirtschaftsführer" voraus. Es wäre verdienstlich, wenn eine etwaige neue Auflage am Ende jeder Biographie eine Literaturübersicht brächte. 224